• 23.12.2016
    • Toi et moi

    Die verpasste Gegenwart

    Hallo liebes Forum,
    ich lese sehr oft im Forum mit und schreibe ab und zu hier meine Gedanken. Das hilft mir sehr mich und meine Welt besser wahrzunehmen und zu verstehen.
    Ich bin mittlerweile seit Jahren Single und nach meiner Ehe habe ich nie eine neue Beziehung gehabt, irgendwie schaffe ich nicht zu springen. Es gab schon Gelegenheiten, ich habe auch viel Lob und Komplimente bekommen, aber ich merke, dass ich absolut nicht interessiert bin und je mehr die Zeit vergeht, wird mein Desinteresse größer. Das macht mir Angst. Ich möchte nicht einsam und alleine enden..... Ich habe darüber nachgedacht, woran es liegen konnte und habe festgestellt, dass ich die Gegenwart immer verpasse und ich mich nicht darauf einlassen kann, weil ich irgendwie immer in der Vergangenheit rumschwebe. Es ist nicht immer die gleiche Vergangenheit, es wechselt sich und die alte Vergangenheit ersetzt sich in eine neueren frischen Form der Vergangenheit aber letztendlich kann ich mit den Geschichten in meinem Leben nicht einfach abschließen und mich auf die Gegenwart, auf hier und jetzt fokussieren.
    Ich habe vieles versucht z. B. Kontaktsperre; Ablenkungen durch Hobbies; arbeiten bis Tod umfallen, aber ich kann es nicht abschalten. Ich habe den Eindruck, wenn es so weitergeht, verliere ich mich in Vergangenheit und verpasse auch diesen Abschnitt meines Lebens. Was kann ich nur tun? Ich würde mich über eure Meinungen freuen.
    Und last but not least möchte ich Euch allen fröhliche Weihnachten wünschen.
    Liebe Grüße
    Moi
     
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    • # 1
    • 23.12.2016
    • Lebens_Lust
    Ich verstehe nicht ganz, welche Vergangenheit Du meinst. Trauerst Du Deiner Ehe hinterher? Warum Kontaktsperre? Was ist denn das, was Dich in der Vergangenheit beschäftigt?
     
    • # 2
    • 23.12.2016
    • Lionne69
    Liebe Du&Ich,

    Leider geht es nicht anders, als die Vergangenheit aufzuarbeiten und abzuschließen.
    Verabschieden heißt nicht verdrängen - Du hast gemerkt, es funktioniert nicht.

    Ich weiß nicht, was Dich aus Deiner Vergangenheit verfolgt, nur weglaufen wird nie gehen.

    Mein Weg war und ist es immer noch
    Lernen, anzunehmen, was war,
    die Gefühle anzunehmen, die ganz tiefe Angst, die Hilflosigkeit, die Verzweiflung, die Wut. Alles das, was gut verdrängt war und nie den Raum bekam.
    Mich selbst anzunehmen, wert zu schätzen, mir zu erlauben, dass ich liebenswert bin, es nicht verdienen muss.
    Das war viel Arbeit mit Imaginationen, mit inneren Kind-Anteilen, EMDR, sicheren Orten. Die "Kleine" nach-beeltern. Es gibt sehr viel an Literatur dazu.
    Und ich hatte das Glück, 2 richtig kompetente und engagierte Traumatherapeuten gefunden zu haben (irgendwann war ein Wechsel notwendig).

    Es hat sich gelohnt, auch wenn es kein einfacher Weg ist.

    Ob ich deswegen beziehungsfähiger bin, keine Ahnung. Das ist nicht die Motivation.
    Ich kann mit mir selbst leben, eine gute Beziehung mit mir führen. Ganz andere Lebensqualitäten definieren, vieles viel gelassener und entspannter sehen.
    Im Hier-und-Jetzt Leben (mag das Wort nicht, das wird zu inflationär gebraucht), den Moment genießen.

    Wie morgen, unsere Weihnachtsrituale (Meine Söhne und ich) und als Abschluss "Stille Nacht" am Ende der Christmette -

    Dir auch ein gutes Weihnachten.
     
    • # 3
    • 23.12.2016
    • mermaid53
    Erlaube dir in das Hamsterrad deiner Träume einzusteigen: wenn du merkst dass du dich im Hamsterrad einer Vergangenheit drehst, dann mach die Musik an (am besten immer das gleiche Lied, das dich fröhlich stimmt) und dann male dir eine Zukunft aus, die dich glücklich macht. Und in diesem Hamsterrad darfst du dich gerne so lange drehen wie du möchtest.
     
    • # 4
    • 23.12.2016
    • Evi09
    Ich finde Lionne's Beitrag sehr gut.
    Wir alle tragen unsere Vergangenheit mit, natürlich ist die Last bei jedem eine andere. Mir ist auch nicht klar, was genau Deine Last ist - ist es deine Ehe? Eine alte Liebe? Ist es die Kindheit, das Jungsein? Sind es Dinge, die du bereust, nicht gemacht zu haben?

    Ich bin auch jemand, der lange braucht. Den Tod bei meinem Familienmitliged habe ich etwa 5 Jahre lang nicht ordentlich verdauen können. Ich bin jemand, der sehr emotional an Dinge rangeht, sich intensiv freut, aber auch intensiv trauert. Diese Intensivität ist belastend, aber auch eine Bereicherung, denn wenn Freude da ist: dann kann ich sie übertragen, dann kann ich auch andere glücklich(er) machen. Wie ist dein Charakter diesbezüglich? Spürst du auch intensiv? Oder analysierst du sehr viel? Wichtig ist zu wissen, dass dies keine Schwächen sind!! Alles kann eine Superkraft sein, alles, was scheinbar negativ ist, kann auch positiv wirken (und umgekehrt).

    Das Loslassen ist ein schwieriges Thema, ich lerne es auch noch. Mit der Zeit akzeptiert man sich selbst, liebt sich selbst, und das hilft. Mir hilft auch mein Glaube, und Kunst - externe Energien, die intern werden. Jeder findet da wohl seinen eigenen Weg um stärker zu werden, um Akzeptanz zu adaptieren. Und danach geht auch das Loslassen... leichter, hoffe ich.
     
