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Wenn die Umstände die Liebe gefährden
Wenn die Umstände die Liebe gefährden (Kategorie: Partnersucheblog)
Manchmal muss man die rosarote Brille absetzen und die Ist-Situation nüchtern betrachten.

Die Liebe baut Brücken, überwindet Grenzen, alles scheint möglich. Schön, wenn es immer so wäre. Doch für Karin und Thorsten werden die Umstände ihres Alltags zur Zerreißprobe. Karin lebt mit ihren beiden pubertierenden Töchtern in Bochum. Sie arbeitet als allein erziehende Mutter Vollzeit.

Vor fünf Monaten hat sie Thorsten bei ElitePartner.de kennengelernt. Er wohnt in Chemnitz, hat vor sechs Jahren eine kleine Werbeagentur gegründet. Seine geschiedene Frau lebt mit der gemeinsamen Tochter in der Nähe, was ihm wichtig ist.

Die beiden haben sofort einen Draht zueinander. Daher wollen sie sich schnell treffen. Damit fangen die Probleme an. Job, Fortbildung, Geschäftsreise, die Kinder im Haus, die kranke Mutter zu Besuch, ständig ist irgendetwas. Nach sieben Wochen klappt das erste Treffen bei Thorsten in Chemnitz. Die zwei Tage werden zum Traum. Völlig verliebt fährt Karin nach Hause. Ganz bald will man sich wieder sehen, doch zwei Monate müssen ins Land gehen. Beim dritten Treffen vor vier Wochen dann das Malheur: Karins Tochter liegt hochfiebrig im Bett, Thorsten kommt nur für ein paar Stunden, fährt am Abend wieder zurück. Für beide ein Tiefschlag!

Für Karin noch mehr als für Thorsten. Sie ist ein Nähetyp, er kann ganz gut mit Distanz umgehen. Das wird auch in ihrem Persönlichkeitsprofil deutlich. Sie vermisst Thorsten schrecklich und so manches Mal, wenn sie allein in ihren kühlen Federn liegt, fühlt sie sich einsam. Nach den ersten drei Treffen war sie euphorisch und glaubte, dass sich trotz der schwierigen Umstände eine Lösung finden lässt. Seit ein paar Wochen fühlt sie mehr und mehr Zweifel in sich aufsteigen. Verliebt ist sie nach wie vor. Doch denkt sie an die Zukunft, spürt sie ihren Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit und es ziehen dunkle Wolken in ihr auf. Das Ganze wird zunehmend zur Belastung für sie. Eins ist klar: Karin kann zurzeit nicht wegziehen, Thorsten kann und will es auch nicht.

Solche Alltagsbedingungen können zu einer sehr belastenden Situation werden. Nicht jeder kann auf längere Sicht mit einer Fernbeziehung leben, vor allem dann nicht, wenn keine Aussicht auf Veränderung besteht. Oft haben es Menschen, denen Freiheit und Unabhängigkeit starke Bedürfnisse sind, leichter, auf viele Kilometer Entfernung zu lieben. Gerade in der Phase des Beziehungsaufbaus wird es zum Handikap, wenn 500 km einen trennen – man so wenig gemeinsame Zeit miteinander haben kann. Was kann Karin tun? Sie ist ihr eigener Maßstab. So schwer es ist, sie muss für sich allein Bilanz ziehen und sich fragen, was sie durch diese Beziehung bekommt und wie viel sie ihr nimmt. Wie ist Freude und sich Sehnen verteilt? In welche Richtung kippt die Waagschale?

Hört sich schrecklich nüchtern an. Was hat eine solche Rechnung mit Liebe zu tun? Doch leider ist es in diesem Fall angemessen, sich hinzusetzen und die Brille der Verliebtheit bewusst einmal abzusetzen. So schwer es fällt, ein realistischer Blick auf den aktuellen Ist-Zustand hilft. Wenn jegliche Möglichkeiten zur Veränderung in Erwägung gezogen und keine Hebel zu entdecken sind, gibt es nur zwei Alternativen: Sich mit der gegenwärtigen Situation zu arrangieren oder die Beziehung zu beenden, falls das Leiden größer ist als das Glück. Eine Hoffnung auf eine erfüllende Liebe zu begraben, nur weil einen die äußeren Umstände dazu zwingen, gleicht dem Stoff einer Tragödie wie Romeo und Julia. In einer solchen Situation die Liebe loszulassen, erscheint unerträglich, vor allem weil es eine reine Kopfentscheidung ist. Das Herz sagt nein und will eigentlich bleiben. Aber es hilft nichts, wenn die Liebe keine Brücken baut. Jeder entscheidet für sich, wie viel Kraft er noch hat, um dieses Miteinander aufrecht zu halten. Doch besser ist es, der schmerzhaften Realität ins Auge zu schauen, als erst dann aufzuhören, wenn der Tank längst leer ist.


