Lebensabschnittspartner. Dieser Begriff bedeutet gelebt, einige Trennungen. Doch wann sollten wir uns mit dem Status quo arrangieren?
Die Frage hat man mir neulich gestellt. Auf einer Fahrt nach Lübeck, wo ich arbeite, fragte mich meine charmante Beifahrerin, die es nicht zugeben wollte, aber wohl über eine mögliche Trennung sinnierte: Wie viele Trennungen sind denn eigentlich genug?
Eine komische Frage. Aber wenn man sich da mal reinfühlt, irgendwie verständlich. Der einzige Weg wie Beziehungen irgendwann halten ist, indem man aufhört sich zu trennen. Beziehungen, Menschen ohnehin, werden nie perfekt sein. Finden wir irgendwann unser "Match" oder ist es eher ein Reifeprozess, der uns dazu bringt, auch die Fehler anderer zu akzeptieren? Lernt die Liebe mal, um ein paar Felsen drum herum zu fahren, anstatt immer aufzulaufen? Und bleibt man deshalb irgendwann an Bord?
Oder trennt man sich bis in alle Zeit, bis alle einem den Stempel BEZIEHUNGSUNFÄHIG aufdrücken?
Oft erlebt man es, dass die Entscheidung des "DIE oder DER ist es" nicht wirklich aus unübertreffbaren Gefühlen heraus entsteht. Sondern weil Leute es nüchtern merken. Jetzt trennt man sich nicht noch einmal. Jetzt wird man nicht noch einmal Single, feiert und trinkt und sucht und baggert und meldet sich im Internet an. Jetzt bleibt man da, wo man ist. In der Beziehung die man hat.
Man hört auf sich zu trennen. Denn Gründe dafür würde man finden. Immer wieder. Notfalls halt der Drang nach Freiheit und weil man noch mal was anderes probieren will.
Solche Gedanken ziehen einen irgendwann in eine Spirale von Unzufriedenheit. Das ist dem Verfasser dieses Artikels nur zu bekannt. Bei denen, bei denen es täglich kracht und die sich nur noch angiften…muss man nicht drüber reden…ist es zu spät. Aber man kann den langsamen Zerfall beenden. Man kann auf die Bremse treten, wenn man driftet. Kann man das immer? Immer öfter, je älter man wird. Immer öfter, je mehr man versteht was einen dazu bringt, so zu reagieren. Wenn man versteht, dass es ein Verhaltensmuster ist, das man hier wiederholt. Die Schuld beim anderen zu suchen ist ebenso falsch, wie die Schuld bei sich zu suchen. Manchmal ist es einfach die Dynamik, dass es passiert. Und es ist egal, ob man 14 oder 40 ist. Einige Menschen brauchen ihre regelmäßige neue Liebe und regelmäßige Trennung. Die meisten wollen irgendwann einmal ein zu Hause haben.
Zurück zur Frage: Wie viele Trennungen braucht man dafür. Wie oft durchleidet man ein Beziehungsende bevor man es gut genug kennt, um es nicht zuzulassen? Zahlen kann man hier nicht nennen. Aber ich stehe zur Antwort die ich ihr gegeben habe: Man wird es merken. Nachdem man zum ersten Mal "Nein" zur Trennung gesagt hat. Und sich dabei gut fühlt.
Das nennt man Reife, glaube ich. Ein Wort, das ich auch gerade erst beginne, positiv zu sehen.
Nächste Woche dann mehr zu den Leuten die nie genug von Trennungen kriegen. Trennungen und Beziehungsunfähigkeit.
Kann man dich hier auch kennenlernen? Oder hast Du grade "Nein" zur Trennung gesagt und bist daher in festen Händen? Falls ja, viel Glück, mach weiter so!
Du bist cool, sprichst mir aus dem Herzen und dem Verstand gleichermaßen. Deine Erkenntnisse zum Thema Trennungen möchte ich gerne genau so unterschreiben. Und es zeigt, dass wir soooo wahnsinnig individuell und einzigartig gar nicht sind.