    • # 5
    • 24.12.2016
    • Toi et moi
    Es gibt immer etwas in meinem Kopf, was noch nicht gelöst wurde und so kann ich mich nie auf das aktuelle Thema/Beziehung/Lebensabschnitt konzentrieren. Es sind viele Geschichten in meinem Leben, die mich beschäftigen. Es ist immer auch irgendwie ein wenig Schuldgefühl dabei, obwohl ich nichts falsches mache. Zum Beispiel bin ich erfolgreicher als meine Geschwister, es war in der Schule so, im Studium so. Ich weiß es auch nicht, ich hatte immer bessere Noten, bessere Schulabschlusse, bessere Beziehungen und seit ich denken kann habe ich mich dabei nicht wohl gefühlt und irgendwie habe ich immer schlechtes Gewissen meinen Geschwistern gegenüber. Das hat meine Ehe sehr belastet. Nach der Ehe war dieser Druck plötzlich weg, denn ich war nicht mehr, derjenige, dem es alles gelingt und in dem Moment war auch diese Vergangenheit weg und wurde durch die Verlust meiner Ehe ersetzt. Ich habe meinen Mann geliebt, wirklich sehr, es hat mir das Herz gebrochen, dass nach allem, was wir uns aufgebaut haben, er alles aufgegeben hat und gegangen ist. Ich bin geblieben und so ist alles erhalten geblieben. Der Preis war aber die Einsamkeit und Trauer und dann lernte ich doch jemanden kennen aber ich war noch mit meiner Ehe und mit der Trennung beschäftigt. Mit ihm schrieb ich fast zwei Jahre lang. Er begleitet mich ein wenig und nach und nach konnte ich die Vergangenheit loslassen. Aber dann merkte ich, dass ich nur mich ablenkte. Obwohl nein, das ist nicht das richtige Wort. Ich liebte ihn. Ohne ihn war mein Leben fast unerträglich gewesen und er brachte bisschen Licht rein. Aber er liebte mich nicht, für ihn war es ein Kontakt neben viele andere auch und war nichts wichtiges in seinem Leben. Um mich zu schützen habe ich diese kleine Liebes Geschichte auch beendet und nun trauere ich ihn nach :). Jetzt fühle ich mich auch noch schuldig, weil ich ihn nach zwei Jahren heute auf morgen fallen lassen habe und so komme ich wieder nicht weiter.....
     
    • # 6
    • 24.12.2016
    • Toi et moi
    @Lionne, du bist ein Schatz, ja ich weiß was du meinst, über eine Therapie habe ich auch nachgedacht aber ich fürchte, ich muss das mit mir selbst ausmachen......
    Viel Spaß Morgen beim Singen. Wir wollen auch singen, es wird bestimmt schön :)
     
    • # 7
    • 24.12.2016
    • Toi et moi
    Eine schöne Idee und ob du es glaubst oder nicht, das mache ich sehr oft, eigentlich mein ganzes Leben, Ich habe eine blühende Phantasie und sehr oft hätte ich mein Leben nicht meistern können, wenn ich nicht in die Welt der Träume geflüchtet hätte aber ich verpasse dabei mein Leben, verstehst Du? Ich möchte endlich Ruhe und Zufriedenheit finden, ich möchte keine Schuldgefühle, keine Träumereien, keine Vergangenheit und auch keine Verlustängste mehr.
     
    • # 8
    • 24.12.2016
    • Pampan
    Ja, es ist nicht einfach. Und manchmal hat man das Gefühl, irgend eine Kraft oder Energie oder Blockade hält einen in der Vergangenheit. Aber auch das kann man mit der richtigen Methode auflösen. Vor allem die ganzen Verknüpfungen. Ich habe damals sogar das Gefühl gehabt, es sind zum Teil gar nicht mehr meine Gefühle, sondern dass da noch was vom Ex kommt, was mir Kraft raubt. Ich habe das durch Energie abschirmen geschafft mit "emotional clarification process", vor allem auch mal die Zusammenhänge zu erkennen. Funktionierte in ganz wenigen Terminen. EBT und EMDR kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Das hat bei mir bei einem Trauma top funktioniert, gibt aber keine Hintergründe. Und so holen eine manche Muster dann in der nächsten Beziehung oder im Job oder sonstwo wieder ein. Alles Liebe!
     
    • # 9
    • 24.12.2016
    • tremendat
    Hi,

    wenn die Gedanken nicht anders können, als in die Vergangenheit abdriften (und das so stark, dass es dich belastet), dann ist ne psychologische Beratung bzw. ne kleine Therapie angesagt. Die kann wirklich helfen, Gedanken auf neue "Neuronenbahnen" zu lenken.
    Man muss kein "Psycho" sein, um mal Psychotherapeutenbedarf zu haben. Ich hatte mir das in einer schweren Ziet auch mal gegönnt und es hat sich locker bezahlt gemacht.
    Schöne Weihnachten.
     
  2. Guten Morgen liebe FS,

    dann nehme deine Vergangenheit mit in die Gegenwart, sie ist ein Teil von dir und gehört zu dir. Gebe ihr den Raum, damit sie erkennen kann, dass du die Gegenwart leben möchtest. Sie möchte als Lehrmeister nicht verdrängt werden, sondern beachtet und sich mit dir versöhnen. Alles was man verdrängen will, bedrängt und drängelt...

    Alles Liebe mit weihnachtlicher Besinnlichkeit...
     
    • # 11
    • 24.12.2016
    • Kaktus
    Wie lange bist Du denn schon geschieden? Offenbar hast Du noch nicht abgeschlossen? Warum nicht? Hast Du noch Hoffnung, dass alles "wieder gut" wird? Du hast noch Kontakt zum Expartner? Das ist, wie Du siehst, nicht in jedem Fall eine gute Entscheidung.
    Sich selbst mit Gewalt Kontaktsperre zu verordnen, bringt Dich auch nicht weiter. Wenn Du noch so stark in der Vergangenheit verharrst und Du allein keinen Ausweg findest, brauchst Du offenbar Hilfe.
    Hast Du schon mal mit dem Gedanken gespielt? Es hat nichts mit Schwäche zu tun, sich einem Therapeuten anzuvertrauen, wenn man an einen Punkt im Leben kommt, wo es einfach nicht weiter geht und das einen immens belastet. Gehe den Schritt und stelle fest, was Dich daran hindert, dass es Dir besser geht. Das ist ganz wichtig. Wenn Du das WARUM mit Hilfe eines Therapeuten ergründen kannst, besteht eine gute Chance, das zu ändern. Deine Lebenszeit rinnt Dir sonst weiter durch die Finger. Deine Lebensqualität wird sich verbessern. Sicher nicht von einem Tag auf den anderen, aber stetig. Geh den Weg und glaube an Dich! Und natürlich an den Therapeuten.
     
