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Wenn Frauen sich nicht trauen…wollen
Wenn Frauen sich nicht trauen…wollen (Kategorie: Partnersuche)
Wer kennt nicht das Klischee von bösen, bindungsunwilligen Männern, die von Frau zu Frau ziehen wie Nomaden von einer Oase zur nächsten? Diese Zeiten sind vorbei. Frauen sind nicht mehr die armen Opfer, sondern immer öfter die treibende Kraft, wenn es um ein Leben ohne festen Partner geht.

Bindungsangst steckt in den Genen

Kerle wie George Clooney oder Film-Kunstfigur James Bond sind klassische Vertreter dieser Spezies: Tolle Typen, die jede Frau schwach werden lassen. Aber außer ein paar heißen Nächten und gebrochenen Herzen bleibt meist wenig zurück. Diese Männer genießen es, ungebunden zu sein und haben Spaß dabei. Das Schwedische Karolinska Institut fand kürzlich heraus: Das männliche Zögern, wenn es um die Festlegung in Sachen Liebe geht, ist zumindest zum Teil genetisch bestimmt. Bei Frauen ist der Bindungsunwille weniger ausgeprägt, weil sie mehr vom "Bindungshormon" Oxytocin beeinflusst werden und sich deshalb eher auf Beziehungen einlassen können. Doch die gesellschaftliche Realität zeigt: In Westeuropa leben inzwischen fast 30 Prozent der Menschen allein. Darunter fast ebenso viele Frauen wie Männer. Eine von ihnen ist Mareike (43). Nach siebzehn Jahren Ehe fiel es ihr nach der Trennung schwer, das Alleinsein zu ertragen. Die Folge: Bei jeder Gelegenheit stürzte sich Mareike in eine Beziehung – auch wenn es keine wirkliche Perspektive gab. Doch damit ist seit langer Zeit Schluss: "Ich genieße es, nur für mich verantwortlich zu sein und auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen", gibt Mareike zu.

Alleinsein als Lebensentwurf

Natürlich vermisst auch sie bisweilen die partnerschaftliche Zweisamkeit. Aber bevor sie einen faulen Kompromiss eingeht, bleibt sie lieber allein: "Ich habe lange überlegt, warum es seit einigen Jahren nicht klappen will mit der Liebe. Irgendwann wurde mir klar, dass ich gar keine will. Jedenfalls im Moment nicht." Anfangs ein irritierendes Gefühl. Diplom-Psychologin und Single-Coach Lisa Fischbach kennt dieses Phänomen: "Unsere Gesellschaft gibt das Leben in einer Paarbeziehung als romantisches Ideal vor. Deshalb ist es für viele Menschen ungewohnt, wenn sie feststellen, dass sie für den Moment womöglich allein glücklicher und zufriedener leben." Doch gerade dieses Stadium ist wichtig, um wieder offen für eine neue Liebe zu sein. Wer sich zu sehr nach einem Partner sehnt, übersieht häufig Signale, die darauf hindeuten, dass es mit genau diesem Menschen nicht klappt. Irgendwann, so hofft Mareike, wird sich ein Mann finden, auf den sie sich wirklich einlassen kann und will. Bis dahin ist sie zwar Flirts gegenüber nicht abgeneigt, aber weiter geht es dann nicht. "Mit Bindungsangst hat das nichts zu tun", sagt sie selbstbewusst. "Ich bin einfach gerade nicht bereit."

Selbst ist die Frau

"Frauen stehen heute nicht mehr unter dem Druck vergangener Zeiten", erklärt Lisa Fischbach. "Sie müssen nicht mehr heiraten, um versorgt zu sein und eine Familie gründen zu können. Es gibt alternative Lebensentwürfe jenseits von Familie und Kindern, die gesellschaftlich akzeptiert und wenn bewusst gewählt, sehr befriedigend sind." Auch Charlotte hatte nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner einige kürzere Affären, aber schob immer einen Riegel vor, wenn es fester zu werden schien. Inzwischen ist die 67jährige seit zehn Jahren allein und findet das völlig in Ordnung: "Ich habe einfach zu viele Macken. Da würde es jeder Mann schwer haben, mit mir auszukommen." Ob sie jemals wieder einen Partner findet, ist ihr nicht wichtig. Sie hat viele Freundschaften geschlossen und sich ein Netzwerk geschaffen, in dem sie sich wohl fühlt. "Ich bin glücklicher als ich es in meiner Ehe jemals war", gesteht sie. "Die eigene Zufriedenheit ist entscheiden", fasst Diplom-Psychologin Lisa Fischbach zusammen. "Ausschlaggebend für die Wahl zwischen einem Leben mit oder ohne Partner ist die bewusste Entscheidung nach Überprüfung der eigenen Bedürfnisse." Jeder bestimmt für sich selbst, was ihn glücklich macht. Auch wenn die meisten nach einem Leben in Zweisamkeit streben, gilt das nicht für alle. Dennoch sollten wir uns immer fragen, ob hinter dem Wunsch nach Ungebundenheit womöglich doch Bindungsangst steckt. Ansonsten nutzen wir eben diese Phase bestmöglich und konzentrieren uns ganz auf uns selber. Tipp von Lisa Fischbach: "Passen Sie auf, dass ein solcher Abschnitt der Selbstfindung nicht zur Sackgasse wird und die Beziehungsfähigkeit verloren geht. Am besten von Zeit zu Zeit erforschen, wie es um die Lust auf Partnerschaft steht."

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