Bereits vom ersten Eindruck lassen sich viele Singles, die sich über den Weg laufen, täuschen. Neben Vorurteilen, der aktuellen Stimmung und biografischen Erfahrungen spielen auch anderen irrationale Faktoren eine Rolle.
Letzten Samstag hatte ich wieder für drei Stunden in meinem Lieblingscafé in Worms Platz genommen, um zu lesen. Am Start war das neue Buch von Wolf Schneider: "Der Mensch – Eine Karriere". Top!
Jedenfalls, als ich gerade eine Pause machte, um mir einen neuen Milchkaffee zu bestellen – Kaffee kann man bekanntlich nie genug trinken – bekam ich einige Gesprächsfetzen vom Nachbartisch mit. Zwei Männer Mitte 30 saßen bei Hefeweizen zusammen und unterhielten sich anscheinend über eine Frau, die einer der beiden gerade erfolgreich gedatet hat.
Irgendwann sagte der Glückliche: "Ohne Witz! Nach fünf Minuten Small Talk hab ich gedacht: Cool, die ist vom Typ her so wie ich." Dann folgte eine Aufzählung von Charaktereigenschaften. Und dann hörte ich noch: "Die hat auch ein Tattoo und spielt Squash – genau wie ich!" Unromantisch, wie ich manchmal bin, dachte ich für mich: Na warte mal ab, ob sich der erste Eindruck letztlich als richtig erweist.
Erwiesenermaßen verlassen sich viele Singles auf den ersten Eindruck, wenn es darum geht, den anderen charakterlich einzuschätzen. Unser Gehirn ist halt so programmiert, dass es Reize aus der Umwelt interpretiert.
Der sogenannte Ähnlichkeitsfehler ist bei der Personenwahrnehmung oft relevant. Er wird von Sozialpsychologen der "Familie" der Wahrnehmungsfehler zugeordnet. Vielleicht spielte er auch bei meinem Erlebnis letzten Samstag eine Rolle.
Ein Ähnlichkeitsfehler tritt dann auf, wenn man die subjektiven Eigenschaften oder Charaktermerkmale anderen Personen zuschreibt, und zwar bereits beim ersten Aufeinandertreffen. Der Anlass eines solchen Wahrnehmungsfehlers kann eine Äußerlichkeit des Gegenübers sein, die mich einerseits an mich selbst erinnert und mit der ich andererseits infolgedessen eigene Persönlichkeitsanteile in Verbindung bringe. Nehmen wir an, die Unterhaltung der beiden Singles am Nachbartisch am letzten Samstag war von diesem Wahrnehmungsfehler beeinflusst, z.B. durch die irrationale Meinung: "Wer Tattoos hat und Squash spielt (wie ich), ist cool." Wie könnte es weitergehen? Der männliche Part wird vielleicht verstärkt in seiner Bekanntschaft seine eigenen positiven Seiten wahrnehmen und sie infolgedessen weiter idealisieren. Vielleicht wird dann mehr daraus. Viele Menschen, die auf diesem Fundament eine Partnerschaft bauen, bauen riskant. Denn tatsächlich wird der andere durch den Ähnlichkeitsfehler nur unvollständig wahrgenommen. Andere Charaktereigenschaften werden ausgeblendet. Aber die kommen irgendwann dann doch heraus.
Auf was ich hinauswill: Wer sich darum bemüht, einen Lebenspartner kennenzulernen, sollte sich nicht ausschließlich auf den ersten Eindruck verlassen. Er führt oft in die Irre. Objektivität und Geduld sind gefragt.
Oh ja, aber es irritiert mich doch sehr, einerseits die Abgeklärtheit der "Objektivität" zu bewahren und andererseits Gefühle zu empfinden, die genau das so verdammt schwer machen. So ähnlich verhält es sich bei mir mit der Geduld, die sich allerdings zumindest in gewissem Maße erzwingen läßt.
Genau, stimme meinem Vor-Kommentator zu. Ergänzend bleibt vielleicht noch zu bemerken, dass Kopf und Herz/Bauch nicht immer übereinstimmen. Man (ich) muß sich (mich) entscheiden. Es fällt nicht immer leicht objektiv zu sein bzw. zu bleiben und sich zwischen Kopf und Herz/Bauch zu entscheiden.
bei mir hat sich bei bisherigen partnerinnen der erste eindruck immer als "richtig" herausgestellt, vielleicht kann ich mich wirklich gut auf meine intuition verlassen. wenn sich nach jahren dann eigenschaften herausstellen, die evtl. zum ende einer beziehung führen, so liegt das m.E. daran, dass sich beide in verschiedene richtungen weiterentwickelt haben. zuviel objektivität schadet dem gefühl. ähnlichkeitsfehler? man wünscht sich doch schon gewisse ähnlichkeiten….