    • # 12
    • 25.12.2016
    • void
    Glückliche und/oder erfolgreiche Menschen, die sich auch noch daran freuen, dürfen das meist nur heimlich tun, weil sonst selbst die Freunde missgünstig werden. Ich kenne einige, die gern mit "Losern" (nach ihrer Definition) befreundet sein können.
    Deswegen finden sich vielleicht auch immer nur Menschen als Freunde, die ungefähr gleich liegen, was Erfolg (Beziehungen, Geld, Karriere) angeht. Das ist dasselbe wie beim Partnerfinden, der soll ja auch "Augenhöhe" haben, damit diese Neidgefühle und darausfolgend Aggressionen nicht auftreten. Man wird auch aus der Gruppe ausgestoßen, wenn man erfolgreicher ist oder mehr Glück hat. Manchmal sind es sogar Elternteile, die dem Kind neiden, dass es auf einem bestimmten Gebiet frei, fröhlich und leicht Erfolge hat. Das ist besonders fatal, weil das Kind ja dann lernt, dass es dem Tod überlassen werden könnte, weil die Eltern nicht mehr sorgen werden. (das ist natürlich krass gesagt, aber vielleicht ist es das unterschwellige Gefühl: Die Umsorger müssen dich lieben, damit du aufwachsen kannst, also verhalte dich auch so, dass sie es können.)

    Vielleicht muss man auch die nötige "Gegenkraft" dafür haben, seinen Erfolg unter anderen ganz offen zu genießen und die folgende Einsamkeit aushalten zu können. Ich meine hier Freunde und Bekannte, bei Eltern funktioniert das erst, wenn man erwachsen ist und hoffentlich emotional unabhängig. (Geht das überhaupt, dass man nicht mehr verletzt werden kann durch Aussagen von Eltern?)

    Sich in Träume flüchten habe ich auch als "man verpasst sein Leben" erkannt. Man denkt immer, dass es besser wird oder stellt sich was Tolles für die Zukunft vor, und dabei können große unrealistische Vorstellungen als Leitmotiv im Kopf sein, die am Schluss eine Enttäuschung bedeuten, weil es nicht so funktioniert, wie man es sich dachte. Ich hab mich irgendwann gefragt, ob man gar nichts mehr erwarten sollte. Insbesondere, wenn man sich auf andere Menschen dabei verlassen muss, kann man nicht mal vom normalen Worthalten und anständigen Verhalten ausgehen.
    Aber so eine Vision ist für mich immer ein großer Antrieb gewesen. Mittlerweile trenne ich es, also Erwartungen, die ich nicht haben will, von Inspiration und daraus folgender Energie. Dh. ich sage mir als Inspiration, ich mache irgendwas nur für mich und guck dann, was passiert. Und damit habe ich auch die Eigenverantwortung dran festzuhalten, und nicht durch Schuldgefühle oder Sich-Hängen-Lassen oder auch mal wiederkehrende negative Gedanken, dass sowieso alles sinnlos ist, wieder aufzugeben. Insbesondere habe auch ich im Kopf, dass ich keinen Erfolg haben DARF. Um das loszulassen, muss ich mich erstmal damit auseinandersetzen, dass mir die Missgünstigen, die ich in meiner Umgebung habe, "nichts tun" können. Und letzendlich scheint es darum zu gehen, Einsamkeit aushalten zu können, falls sie doch hinterm Rücken intrigieren. Ein paar Kostproben hatte ich schon. Könnte das bei Dir auch ein Thema sein?
     
    • # 13
    • 26.12.2016
    • Toi et moi
    Ich kann nicht sagen, dass meine Eltern mich beneidet haben. Nein, soweit möchte ich nicht gehen, sie sind beide sehr starke Persönlichkeiten und brauchen auch auf keinen Fall meine Unterstützung. Aber vielleicht haben sie mit mir konkurriert. Mein Vater hat nach meiner Promotion mir gesagt, dass ich ohne ihn nichts wäre und er hätte für mich keine Pläne mehr. Er sagte, sein Ziel sei, dass mein Bruder erfolgreicher wird als ich und ich sei auf mich alleine gestellt. Es war immer schwierig auch wegen meines Bruders. Mein Bruder war auch sehr intelligent viel intelligenter als ich und wurde auch tausendfach mehr von den Eltern geliebt aber er war faul, konnte die Konflikte nicht allein bewältigen, hat immer Hilfe benötigt und wollte nicht für seine Ziele arbeiten, hat immer erwartet, dass andere für ihn seine Wünsche erledigen. Irgendwie haben meine Eltern erwartet, dass ich mein Leben ihm und unserer Familie widme. Das hat mich und meine Ehe sehr belastet. Irgendwie wusste ich auch nicht was sie genau von mir erwartet haben. Ich konnte doch sein Leben nicht für ihn leben.
    Gut, mein Vater hat trotzdem uns und mir auch sehr geholfen aber gefühlsmäßig, auf emotionale Ebene hat er nie verkraftet, dass seine Tochter die erfolgreichere wurde und nicht sein Sohn.
    Wie gesagt, es ist jetzt zwanzig Jahre vergangen und alle haben sich mittlerweile beruhigt und ich bin mittlerweile eine alleinerziehende Frau, die für ihr Lebensunterhalt sehr viel arbeiten muss. Mein Vater hat nun gewonnen und so sind sie wieder alle glücklich und zufrieden. Bis heute hat er meine Trennung nicht zu Kenntnis genommen und grüßt meinen Ex-Mann immer wenn wir telefonieren. Es ist ok. Einmal nur habe ich wochenlang nicht mit ihm geredet und erst da hat er gesagt, dass es ihm leid tut wegen der Trennung und er mich bewundert und ich sei sehr stark und Hut ab etc.
    Die Verlust der Ehe und dann auch noch der Schreibfreund, ach ich weiß nicht. Mir geht es im Moment nicht gut. Ich bin zuversichtlich, dass es wieder besser wird aber im Moment ist richtig Sch....
    Wahrscheinlich die einzige Lösung wäre ein Cut mit der Vergangenheit, mit den Eltern, mit dem Ex-Mann und ein Neuanfang mit einem neuen Mann, neues Haus/Wohnung, neue Arbeitsstelle, neue Freunde und Umgebung aber alleine schaffe ich es nicht, es ist unheimlich schwer. Also muss ich noch warten. geduldig sein.
     
