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Wie trenne ich mich am fairsten?
Wie trenne ich mich am fairsten? (Kategorie: Liebeskummerblog)
Bei einer Trennung leiden immer zwei. Auch der, der Schluss macht.

Eine Trennung ist nie einfach. Doch wer glaubt, dass es für das Opfer immer schlimmer ist, als für den "Täter" irrt sich gewaltig. Es kommen häufig Klienten zu mir, die sich den Kopf darüber zerbrechen, die Trennung so fair wie nur möglich zu vollziehen. Wie im vorliegenden Fall.

Soll ich Diskussionen vermeiden?

Meine Freundin hatte eine sehr schwere Kindheit: Liebesentzug seitens der Eltern, Unnahbarkeit des Vaters und zwei Beziehungen, die sich langsam von ihr verabschiedet haben. Sie hat mir von Anfang an gesagt, dass dieses ihre allergischen Punkte sind und sie mit Hilfe einer Therapie daran arbeitet. Sie sagte mir auch von Beginn an, dass – falls wir uns trennen sollten – sie dann lieber ein offenes Gespräch bevorzugt statt ein "Wegschleichen". Ich habe nun ein Problem: Soll ich ihrer Vergangenheit Rechnung tragen, indem ich im Falle einer Trennung diese klar anspreche? Oder soll ich mich langsam zurück ziehen, um Diskussionen zu vermeiden? Wir haben uns wirklich sehr gern und sie lässt mir alle Freiräume, aber manchmal denke ich, dass es bei mir einfach nicht für mehr reicht als für das Vierteljahr, das wir bisher miteinander hatten.

Wenn man ein Vierteljahr zusammen ist, nimmt es die typische Wende vom Verliebtsein Richtung Liebe. Oder aber zu dem Zeitpunkt geschieht genau das Gegenteil: Dass man nach ca. drei Monaten merkt, der erste Hype vorbei ist, dass der Partner zwar eine wunderbare Person ist, aber man keine Liebe mehr empfindet. In dem Moment, in dem man diesen Punkt fühlt, sollte man dem Noch-Partner Respekt zollen und die Wahrheit klar auf den Tisch legen.
Egal, welche Kindheit und welche Traumata unsere Partner mit sich herumtragen, nichts ist so sehr verletzlich, wie hingehalten zu werden – von einem Feigling, der sich nicht traut, die Wahrheit klar auszusprechen. Es ist kein Verbrechen, seinen Partner nicht mehr zu lieben, denn Liebe kommt und Liebe geht, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir sind dazu angehalten, mit Respekt und Offenheit mit dieser Situation kommunikativ umzugehen.

Nach dem ersten kleinen Schock der Enttäuschung werden unsere Ex-Partner uns dankbar sein, dass wir sie nicht hinters Licht geführt, sondern klipp und klar, ehrlich und respektvoll in einem offenen Gespräch die Situation mit ihnen geklärt haben.


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6 Antworten zu “Wie trenne ich mich am fairsten?”

  • maria sagt:

    Mit klaren Worten den entgültigen Schnitt und den Grund der Trennung darlegen. Eine Freundschaft anbieten, damit wird der Trennungsschmerz abgeschwächt. Evtl. eine Brieffreundschaft, die ehrlich gemeint und nicht nur ein Versprechen bleiben sollte!

  • Conny sagt:

    Jede Beziehung wird von zwei Menschen auch mit dem Wunsch eingegangen wertzuschätzen und wertgeschätzt zu werden. Achtung und Wertschätzung gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen.
    Liebe ist kein Spiel, Liebe lässt sich auch nicht erzwingen. Schon deshalb sollte es selbstverständlich sein, als erwachsener verantwortungsbewußter Mensch, dass das Beenden einer Beziehung niemals per SMS oder Email geschehen sollte. Das ist nicht nur feige, sondern es gibt dem/der "Verlassenen" zusätzlich das entsetzliche Gefühl nicht wertgeschätzt zu sein. Das ist fast noch übler als die Tatsache, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert. Es entsteht das Gefühl, dass die ganze vorherige gemeinsame Zeit eine große Lüge war.