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7 Antworten zu “Wenn die Umstände die Liebe gefährden”

  • Heide sagt:

    Frage an Lisa Fischbach:
    Zeugt es von Lebenserfahrung oder Ängstlichkeit wenn frau von vornherein solche Situationen ausschließt, indem sie ausschließlich auf Vorschläge aus einer annehmbaren Entfernung reagiert? (so verlockend auch manche Partnervorschläge sein mögen)

  • Nina sagt:

    Wenn die Gefühle stark genug sind, wird sich immer ein Weg und eine Lösung finden. Ein Patentrezept gibt es nicht. Bei dem geschildertem Fall würde ich aber wahrscheinlich auch ins Stocken geraten. Die Tiefe der Gefühle entscheiden, ist man bereit dafür auf den Job oder die Nähe zu Freunden, Verwandten zu verzichten?

  • Uli sagt:

    Ich halte ein realistisches Abwägen für richtig. Traurig ist es, wenn die Beziehung letztlich an den äußeren Umständen zerbricht. Die Toleranzgrenze muss jeder für sich prüfen.

  • Cara sagt:

    Ohne Kompromisse geht es nunmal nicht, egal wie stark die Liebe ist. Eine solche Situation zu meistern wie in diesem Fall fordert viel Geduld, Verständnis und Liebe – und irgendwann das "in den sauren Apfel beißen" und die Zusammenführung angehen. Auch, wenn das im ersten Moment "aufgeben" heißt, denn eigentlich gewinnt man ja viel mehr dazu.

  • Lena sagt:

    So eine realistische Einschätzung ist nicht leicht, aber wie ich finde sehr wichtig. Schon allein um sich nicht selbst auf Dauer in einer ewigen Traumwelt zwischen zwei Orten, seinen Wünschen und dem was-wäre-wenn zu verlieren.

  • LisaFischbach sagt:

    Liebe Heide,

    auf Ihre Frage, ob eine solche Entscheidung auf Lebenserfahrung oder Ängstlichkeit beruht, antworte ich: Beides ist möglich, also nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Ich kann also nicht grundsätzlich dazu urteilen, letztendlich bleibt es hypothetisch.

    In dem geschilderten Fall lag es eher nicht an der Lebenserfahrung. Auch Ängstlichkeit war nicht das ausschlaggebende Motiv. Vielmehr war es das Spüren der eigenen Grenzen, zu erleben, dass die Frau, die ein "Nähemensch" ist, diese Liebe auf Distanz über längere Zeit nicht aushalten kann. Es war eine vorbeugende Entscheidung, weil sie spürte, dass sie sonst Gefahr läuft, unglücklich zu werden.

    Auch die Frage, ob man nur Partnervorschläge aus seiner Region beachten soll oder auch aus weiter entfernten Gebieten, ist nicht pauschal zu beantworten. Viel hängt davon ab, ob man fähig ist, Gefühle, Vertrauen und Liebe in einer Fernbeziehung aufzubauen und ob man irgendwann bereit wäre, für eine tragfähige Liebe sein Umfeld zu verlassen und woanders neu zu beginnen. Diese Fragen sollte man sich vorher schon einmal gestellt haben. Mit einem "Ja" dazu im Gepäck ist der Blick über die Grenzen von 100km entfernt kein Problem.

    Beste Grüße
    Lisa Fischbach

  • Michael sagt:

    Genau wie in der Geschichte beschrieben habe ich es auch erlebt. Wir waren sehr verliebt, verstanden uns super, konnten uns aber zu selten sehen und da jeder ortsgebunden war, haben wir es dann irgendwann beendet. Wir haben geplant uns am WE zu sehen und dann kam irgendwas dazwischen: kranke Eltern, Kinder, Beruf…Einer von uns hätte sein Leben, seinen Beruf völlig neu ausrichten und ganz von vorne beginnen müssen und das wollte letztlich keiner dem Anderen zumuten.
    Deshalb lasse ich mich heute nur auf Entfernungen bis 100km ein, wo man sich eben auch spontan sehen kann, wenn man möchte. Da ist ein "Miteinander" möglich, obwohl jeder sein Umfeld behält.