    • # 14
    • 26.12.2016
    • Kaktus
    Warum solltest Du das Problem nicht allein bewältigen können? Du machst Dich viel zu stark von der Anerkennung, dem Lob und der Liebe anderer Menschen abhängig. Worauf willst Du "warten", warum "geduldig" sein, wo es Dir schlecht geht? Deine Probleme lösen sich nicht von allein. Jammern und ausharren bringt Dich nicht weiter. Hör auf mit dem Selbstmitleid und gehe Deinen Weg hin zur Veränderung. Hinfallen ist nicht schlimm. Liegen bleiben schon. Ich empfehle Dir das Buch von Stefanie Stahl "Das Kind in dir muss Heimat finden". Ich glaube, das beschreibt Dein Problem sehr gut und liefert Lösungsansätze. Wie gesagt, wenn Du nicht allein weiter kommst, und das ist offenbar der Fall, vertraue Dich einer Therapeutin an, die mit Dir arbeitet und Dich auf Deinem Weg unterstützt. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!
     
    • # 15
    • 26.12.2016
    • void
    Das finde ich echt heftig, und das ist genau das, was ich meine. Warum versucht Dein Vater, Deinen Erfolg für sich einzuheimsen und auch noch, Deinen Bruder dahin zu bringen, dass er erfolgreicher ist als Du? Er gönnt es Dir nicht, das ist Missgunst und Neid und auch komisches Geschlechterdenken. Ich kenne ähnliches, nur ohne, dass sich jemand den Erfolg einheimsen wollte. Es ging eher darum, mir einzureden, ich sei nicht geeignet für das, was ich will (Studienfach, Studium überhaupt), ich sei nichts Besonderes, die Dinge, die ich tue, seien bedeutungslos (die waren sehr von Bedeutung, und wenn ich meine persönlichen beruflichen Pläne nicht für die Familie zurückgestellt hätte, wär das ne Katastrophe geworden).
    Ich würde auch nie sagen, dass ich nicht ab irgendwann viel unterstützt wurde. Aber dieses Herabsetzen, weil man sich selber klein fühlt, erlebe ich heute noch, auch von weiblichen Familienmitgliedern. Irgendwie scheint es zu reizen, wenn jemand, der als "Kind", auch noch ein Mädchen, abgespeichert ist in deren Köpfen, "zu viel" Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zeigt, vermutlich mehr, als sie selber Selbstvertrauen haben, und Respekt einfordert (sich Kindern gegenüber respektlos und grenzüberschreitend zu zeigen, wird ja gern verwechselt mit Erziehung). Leistungen von Frauen werden herabgesetzt bis ignoriert, wenn Frauen ein Fehler unterläuft, heißt es gleich, "siehste, du bist eben ungeeignet", wenn sie über Stress klagen, wird sich gefreut, weil sie es nicht besser verdient haben. Hätten ja sehen können, dass sie dafür nicht geschaffen sind.
    Und wenn ich mir die Mutter von ihnen so vor Augen führe, so weiß ich auch, wo es herkommt. Im übrigen richtet sich dieses Verhalten gegen jegliche Frauen, auf die man neidisch ist. Sie haben es nicht verdient, nicht demütig in Sack und Asche zu gehen.
    Wobei ich aber denke, dass es auch Familien gibt, wo die Söhne von den Väter so runtergemacht werden, weil die auch kein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen haben dürfen.

    Einen völligen Cut zu machen, halte ich nicht für gut, weil ich denke, dass es das Problem nicht beseitigt und dass man das nicht kann, wenn das so ist wie bei Dir. Du hast ja auch Unterstützung bekommen und das Bild von Deinem Vater, das Du hast, ist differenziert. Ich finde es aber auch nicht wichtig, einen verbohrten Kopf in der Familie von irgendwas überzeugen zu wollen. Deswegen ist Abstand gut. Und Gehen oder "Bescheidsagen", wenn wieder respektloses Verhalten kommt. Wie es mit dem Ex aussieht, kann ich nicht sagen. Ich würde es auf das Nötigste wegen des Kindes beschränken, wenn Dich die Vergangenheit mit dem Ex so belastet.
     
    • # 16
    • 26.12.2016
    • Toi et moi
    Danke für deinen Tipp. Ich werde mir das Buch anschauen.....
    Wie gesagt, es sind immer Schuldgefühle und Verlustängste dabei. Die Angst anderen wehzutun. Ich muss natürlich auch Rucksicht auf meine Kinder nehmen. Ich denke, dass ich einen Weg finden muss die Vergangenheit zu akzeptieren. Einfach ein Cut, eine Unterbrechung, eine Trennung von der damaligen Erlenbisse. Die Erlebnisse irgendwie löschen. Ich habe darüber gelesen, dass es Methoden gibt die vergangene Erlebnisse in Unterbewusstsein zu verlagern und diese auch irgendwann vergessen.
     
    • # 17
    • 27.12.2016
    • Cho Oyu
    Toi et moi.

    Fast habe ich das Gefühl hier selbst zu schreiben. Ich kann das, was du schreibst sehr gut nachvollziehen. Mir geht es oft ähnlich. Weder mein Bruder noch ich haben studiert (klassische OECD-Familie, nach der in Deutschland die Kinder nicht akad. Eltern auch nicht studieren). Unsere Eltern habe uns nicht unterstützt, wir hatten kein Selbstbewusstsein und so haben wir beide unser Studium abgebrochen - hätte ich es mal durchgezogen. Bzgl. Unterstützung Deines Bruders etc. pp. - es klingt wie bei mir. Auch ohne Studium war ich irgendwann in leitender Position - deutlich erfolgreicher als mein Bruder - doch nur er wurde gefördert. Jahrelang habe ich keine Beziehung auf die Reihe gebracht. Und meine Ehe besteht nur noch auf dem Papier. Mein Bruder ist noch immer und schon viel länger verheiratet. Meine Eltern haben mir immer wieder zu verstehen gegeben, dass er der geliebte, bessere Sohn ist - das ist teilweise bis heute so. Es gab fast nur finanzielle, keine emotionale Unterstützung.

