Letzte Woche hat uns der Schweizer Parfumeur Lindo Ganarin erklärt, wie das passende Parfum die eigene Persönlichkeit unterstreicht. Doch was ist eigentlich mit dem körpereigenen Duft? Im zweiten Teil unseres Duft-Special lesen Sie, wie uns dieser beeinflusst, den richtigen Lebenspartner zu finden.
Wie von Sinnen
Wenn Alicia (29) sich daran erinnert, was sie an ihrem jetzigen Lebenspartner Tom (31) bei der ersten Begegnung besonders anziehend fand, antwortet sie ohne Zögern: "Seinen Geruch." Tatsächlich gibt es Menschen, deren Geruch uns geradezu magisch anzieht. "Der Geruchssinn ist eine sehr archaische Form der Kommunikation", erklärt Diplom-Psychologe und Duft-Experte Volker Drewes. "Gerüche wirken auf uns, ohne dass das Großhirn, der Sitz der Vernunft, aktiviert wird. Sie gelangen ungefiltert ins limbische System, wo Gefühle und Instinkte entstehen."
Vorbild Tierwelt
Im Tierreich ist das nichts Ungewöhnliches: Der Blumenduft zieht die Biene an und die Löwenmänner können riechen, wann die Löwendame paarungswillig ist. Aber wir Menschen? "Wir tauschen uns oft ohne es zu merken auf diese Weise nonverbal aus", bestätigt Volker Drewes. Schwedische Forscher ließen Männer und Frauen östrogen- und testosteronähnliche Substanzen schnüffeln. Bei Männern erhöhte das Östrogen den Blutfluss in dem Bereich des Gehirns, der für das Sexualverhalten zuständig ist. Frauen reagierten auf das Testosteron.
Jeder hat individuelle Duftmarke
Alicia mag Toms Geruch noch immer besonders gern: "Wenn er ein paar Tage weg ist, nehme ich ein getragenes T-Shirt von ihm mit ins Bett", gesteht sie "Sein Geruch gibt mir Wärme und Sicherheit.". Tatsächlich: Wir erschnüffeln anhand der Körperausdünstungen die Partnerschaftsqualitäten unserer Mitmenschen. "Eigengeruch ist das Produkt zerfallender menschlicher Zellen, deren Überreste den Körper über die Hautoberfläche verlassen und so den ureigenen Duft des individuellen Immunsystems nach außen transportieren", erklärt Volker Drewes.
Gegensätze ziehen sich an
Klingt vielleicht ein wenig eigentümlich, birgt jedoch eine weitere wichtige Erkenntnis: Je unterschiedlicher die Duftprofile sind, desto lustvoller ist die Begegnung. Denn: Geht es um sexuelle Attraktion geht, zählen nicht die Gemeinsamkeiten. Im Gegenteil, indem wir bei der Partnerwahl eher Gegensätzliches aussuchen, geben wir dem Nachwuchs einen umfassenden Immunschutz. Damit verbunden ist übrigens auch der Ausdruck "Ich kann dich nicht riechen". Fühlen wir uns von einem anderen geruchsbedingt abgestoßen, liegt das an zu ähnlichen Gentypen, dass die Duftprofile zu identisch sind. Eine Art biologische Bremse also, die auch Inzucht verhindert. Was aber, wenn unser Gegenüber den Eigengeruch mit Parfum überdeckt hat? Wird die natürliche Geruchsoffensive dadurch gehemmt oder gar neutralisiert? Volker Drewes gibt Entwarnung: "Das ist kein Problem, denn wir wählen instinktiv den Duft aus, der unseren Eigengeruch eher unterstreicht als ihn zu überdecken." Aber natürlich sollte man nicht allzu großzügig bei der Dosierung sein und lieber nach dem Motto 'Weniger ist mehr' verfahren.?
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