So schlimm die Wirtschaftskrise mit ihren Auswirkungen auch ist, etwas Gutes hat sie: Singles sind wieder verstärkt auf der Suche nach Geborgenheit und einer Partnerschaft. Allerdings achten sie dabei vermehrt auf Status und Geld.
Denn besonders weibliche Singles leiden unter emotionalem Stress und Zukunftsängsten. Befragt wurden 10.000 Singles und 10.000 liierte Personen.
Besonders Frauen ist Geborgenheit wichtig
Unsichere Arbeitsplätze, Inflation, explosionsartige Preisentwicklung in zahlreichen Lebensbereichen – jeder zweite Single verspürt aufgrund der Wirtschaftskrise ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit; Frauen dabei mehr als Männer. Für 61 Prozent der weiblichen, aber für nur 47 Prozent der männlichen Singles haben diese zwischenmenschlichen Werte an Bedeutung gewonnen. Diese Empfindung steigt zudem mit dem Alter: Während in der Generation 50plus 58 Prozent sich verstärkt nach Sicherheit sehnen, sind es bei den unter 29jährigen nur 49 Prozent.
"In Krisenzeiten werden soziale Bindungen wichtiger", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. "Die ständigen negativen Nachrichten lassen uns verstärkt reflektieren, welche Werte wirklich wichtig sind. Als Gegenpol nutzen wir die natürlichste Medizin: Körperliche Nähe und Kontakt, die das Wohlfühlhormon Oxytocin produzieren und die Bindung wiederum verstärken. Partnerschaft, ein Zuhause und enge Beziehungen gewinnen an Bedeutung, weil sie das gesteigerte Geborgenheitsbedürfnis auffangen."
Hoher Stressfaktor für Frauen
36 Prozent der Frauen geben zu, dass sie sich von der Wirtschaftskrise mit ihren negativen Schlagzeilen emotional gestresst fühlen. Männer dagegen sehen das nicht so dramatisch: Nur 26 Prozent schlägt die wirtschaftliche Unsicherheit aufs Gemüt. 40 Prozent der Singles sind zudem von Zukunftsängsten geplagt. Auch hier sind Frauen empfindlicher: Knapp jede Zweite, aber nur jeder dritte Mann setzt sich mit Zukunftsängsten auseinander.
Schutz durch akademischen Abschluss?
Unsere Umfrage hat ergeben, dass sich Akademiker nicht so schnell aus dem Konzept bringen lassen und entspannter auf die Folgen der Wirtschaftskrise blicken: Nur jeder vierte Akademiker, aber jeder dritte Single ohne akademischen Abschluss empfindet die wirtschaftlichen Schwankungen als Stressfaktor. 40 Prozent der Singles ohne Universitätsabschluss leiden zudem an Zukunftsängsten. Bei Akademikern sind es dagegen bloß 30 Prozent.
Fokus liegt auf Geld und Status
Auch auf die Partnerwahl hat sich die Wirtschaftskrise bereits ausgewirkt. 36 Prozent der Singlefrauen achten verstärkt auf Beruf und die finanzielle Situation eines potenziellen Partners. Weiteren 56 Prozent ist es wichtig, dass der Partner die Einstellung zum Geld teilt. Für jeden zweiten Singlemann ist dies ebenso ein Ausschlag gebendes Kriterium bei der Partnersuche.
Kein Nachwuchs für Singles?
Babypläne, Nachwuchs? Für jeden dritten Single vorerst Zukunftsmusik – die Bedenken und die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind einfach zu groß. Paare sind in dieser Hinsicht gelassener: Lediglich 23 Prozent sind ebenso pessimistisch.
"My home is my castle" - der Cocooning-Trend
Cocooning heißt das Stichwort und ist ein Trend, der sich in der Gesellschaft wieder verstärkt abzeichnet. Was das bedeutet? Menschen gehen seltener in Bars oder Clubs und sparen sich teure Restaurantbesuche. Stattdessen findet das soziale Leben häufig in den eigenen vier Wänden statt: 46 Prozent der Singles geben an, auf ausschweifende Partynächte und kostspielige Restaurantbesuche zu verzichten. Jeder Zweite überdenkt zudem sein Shopping-Verhalten und gibt beim Einkaufen weniger aus. Jeder Vierte legt mehr Geld zurück.
Psychologin Fischbach konstatiert: "In der Krise geht der Trend zum Cocooning." Laut Wörterbuch eine Abwehr- oder Angstreaktion in Form des Rückzugs in den privaten Bereich. "Konkret heißt das: Mit Freunden kochen statt Restaurant, Videoabend statt Kino, Privatparty statt Nobeldisko."
Je jünger, desto unbedarfter
Vertreter der Generation 50plus sind Sparfüchse, während die unter 29jährigen krisenresistent scheinen: Jeder Dritte von den über 55jährigen hat den Gürtel enger geschnallt, um Reserven fürs Alter anzulegen. Bei den unter 29jährigen tut das nur jeder Vierte. Zudem: 31 Prozent der Jüngeren haben ihr Ausgehverhalten massiv überdacht und eingeschränkt, bei den Älteren sogar mehr als jeder Zweite.
Liebesleben nicht beeinflusst
Auf einen Bereich hat sich die Krise zum Glück nicht maßgeblich ausgewirkt: Das Liebesleben. 87 Prozent der befragten Paare sind zuversichtlich, dass sie am Jahresende immer noch mit ihrem Partner zusammen sein werden. Trautes Heim, Glück allein – nur zwölf Prozent befürchten, dass ihr Liebesleben negativ und nachhaltig beeinflusst wird. Und 15 Prozent der Paare streiten sich öfter um finanzielle Angelegenheiten.
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