    Ich hadere bis heute damit keine akad. Abschluss zu haben - obwohl mich meine Frau immer wieder darin bestärkte, dass es auch für sie völlig o.k. ist und sie mich für intelligent hält. Sie ist Akademikerin und hat oft gesagt, dass ich sicher ein guter Machbauer o.ä. geworden wäre...
    Ich hadere bis heute mit meinen Eltern
    Ich hadere bis heute mit meinen Beziehungen und meiner Ehe
    Ich hadere bis heute an...
    Da gibt es noch einiges. Aber es gerät immer mehr in den Hintergrund. Mit meinen Eltern habe ich zwar nicht gebrochen - aber ich sehe sie kaum noch. Zuletzt vor mehr als 1,5 Jahren. Es ist so o.k. Ich habe Ihnen gesagt, was mir nicht passte. Ich habe mich deutlich dahingehend geäußert, was ich nicht mehr möchte. Wir haben uns seit knapp 10 Jahren weder an Weihnachten noch an Sylvseter gesehen. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen. Erst die Trennung und die daraufhin folgendes Therapie hat mich bestärkt, dass es gut so ist, sie es ist. Konkret war ihre Aussage: "Warum haben sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihre Eltern nicht besuchen - die beiden haben de gleich langen Weg du sie kommen auch nicht zu Ihnen." Ein banaler Satz, der viel bewirkt hat.
    Loslassen, neu anfangen, wegziehen, neuer Job etc. hat mir sehr geholfen. Kontaktreduzierung auf ein für mich erträgliches Maß.

    Es lässt mich alles nie ganz los. Aber es steht nicht mehr im Fokus.

    Alles Liebe

    M (noch 46)
     
    • # 18
    • 27.12.2016
    • Kaktus
    Deine Verlustängste wirst Du nicht verlagern und nicht vergessen können. Ich weis, wovon ich spreche. Du musst Dich mit der Vergangenheit versöhnen, um in der Gegenwart und der Zukunft gut leben zu können. Ich halte nichts davon, bei psychischen Problemen zu hypnotisieren. Wenn der Hypnotiseur kein Therapeut ist, kann er erlebtes Trauma lostreten und das kann verheerende Folgen haben. Ich habe noch einen Buchtipp für Dich. "Das schwarze Schaf" von Peter Teuschel. Vielleicht hilft es Dir, die Mechanismen in solchen Familien zu erkennen und zu verstehen. Mobbing in der Familie ist leider noch ein Tabuthema. Die Dunkelziffer ist aber groß und Du bist mit Deinen negativen Erfahrungen und Verletzungen nicht allein. Dein inneres Kind ruft nach Liebe, Fürsorge und Anerkennung, schlicht nach HEIMAT.
     
    • # 19
    • 27.12.2016
    • Toi et moi
    Danke für deinen Beitrag. Ich kann dich sehr gut verstehen, mein Vater war ähnlich wie du, nie studiert und trotzdem erfolgreich, leitende Position, Jahrelang Geschäftsführer einer Firma. Schachspieler, ein Denker. Ich habe ihn über alles auf dieser Erde geliebt und vergöttert. Vielleicht deshalb kann ich die Vergangenheit nicht loslassen und habe schlechtes Gewissen, Ich weiß aber auch nicht was ich hätte tun können. Ich denke, was mein Studium angeht, hat er nicht über seinen Schatten springen können. Jedenfalls nicht sofort. Er wollte immer einen Sohn haben und dann hat er doch ein Mädchen bekommen. Er wollte, dass sein Sohn Erfolg hat und dann doch das Mädchen hat es weitergebracht. Aber gemobbt wurde ich nicht, das wäre unfair, wenn ich das behaupten würde. Nein, ich bin auch geliebt worden aber nicht wie mein Bruder. Aber es ist schon lange her, mein Vater ist in seinen alten Tagen wieder sehr lieb und freundlich zu uns allen und ist endlich angekommen und die Rastlosigkeit hat er nicht mehr.
    Dir auch alles Liebe
     
    • # 20
    • 28.12.2016
    • Lionne69
    Liebe Du,

    Aus eigener Erfahrung, alles Verdrängte sucht sich irgendwann seinen Raum. Dann mit einer Vehemenz, die nicht beherrschbar ist. (Und nach Jahrzehnten Fassade, Funktionieren, Leistung diese permanent Überlastung einen Burn Out produziert)
    Google mal komplexe PTBS.

    Nicht nur das Oberflächliche, was man so im ersten Anlauf findet.
    Sondern unter Luise Reddemann, Michaela Huber, Ulrich Sachsse, Jochen Peichl.

    Nicht verharmlosen, und sagen, bei mir ist das ja ganz anders. Es ist immer bei den anderem schlimm, und bei einem selbst eine Bagatelle.
    Auch das ist ein Lernprozess.
    Annehmen was war, eingestehen, es war schlimm, es hat verletzt, es verletzt immer noch.
    Sich diese Gefühle und Gedanken erlauben, statt sich noch mehr in die Schuld- und Versagensschleife zu setzen.

    Und weg von den Fachbüchern, Anselm Grün hat viele schöne Gedanken / Gedankenanstöße geschrieben.
    Z. B. Wie wir leben - wie wir leben könnten. oder zum Thema Grenzen...

    Meine ganz persönliche Meinung, ein Vater der so seine Tochter behandelt, betreibt psychische Gewalt - und der stete Tropfen macht es ganz besonders schwierig.

    Man kann es hinter sich lassen, ändert nicht über Verdrängen sondern über Verarbeiten.

    Mein Vater ist gerade eine Woche vor Weihnachten ins Krankenhaus aufgrund rapide sich entwickelter Demenz eingeliefert worden.
    Er hasste mich, langjährig, intensiv - jetzt hat er es vergessen, und vieles andere auch, und ich übernehme die amtliche Betreuung. Nicht weil es mein Vater ist, sondern ein Mensch. Kümmere mich darum, dass er einen Ort und einem Rahmen bekommt, um würdevoll gehen zu können, soweit dies bei Demenz möglich ist. Ihn verfolgen seine ganz eigenen Dämonen.

    Das ist jetzt mein endgültiger Abschluss, nachdem ich ihn schon vorher als Vater gedanklich verabschiedet hatte.
     
