Letzte Woche ging es um Menschen, die ihren Partner regelrecht zum
Seitensprung auffordern.
Doch es gibt auch noch andere Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen in einer Beziehung nicht klar kommen.
So hatte ich beispielsweise mal eine Klientin, die aus einem Alkoholiker-Elternhaus kam, in dem auch regelmäßig geprügelt wurde. Sie reagierte jedes Mal so empfindlich darauf, wenn ihr Partner auch nur mal ein Glas Wein trank, dass die Beziehung schließlich daran zerbrach. Die Angst, dass der Partner – so wie ihr Vater früher – unter Alkoholeinfluss gewalttätig werden könnte, saß so tief, dass sie in diesem Punkt quasi "überreagierte". Diese Klientin ging auch nie auf eine Party, eine Betriebsfeier oder ein Volksfest, weil dort so viel getrunken wurde und sie deshalb "Angst um ihr Leben habe", wie sie sich ausdrückte. In den Sitzungen bei mir hat sie die Problematik zwar erkannt und reflektiert, solche einschneidenden Erfahrungen sind in der Regel aber nicht in fünf oder zehn Coachingsitzungen aufgearbeitet. Hier ist es eher angeraten, sich in eine längerfristige Psychotherapie zu begeben. Diese Klientin fand übrigens dann einen Partner, der ebenso wie sie, vollkommen abstinent lebte.
Eine andere Klientin hatte als 16-Jährige einen schweren Autounfall, bei dem alle drei weiteren Insassen des Wagens ums Leben kamen. Ihre Eltern hatten damals das Gespräch über dieses Erlebnis verweigert, weil sie der Ansicht waren, es sei besser, das Mädchen solle den Vorfall so schnell wie möglich vergessen. Heute hat diese Frau jedoch größte psychische Probleme. Sie kämpft mit Schuldgefühlen und Suizidgedanken, weil sie das Gefühl hat, sie habe das (Über-)Leben nicht verdient. Nicht zuletzt deshalb macht sie auch äußerlich überhaupt nichts aus sich, sondern wirkt regelrecht ungepflegt. Zwar spürt sie eine Sehnsucht nach einer festen Partnerschaft, aber gleichzeitig ist sie nicht in der Lage, sich auf jemand anders richtig einzulassen. Wird ein Kontakt zu nah, findet sie einen Vorwand, ihn ganz plötzlich wieder zu beenden.
Ob es nun um Gewalt im Elternhaus, Alkoholmissbrauch der Eltern oder andere schlimme Erlebnisse geht: Es ist in jedem Fall ganz wichtig, einem Partner von solchen Erfahrungen zu erzählen. Nur so hat der Andere die Möglichkeit, mit der Situation konstruktiv umzugehen, Verständnis zu zeigen und Unterstützungsangebote bei der Verarbeitung dieser Problematik zu machen.
Schwieriger ist es da sicher, wenn die Ursachen, die zu irgendeiner Art der Störung bzw. Verstörung geführt haben, noch im Dunkeln liegen. Wie zum Beispiel die Geschichte von Sönke und Kathrin zeigt. Sönke war es überhaupt nicht bewusst, dass er ein Problem mit sich herumtrug und welche Ursachen es dafür gab. An die Trennung von seiner leiblichen Mutter im Zuge der Adoption konnte er sich ja gar nicht mehr erinnern, und bewusst hatte er nie wahrgenommen, dass ihm in seinem Adoptivelternhaus etwas gefehlt haben könnte.
Auch bei Fällen von sexuellem Missbrauch kommt es häufig vor, dass die Betroffenen, wenn sie noch sehr klein waren oder diese Erlebnisse sehr effektiv verdrängt haben, sich nicht mehr bewusst daran erinnern können. Die "Schädigung", die sie dennoch erlitten haben, äußert sich dann häufig erst im Erwachsenenalter in massiven sexuellen Störungen, möglicherweise auch in Essstörungen. Auch hier ist therapeutische Hilfe unbedingt notwendig, wenn man den Verdacht hat, es könnte in der eigenen Vergangenheit Missbrauchssituationen in der Familie oder mit anderen Erwachsenen gegeben haben.
Sönke war es überhaupt nicht bewusst, dass er ein Problem mit sich herumtrug und welche Ursachen es dafür gab. An die Trennung von seiner leiblichen Mutter im Zuge der Adoption konnte er sich ja gar nicht mehr erinnern, und bewusst hatte er nie wahrgenommen, dass ihm in seinem Adoptivelternhaus etwas gefehlt haben könnte.
Mich würde mal interessieren zu welchen Störungen es da kommen könnte, da ihm ja nicht bewusst war das was fehlte.