  • giulia sagt:

    betr. ‘ faire Trennung ‘
    Ich befinde mich gerade selbst in solch einer phase, wir hatten eine schöne, sehr kurze gemeinsame zeit, in der alles super lief. ich fand ihn unheimlich lieb, nett, er hat mir und ich hab ihm gut getan. bei einem gespräch über seine noch sehr existente ex kamen ihm urplötzlich, erst leise, dann immer grössere bedenken, er würde mich nicht ‘LIEBEN’, müsse sich erstmal über seine gefühle klar werden, hat mich dann über tage links liegen gelassen. wenn ich kontakt aufgenommen habe, hat er mit schweigen geantwortet. ein klärendes gespräch bietet er mir in ein paar tagen an… das klingt doch schon jetzt nach abschied!!!

  • Heike sagt:

    Auch ich bin vor noch nicht langer Zeit verlassen worden, gerade als bei mir aus dem Verliebtsein die große Liebe geworden war. Die Trennung kam nach einem wunderschönen Wochenende per Mail. Mein Freund hat mir nie auch einen Hauch von Zweifel angedeutet und mich bis zuletzt im Glauben gelassen, dass alles in Ordnung ist. Ich habe ein klärendes Gespräch bekommen, aber Klarheiten wurden dabei nicht geschaffen. Natürlich kann man Liebe nicht erzwingen, aber man sollte rechtzeitig die Beziehung entschleunigen, wenn man sich noch nicht sicher ist.

  • Jal sagt:

    Klare Worte sind sicherlich das Wichtigste. Dabei sollte man aber immer auch bedenken, dass Gefühle nicht klar sind. Meine Ex-Frau merkte plötzlich nach einem Streit, dass sie mich zwar liebt, aber kein Kribbeln mehr spürt, das sie nach 16 Jahren Partnerschaft aber wieder haben möchte. Die Trennung danach war sehr schwer, weil es für mich aus heiterem Himmel kam. Ich glaube ihr aber, dass sie vorher nicht darüber reden konnte, weil es ihr nicht bewusst war. Aber aus Feigheit, da gebe ich euch Recht, sollte man nicht auf das klärende Gespräch verzichten.

  • Micha sagt:

    Die Frage ist vielmehr, was man vor einer Trennung tun “soll” – bevor es endgültig zu spät ist. Was dabei “fair” ist. Gerade in Bezug auf lange Partnerschaften.

    Unfair ist es, den Partner für diesen völlig überraschend vor vollendete Tatsachen zu stellen. Fair ist es, den Partner in den Entscheidungsprozess, ob man sich trennt, mit einzubeziehen, Probleme zu besprechen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen, auch mittels professioneller Hilfe. Nicht selten wacht der Partner auf, wenn er erkennt, dass die Beziehung sonst scheitert und lässt sich seinerseits auch auf einen Veränderungsprozess ein. Überrascht man den Partner mit einer unabänderlichen Trennungsentscheidung, zerbricht man viel wertvolles Porzellan.

    Liebe kommt, Liebe geht – und (fast) jede lange Beziehung erlebt irgendwann den Zeitpunkt, in dem einer der Partner zu zweifeln beginnt. Und/Oder sich in jemand anderen verliebt – was man doch oft als besonders stark empfindet, stärker als die Liebe zum Partner, die von dem Verliebtseinsgefühl zu dem anderen geradezu eingefroren wird. Ob man sich dem hingibt, oder nicht, kann man durchaus steuern.

    Muss man alles wegwerfen? Oder kommt die Liebe nicht auch oft wieder, hat gleichsam nur eine Pause eingelegt? Wollen deshalb nicht manche Ex-Partner plötzliche ihren Partner wieder, obwohl sie sich selbst getrennt hatten, weil sie z.B. in einen anderen verliebt waren und gemeint haben, das Neue sei viel besser? Nicht aus bloßem Jagdinstinkt, sondern weil sie bemerken, dass sie einen kapitalen Fehler begangen haben, und ihre Gefühle zum Ex doch noch oder wieder da sind?

    Überhaupt: viele verkraften das Abflauen der Hoch-Zeit, des Verliebtseins, das dann zur Liebe wird, nicht – und gehen dann zum nächsten oder zur nächsten. Die Erleben dafür auch nie, was danach kommt. Und manche begreifen eben auch nicht, dass sich Liebe verändert und reift, anders wird. Das es Hochs und Tiefs gibt. Das man manche Krise durchstehen könnte, wenn sich beide bemühen würden.

    Das Durchstehen von Krisen ist aber in unserer Wegwerfgesellschaft – Beziehungshopping ist wohl nur die logische Schlussfolgerung davon: man wirft Partner quasi weg bzw. tauscht sie (fast) übergangslos aus, wie einen Gegenstand – nicht mehr on vogue.