    • # 21
    • 28.12.2016
    • Toi et moi
    Liebe Lionne,
    danke für deinen Tipp. Ich werde mir die Begriffe googeln. Ja, ich denke, dass ich an einem Punkt angelangt bin, wo ich wirklich nicht mehr kann. Ich bin müde geworden. Ein Gespräch mit meinem Vater hätte vielleicht geholfen aber es ist zu spät und er hätte auch garantiert nie die Tür geöffnet. Ich kenne ihn, aber vielleicht hilft das Geschehene anzunehmen. Seine Entscheidung akzeptieren und mir eingestehen, dass ich nichts falsches gemacht habe. Er war ein Alphatier und wie alle andere Alphatiere duldete er keine andere starke Menschen neben sich. Bis kurzem habe ich mich immer kleiner gemacht als ich bin, meine Fähigkeiten versteckt, runtergeschraubt. Mich unterwürfig und klein verhalten und gefühlt. Ich wollte dazugehören aber ich muss auch akzeptieren, dass ich einfach nichts zu verstecken habe.
    I am what I am and what I am needs no excuses! Right?
    psychische Gewalt? Ja sehe ich genauso aber ich möchte ihm verzeihen. Er war trotzdem ein guter Vater, er hat vielleicht in diesem Punkt nicht die notwendige Größe gezeigt aber das ist letztendlich sein Leben, seine Entscheidung, seine Handlung und nicht meine.
    So wie er war, hat mir dennoch sehr weitgebracht. Sein Verhalten war mein Motor. Ich hätte alles getan um ihm zu gefallen. Ich wollte, dass er Stoltz auf mich ist, jede gute Note war um ihn näher zu sein und letztendlich war ihm zwar egal aber mir hat es trotzdem viel gebracht.
    Diese Muster wiederholte sich nach meiner Ehe nochmals mit dem Mann, den ich kennenlernte. Die letzte Jahre habe ich so viel gemalt wie nie zuvor und - ich denke und ich schäme mich vielleicht auch ein wenig dafür aber- ich denke, dass ich das gemacht habe um ihm zu gefallen. Ich liebe ihn. Er ist genauso wie mein Vater, wenigstens denke ich es.
    Siehst Du auch schlimme Erlebnisse und Ablehnungen können uns weiterbringen, dafür sorgen dass wir über unsere Grenzen wachsen und uns weiterentwickeln. Ich freue mich, dass Du deinem Vater hilfst. Ich denke vielleicht ist es eine Art Versöhnung mit der Vergangenheit und Abschied nehmen und verzeihen was passiert ist.
     
    • # 22
    • 28.12.2016
    • gast_w
    Tatsächlich haben buddhistische Schulen genau dieses Problem, im Leben und mit seinen Gedanken nicht im Hier und Jetzt zu sein, identifiziert und benannt. Man spricht auch vom Gefängnis der Zukunft und dem Gefängnis der Vergangenheit. Wer dieses unfreiwillige quälende Grübeln, das durchaus auch als Illusion oder eine Art Fixierung oder Besessenheit gut kennt, kann dem Begriff "Gefängnis" durchaus eine gewisse Wahrheit abgewinnen. Die angestrebte "Erleuchtung", ein altmodisches Wort das mit vielen irrigen Interpretationen behaftet ist, bedeutet konkret im Alltag nichts anderes, als ebendies sein zu lassen und sich nicht nur rein körperlich im Hier und Jetzt zu befinden. Es klingt wirklich wie eine Binsenweisheit und so ziemlich jede/r tut das mit "ist doch logisch, klaro" ab, aber es wirklich mit dem Leben zu verstehen, dass man sich definitiv nirgends anders als im Hier und Jetzt befinden kann, ist nicht einfach, denn der Geist lenkt sich stets mit Illusionen ab, kaut an alten Verletzungen und hält sie warm, fürchtet sich vor Verlusten oder Fehlern in der Zukunft, will sich absichern und macht dann genau gar nichts dafür. Hier und Jetzt ist wirklich der Moment jetzt. Als glücklich gilt, wer das begriffen hat. Einfach so vor sich hinleben ist damit natürlich nicht gemeint, sondern aktiv den Alltag leben und bändigen. Die Vergangenheit ist weg, man kann nur noch jetzt draus lernen, Die Zukunft ist noch nicht da, man kann nur jetzt was in die Hand nehmen. Sobald ich mich ich wieder erwische vom Hölzchen bis zum Stöckchen ins Grübeln zu fallen und meine Gegenwart mit immer mieserer Stimmung die dann jeden Fortschritt sabotiert zu verderben (gerne genommen: Warum ich? Was fällt ihm ein, Frechheit, werde nie wieder, wehe wenn .. Hoffentlich, etc. pp), setze ich jetzt aktiv eine andere "Wahrheit" entgegen. Ich sage mir, "Ja, das haste falsch gemacht." Während er fröhlich ohne an dich zu denken vor sich hinlebt, leidest du immer noch. In deinem Fall war es zu kleine Brötchen aus Verlustangst zu backen. Dann entschließe in Zukunft schneller zu sein und Dinge nicht einfach mitzumachen. Sag dir immer wieder das es trotzdem auch Sinn hat, das er weg aus deinem Leben ist, denn es kann einfach auf Dauer nicht funktionieren wenn sich einer für selbstverständliche Dinge im Alltag verbiegen muss. Es gibt zwei Arten von Pfeilen: Der eine wird von außen geschossen. Den anderen schießt man sich selbst. (z. B., sich in die Ecke zu drängen indem man das Unmögliche versucht obwohl es nicht angebracht ist). Letzterer ist deutlich schwerer zu entfernen. Und eben der Pfeil an dem man dauerhaft leidet. Aber es ist deiner, die gute Nachricht ist das genau DU ihn ziehen kannst. Auch kann man lange über die Art des Pfeils, die Stelle und Verletzung die Richtung aus der er kam und warum diskutieren, man kann ihn aber auch erst mal einfach rausziehen. w50
     
    • # 23
    • 28.12.2016
    • Lionne69
    Liebe Toi&Moi

    Was mir auch geholfen hat, ich habe meiner Mutter, 1989 gestorben, Briefe geschrieben, mich mit ihr gedanklich und schriftlich sehr intensiv auseinander gesetzt, mit dem was war, und sie schriftlich verabschiedet.
    Das reichte noch nicht so ganz, die endgültige Loslösung ging über Imaginationen. Mehrfach imaginäre Filme, in denen ich, die Erwachsene, die ganz Kleine in Sicherheit brachte. Weg holte aus der Einflusssphäre meiner Mutter, oder quasi einer Phantasiegestalt, die dafür stand. Richtige Drehbücher entwickelt, ich lese viel und ich habe meine Phantasie spielen lassen, ganz unzensiert. ;-)

    Wenn Du malst, hast Du auch Phantasie - lass die Bilder fließen, die entstehen, ganz ohne Zensur, auch wenn es gemein, hinterhältig, sonst was ist.

    Vielleicht klingt das jetzt bizarr, aber das sind ganz normale Techniken aus der Traumatherapie, es geht eher darum, ob man sich darauf einlassen kann und mag.

