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“Wie stelle ich fest, ob es sich lohnt zu warten?”
“Wie stelle ich fest, ob es sich lohnt zu warten?” (Kategorie: Expertenboard)
Vor ein paar Tagen habe ich ihn nach einer Art Kontaktpause von über zwei Monaten wieder angeschrieben. Er reagierte sofort und wir schickten uns über mehrere Tage SMS. Jetzt frage ich mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich nochmals zu treffen.

Liebes Elitepartner-Expertenteam,
ich habe eine Nachfrage zur Kennenlernphase. Wie stelle ich fest, ob es sich lohnt auf jemanden zu "warten", den man zu einem falschen Zeitpunkt kennengelernt hat?
Kurz zur Situation: Im Dezember 2009 habe ich hier einen Mann kennengelernt. Nach einem regen E-Mail-Austausch und nach zwei angenehmen Treffen Anfang dieses Jahres, in denen wir uns beide symphatisch finden, stellt sich beim dritten Date heraus, dass er getrennt lebend ist. Überrascht von der neuen Information fragte ich nach wie lange er liiert bzw. verheiratet gewesen sei und er äußert spontan, dass die Trennung noch nicht mal ein ganzes Jahr her sei (sieben Jahre Beziehung, ein halbes Jahr Ehe). Einige Tage und Mails später teilte er mir mit, sich von ElitePartner abmelden zu wollen und, ich hätte mit meiner Aussage recht gehabt, dass es noch zu früh für eine erneute Partnersuche sei – manche Dinge benötigten einfach doch mehr Zeit. Autsch!
Der Kontakt ist weiterhin freundlich, aber der Flirtfaktor ist freilich weg. Ich denke, es war schlicht und einfach der falsche Zeitpunkt, ihn kennen gelernt zu haben. Mir ist aufgefallen, dass ich ihn immer noch kennen lernen möchte. Vor ein paar Tagen habe ich ihn nach einer Art Kontaktpause von über zwei Monaten wieder angeschrieben. Er reagierte sofort und wir schickten uns über mehrere Tage SMS. Jetzt frage ich mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich nochmals zu treffen. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Mann nach seiner gescheiterten Beziehung eine zeitlang braucht um sein Leben und sein Gefühlsleben neu zu ordnen. Ich muss dazu sagen, dass er derjenige war, der verlassen wurde. Ich frage mich nun, ob ich ihn einfach besser vergessen soll oder ob ich ihn noch mal treffen sollte? Irgendwas sagt mir: Er ist der Richtige – nur kenne ich diesen Mann im Grunde ja gar nicht. Wie kann ich ihm neuen Mut und Neugierde entlocken? Vielen Dank im Voraus für Ihre objektive und kritische Einschätzung.

Mit besten & gespannten Grüßen
Franziska*
*Name von der Red. geändert

Antwort: "Sie können den Prozess nicht beschleunigen!"

Liebe Franziska,

es ist nicht leicht auszuhalten, einen Menschen kennenzulernen, von dem man glaubt, er könne gut zu einem passen, wäre da nicht der alte, unverarbeitete Trennungsschmerz. Der von Ihnen beschriebene Mann hat sich zunächst falsch eingeschätzt und geglaubt, nach der Trennung bereits wieder offen für eine neue Partnerschaft zu sein. Angeregt durch die Begegnung mit Ihnen hat er sich konsequent gezeigt und erst einmal von der Partnersuche Abstand genommen. Das ist auch gut so, denn eine unverarbeitete Ex-Liebe hindert einen daran, sich auf einen neuen Partner wirklich einlassen zu können. Das Tempo, sich von einer alten Liebe zu trennen, ist individuell ganz verschieden. Sie ist davon abhängig, wie lang und intensiv die Liebe war, wie es zum Verlust des Partners kam, durch aktives Aussteigen, Tod oder Verlassenwerden. Wen es unerwartet trifft, der fühlt sich viel stärker ausgeliefert, kann nur noch reagieren. Dieser Kontrollverlust wird als besonders schmerzhaft erlebt. Erst durch die Auseinandersetzung mit der Trauer kann der seelische Schmerz bewältigt und verarbeitet werden.

Und das ist Vorraussetzung, wieder unabhängig in seinen Gefühlen zu werden und neue Beziehungsfähigkeit zu erlangen. Es versteht sich von selbst, dass dieser Prozess Zeit braucht. Diese sollte man sich auch unbedingt nehmen. Denn häufig zeigen sich nicht ganz bewältigte alte Gefühle und Partnerschaften erst in der Begegnung mit einem neuen Menschen. Plötzlich spürt man, sich nicht einlassen und verlieben zu können, weil alte Gespenster aus der Vergangenheit auftauchen. Daher sollten in so einem Fall die Alarmglocken läuten, denn Menschen in der Trauerphase sind als potenzielle Partner nicht geeignet. Eine ernsthafte Zweisamkeit braucht nun mal als Nährboden eine verarbeitete Trennung.

An dieser Stelle sollten Sie sich auch keinen Illusionen hingeben: Wenn Ihr Gegenüber mit einer früheren Beziehung noch nicht abgeschlossen hat, können Sie den Prozess nicht beschleunigen. Lassen Sie dem Anderen die Zeit, die er zur Verarbeitung braucht. Überlegen Sie sich, ob Sie genug Stärke, Bereitschaft und Zuversicht haben, diesen nicht gerade leichten Weg gemeinsam zu gehen. Merken sie hingegen, dass Sie gegen die Schatten der Vergangenheit nicht ankommen, ziehen Sie die Notbremse und brechen Sie den Kontakt ab. Wer sich trotz der schwierigen Ausgangslage in dieses Wagnis begibt, sollte zu viel Austausch, Achtsamkeit und Ausdauer bereit sein. Prüfen Sie sich kritisch, ob Sie diese Stärke und Bereitschaft aufbringen können und wollen.

Herzliche Grüße,
Lisa Fischbach


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