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Zum Streit gehören immer zwei!
Zum Streit gehören immer zwei! (Kategorie: Partnersucheblog)
An Beziehungsproblemen ist nie einer alleine Schuld...

Martina und Ludger streiten seit einem Jahr fast täglich. Sie stehen kurz vor der Trennung. Dies ist der letzte Versuch, die Beziehung zu retten: Sie wollen bei mir lernen, wieder miteinander zu reden. Um einen Eindruck des Problems zu bekommen, bitte ich sie, einen typischen Streit darstellen.

Die beiden kommen sofort in Schwung. Er bombardiert sie mit Argumenten, was sie falsch macht. Sie rechtfertigt sich zunehmend intensiver, wischt seine Worte weg. Als Gegenmittel wird er schärfer und beleidigender. Plötzlich schweigt sie, dreht sich um und lässt ihn kalt auflaufen. Das stachelt ihn noch mehr an, auf sie einzufeuern. Sie rennt weg. Das ist die Standardsituation.
Ich versuche nun herauszufinden, wie sich beide in der Situation konkret verhalten, wozu dies aus ihrer Sicht gut sein soll und was sie in diesen Momenten fühlen und denken. Damit sollen sie die Chance bekommen, zu verstehen, was sie jeweils dazu beitragen, dass der Streit sich immer wieder in dieser Weise wiederholt. Als Problem zeigt sich, dass Ludger siegen will und dass Martina sich verschließt.

Eine Beziehung besteht aus der wechselseitigen, aufeinander abgestimmten Kommunikation der Partner. Es wirkt fast ironisch, wenn ich in diesem Fall von abgestimmt spreche. Was ich damit meine ist "aufeinander bezogen". Die Reaktion des einen löst die Reaktion des anderen aus. Größtenteils in gleicher Weise. Der Streit scheint durch ein unausweichliches Muster bestimmt zu sein. Was ist der Fehler an diesem Verhalten? Viele meinen, mehr vom Gleichen hilft in einem Konflikt. Es herrscht die innere Überzeugung: Ich muss nur den Druck erhöhen, mehr jammern, lauter schreien, mehr Härte walten lassen, mehr Besserwissen, schärfere Argumente über dem anderen abschütten, mehr unter die Gürtellinie schlagen, damit das Gegenüber in der Weise reagiert, wie ich das will. Dies scheint subjektiv eine effektive Strategie, um den anderen zu überzeugen, dass zu tun, was ich mir von ihm wünsche, oder das zu lassen, was ich an ihm nicht mag, was mich kränkt und verletzt.

Doch die vermeintlich sinnvollen Strategien bleiben wirkungslos. Jedenfalls in Richtung der beabsichtigten Lösung. Druck erzeugt Gegendruck, Beleidigung erzeugt Rückzug, Härte erzeugt Zumauern. Am Beispiel von Martina und Ludger ist das gut zu sehen: Er geht in den Angriff, sie mauert sich zu. Die Beziehung ist mittlerweile kalt, weder Nähe noch Zärtlichkeit existiert.
Was ist die Lösung? Zu erkennen, was die beiden wirklich im Konflikt wollen. Wofür kämpfen sie? Er kämpft um Verständnis, sie um Selbstbehauptung und gegen Unterdrückung. Im Gespräch merkt Ludger, dass er sich mit Entscheidungen allein gelassen. Er möchte daher lernen, offener zu werden, seine Gefühle zu zeigen. Martina entdeckt, dass sie sich behaupten will und ihr dies nur im Weglaufen und Zumachen gelingt.

Was ist wichtig für die Kommunikation in einer Auseinandersetzung, wenn es um Bedürfnisse der einzelnen in einer Liebesbeziehung geht? Respekt, das Sprechen über Gefühle, das Akzeptieren, dass der Partner andere Gefühle hat und das Zeigen von Wünschen und Bedürfnissen. Am besten gelingt das in der Ich-Form: "Ich fühle mich im Stich gelassen, ich brauche mehr Unterstützung oder Zuwendung…" Es geht nicht darum über die Sache an sich zu argumentieren, sondern darüber zu sprechen, was einen innerlich bewegt. Natürlich ist das herausfordernd und neu, vor allem wenn sich alte Verhaltensweisen über Jahre eingeschleift haben. Aber es ist ein geeigneter Weg für gegenseitiges Verständnis…


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2 Antworten zu “Zum Streit gehören immer zwei!”

  • Bea sagt:

    Ein wirklich mühsames Thema, das Sie da ansprechen.
    "Druck erzeugt Gegendruck, Beleidigung erzeugt Rückzug, Härte erzeugt Zumauern." Wie wahr!
    Haben 2 Menschen völlig unterschiedliche Streitkulturen (geht es dem einen z.B. um Recht haben u Verletzung – dem anderen um konstruktive Lösungen oberhalb der Gürtellinie, innerhalb eines vernünftigen Gesprächs), so kann die Liebe noch so groß sein…sie zerbricht, wenn nicht beide eine neue Form der Auseinandersetzung für sich lernen.

  • SabineSinner sagt:

    Schön, einen Streit so plastisch und verlangsamt vor Augen geführt zu bekommen. Sehr hilfreich. Danke! Regt mich an, mit dieser Perspektive einmal meine Konfliktmuster zu beleuchten.
    Sabine