    Vergeben - ja. Das ist gut. Es zu dem-/derjenigen geben, selbst weitergehen, möglichst unbelastet.

    Aber ich trenne, ich verzeihe nicht und ent-Schuld-ige schon gar nicht.
    Das würde für mich bedeuten, ich habe meinen Anteil, nehme Schuld auf.
    Kinder sind nicht schuld, sind nicht dafür verantwortlich, was Eltern ihnen antun.
    Es sind Kinder - und das andere Erwachsene.

    Mit dieser mir sehr wichtigen semantischen Spitzfindigkeit bin ich meine latenten, langjährigen Schuldgefühle und Minderwertigkeitsgefühle losgeworden.
    Die Erlaubnis, wütend auf den Täter sein zu dürfen, nicht verzeihen, entschuldigen müssen, etc.

    Tante Google hilft auch da, und bei Anselm Grün gibt es einen sehr schönen Text mit der Trennung Vergeben - Verzeihung.

    Übrigens, ich gebe Dir absolut recht, natürlich bin ich nicht dankbar für das Erlebte. Aber - ich mag den Menschen, der ich heute bin. Es liegt auch eine Chance darin.

    Ich wünsche Dir für dieses neue, kommende Jahr, den Mut und die Kraft, diesen Weg, den Du schon angefangen hast, weiter zu gehen.
    Das Leben ist schön!
    Es findet im Moment und vor Dir statt, nicht hinter Dir.
     
    • # 24
    • 28.12.2016
    • Toi et moi
    Liebe Alle, vielen Dank für eure Beiträge. Es ist alles sehr interessant und heute geht es mir besser. Ich bin über die Feiertage allein und meine Kinder sind bei ihrem Vater. Vielleicht deshalb ist auf einmal die komplette Vergangenheit hochgeschwappt. Ihr habt mir viele Methoden gezeigt die Vergangenheit zu verarbeiten. @gast_w hat über die innere Pfeile geredet, das ist eigentlich eine gute Beschreibung und sie hat vorgeschlagen den Pfeil rauszuziehen. Ich muss sagen, dass ich es getan habe, mehrfach aber diese Pfeile sind magisch, sie wachsen immer wieder nach :). @Lionne hat über die Imagination gesprochen und über die schriftliche Auseinandersetzung mit den Erlebten.....Ich habe bis jetzt keine Therapie gemacht aber intuitiv und um mich zu schützen, habe ich viele solche Methoden bereits angewendet zum Beispiel Briefe geschrieben, die ich dann wegschmiss. Imagination hat auch immer meine Mutter für uns angewendet. Immer wenn wir unglücklich waren oder Angst hatten, hat sie über irgend einen Traum erzählt, den sie wohl angeblich in der Nacht träumte, wo wir alle sehr glücklich wurden, wo aus goldenen Hähnen Milch floss und zwei prachtvolle Pfaue majestätisch über die Straße liefen, die goldene Feder hatte etc. Bis Heute mache ich das immer, wenn es mir schlecht geht. Mir hat auch Musik geholfen. Ich hänge manchmal an Musikstücke fest und höre sie stundenlang an, mir hilft es. Aber wie gesagt, ich bin müde geworden. Von Außen betrachtet bin ich trotz allem glücklich aber innerlich weiß ich, dass diese Methoden nicht mehr bei mir funktionieren. In drei Jahren bin ich 50 und wer weiß wie lange ich noch lebe und ich möchte, dass mein Leben wieder wirklich glücklich ist. Die beste Methode war bis jetzt für mich immer Simplifikation, fokussieren auf das wesentliche, Ziele definieren und los. Aber der Weg ist diesmal schwierig, weil mir sehr viel Kraft fehlt aber letztendlich die Hoffnung darf ich nicht aufgeben. Ja Lionne La vie est Belle.....
    In dem Sinne wünsche euch Allen auch einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
    Alles Liebe
    Moi
     
    • # 25
    • 29.12.2016
    • Cho Oyu
    Zum Thema "Verzeihen, Entschuldigen, Vergeben". Ich habe versucht mit meinen Eltern darüber zu reden, nach meiner Trennung. Nach drei Minuten war Schluss. Mein Vater beendete das Gespräch sinngemäß mit den Worten: Ich habe keine Lust wieder (wieso eigentlich wieder?) mit Dir hier zu diskutieren. Es ist so und Punkt. Ich war wütend und konnte damit nicht wirklich umgehen, fühlte mich wieder allein gelassen mit meinem Schmerz. Und so haderte ich weiter und weiter - bis zu meiner Therapie. Seitdem ist es viel besser. Aber ich will nicht verzeihen, was mir angetan wurde ist zu heftig. Mir halfen Auszüge aus dem Buch "Die verlorene Generation".

    Wie weit haben uns unsere Eltern gebracht? Toi et moi. Du schreibst, dass Du deinem Vater dankbar bist, weil er Dich so weit gebracht hat. Das finde ich zunächst gut. Dadurch steckt du aber evtl. auch in einem Dilemma. Vielleicht hat meiner mich auch so weit gebracht, dass ich heute so bin wie ich bin. ABER: Wo wäre ich wenn ich Liebe gespürt hätte, wenn ich in den Arm genommen worden wäre, wenn ich...

    Genau das war bei mir der Punkt. Im Hinterkopf hatte ich immer, ich müsse ihnen dankbar sein. Das hat mich gequält. Lange, sehr lange. Wofür dankbar? Für die Gefühlskälte?, für abweisendes Verhalten?, für eine total verkorkste Jugend? und eine extrem schwieriges Erwachsenwerden?. Für mangelnde Unterstützung in jeglicher Hinsicht? Immer saß es in meinem Kopf, dass ich undankbar wäre - es wurde mir auch noch gesagt (auch von meinem Bruder). Nein ich bin nicht dankbar. Und ich will es auch nicht sein. Es gibt keine Gründe dafür. Finanziell haben sie mich unterstützt ja. Darauf beruht Ihre Forderung hinsichtlich der Dankbarkeit. Ich hätte gerne auf Geld verzichtet und dafür Liebe empfangen. Dafür ist es zu spät und seitdem ich das Gefühl habe, nicht mehr dankbar sein zu müssen, geht es mir deutlich besser. Vielleicht quälen Dich auch solche Gedanken. Hinterfrag es doch mal.

    M fast 47 - toi et moi. uns stehen noch so viele schöne Jahre bevor. Lass uns die Welt rocken und den Ballast endgültig abwerfen.
     
    • # 26
    • 29.12.2016
    • Lionne69
    Cho Oyu, jedes Wort - ja!!!

    Dieses Buch u.a. hat mir beim Verstehen geholfen - zum Vergeben brauche ich Verstehen.
    Nein, ich bin auch die undankbare Tochter - denn ja, wo wäre man gewesen, ohne die Ängste, die Kälte, die Bewertung nach perfekter Leistung.
    Geliebt, geborgen, wertgeschätzt, als Kind, das man ist, als Mensch? Sichere Bindung, Zuhause, Vertrauen, Schwäche zeigen dürfen statt immer nur Leistung und Kampf?
    Vielleicht etwas weniger Erfolg im Leben?
    Vielleicht keine Alpträume, Pabikattacken, Selbstzweifel, keinen Zusammenbruch,...

    Dankbar bin ich, aber nicht meinen Eltern, - Wenn ich heute morgen laufe und die Berge sehe, dann kommt eine ganz tiefe Dankbarkeit.
    Und - mir genauso wichtig - ich muss nichts. Ich entscheide. Frei.

    2 Buchtipps
    Michaela Huber - der Feind in meinem Inneren
    Anselm Grün - Selbstwert entwickeln.

    Das Jetzt und die Zukunft gehört zumindest uns, Cho Oyu, da schließe ich mich an.
    Dir einen Drücker,
    Je t'embrasse, bisous, Toi&Moi.

    Und auch alle anderen, die ähnliches nur zu gut kennen (wir sind einige).

    W, 47.
     
    • # 27
    • 29.12.2016
    • Toi et moi
    Lieber @Cho Oyu du sprichst einen wichtigen Punkt an. Ja die Frage der Dankbarkeit ist auch ein Thema für sich gewesen. In der Tat habe ich von klein auf gelernt bekommen, dankbar zu sein. Für mein Leben, für die Gesundheit, für meine Familie und nie klagen, immer wissen, dass es Menschen gibt die es nicht so gut haben wie ich, eigentlich hätte ich nur Glück und wäre nichts besonderes, ich hatte manchmal den Eindruck gehabt, ich müsste mich schämen, dass ich lebe und glücklich sein muss, dass ich einatmen darf. @void hat das richtig gesagt, man wollte es mir nicht gönnen. Auch die Familie meines Exs war so drauf. Aber mittlerweile habe ich wenigstens in der Hinsicht mich davon befreit. Ich bin zwar dankbar, weil es auch anders kommen kann und hätte kommen können aber letztendlich muss ich keine Schuldgefühle deswegen haben. Ich bin für die Elend der Welt nicht verantwortlich. Ich würde vieles ändern, wenn ich könnte aber ich kann die Gesetze der Natur, die Evolution, die Ströme der Entwicklung, Energieversorgung der Welt, Ungerechtigkeiten und all das nicht ändern. Ich könnte Stunden darüber schreiben, aber es würde den Rahmen dieses Forum nicht gerecht werden. Jedenfalls ich habe für mich beschlossen dankbar zu sein aber ohne mich schuldig zu fühlen und ich habe mir gesagt, dass ich für die Entscheidung der Anderen nicht verantwortlich bin. Ich wollte ein selbständiges Leben führen, materiell und seelisch, geistig und das habe ich auch gemacht. Dafür bin ich Stoltz auf mich.
    Ja den Ballast abwerfen ist ein gutes Schlusswort :).... Immer und immer wieder.....
     
    • # 28
    • 29.12.2016
    • void
    Ich für mich würde sagen, darum ging es gar nicht. Es war für mich eher, dass ich dieses Verhalten ankoppeln muss von mir, also dass ich das verdient hätte und selber schuld bin, dass man sich mir gegenüber so verhält, und es eher als Verhaltensweisen betrachte, für die sie irgendwo auch nichts können. Deren Eltern waren auch nicht optimal (im Gegenteil) und niemand ist "böse", weil sich das besser anfühlt als eine "freie Seele" zu haben. Vielleicht war keine Zeit für Selbstreflexion, weil die Generation, die im Krieg geboren ist, gelernt hat, dass Materielles, es warm haben, zu Essen haben, das Wichtigste ist.
    Was mich aber bei dem ganzen gestört hat, war immer dieses Getue, als sei alles in Ordnung und es läge an mir, wenn ich ein Problem hätte. Und man soll schweigen, damit die Ruhe erhalten bleibt. Das kommt zwar auch vom Erlernten von deren eigenen Eltern, und es ist bei manchen Menschen echt schwer zu durchschauen, insbesondere, wenn sie von sich selber ein falsches Bild haben und direkt verneinen, was auf dem Tisch liegt. Aber es nützt ja nichts, wenn man seinen Seelenfrieden nicht auch noch selber mit Füßen treten will.
    Mach das mal als Kind - Erwachsene durchschauen und mit Argumenten schlagen. Am Schluss kommt dann ein wütendes "du willst mich nur fertigmachen", obwohl alles sachlich gesagt wurde und man sich diesmal nicht vom Thema ablenken ließ mit irgendwelchen anderen Baustellen, die der andere immer gerade dann anführt, wenn er in die Defensive gerät. Das machen aber manipulative Leute, denen es in Diskussionen ums Rechthaben geht, ganz oft als Methode, weil sie wissen, dass der andere hier Schuldgefühle hat, vielleicht echte, vielleicht auch ihm über Jahre eingeredete. Und schon ist das eigentliche Thema weg, der Gewinner ist der andere und man selber fühlt sich besch***, weil man im Recht war und ein Problem benannte, und sich dann aber "irgendwie" das Gespräch drehte, weil man emotional angegriffen wurde.
     
    • # 29
    • 29.12.2016
    • Cho Oyu
    # Lionne69 - zum Glück hatte ich Französisch bis zum 13 :)

    Das gebe ich gerne zurück.

    Ich glaub, diese Themen betreffen viele. Und ich glaub uns alle bestärkt das. Durch meine Trennung (ich mag meine Frau noch immer und sehe sie oft) habe ich so viel gelernt wie nie zuvor, bin positiver, offener - werde mittlerweile ab und an einfach angesprochen, weil ich so was auch ausstrahle...Dem gegenüber bin ich z.B. dankbar. Auf die Trennung hätte ich verzichten können. Das danach möchte ich nicht mehr missen. Und auch ich bin dankbar hier wohnen zu können. Z.B. Silvester (um 24:00) vom Gipfel (der nur wenige km entfernt ist) aus beobachten zu können.

    Ganz Liebe Grüße