Das Schöne heutzutage ist, dass sich verschiedene Rollen nicht gegenseitig ausschließen. Wir müssen nicht nur hart oder sensibel sein.
Was dem einen ein Traum ist, ist für den anderen Verrat am Anspruch auf Selbstverwirklichung. Ich lese in der Bunten Ausgabe 7/11 das Interview zwischen Maria Furtwängler (44) und Pasquale Aleardi (39) zum ZDF-Zweiteiler „Schicksalsjahre“. Folgender Dialog ist da abgedruckt: „Es war nicht leicht, die Frau im Film nachzuempfinden“, sagt Maria Furtwängler. „Eine Frau, deren größte Sehnsucht darin besteht, ihren Mann glücklich zu machen.“ Aleardi: „Was ein Traum!“ Furtwängler: “Heute undenkbar.“ Aleardi: „Warum?“ Furtwängler: „Wenn der Mann nach Hause kommt und die Frau ihm ein warmes Essen hinschiebt – wäre euch das nicht fad?“ Aleardi: „Nein, nein.“ Furtwängler: „Worüber redet ihr? Sie sagt: 'Ach Liebling, war’s schwer heute?“ Komm ich massier die Füße. '“ Aleardi: „Super!“ Ende des Dialogs.
Erleben wir da ein Paar, das nicht so recht zusammen passt? Wenn diese beiden nicht ausgesprochen viel Toleranz und Konfliktfähigkeit an Bord haben, werden höchst wahrscheinlich unvereinbare Einstellungen aufeinander prallen. Trifft hier also die Haltung eines „Machos“ auf die einer modernen Frau, die sich nicht vorstellen kann, in dieser Art und Weise eine Beziehung zu einem Mann zu führen. Das Schöne heutzutage ist, dass Frauen (und natürlich auch Männer) verschiedene Rollen einnehmen können und als Abteilungsleiterin im Pharmaunternehmen eine andere sein können als zu Hause mit dem geliebten Partner. Ist im Büroalltag Durchsetzungsstärke, Entscheidungsfähigkeit und Sachlichkeit gefragt, so liebt die weibliche Seite in der Beziehung die Nähe zu ihrem Partner, das Anlehnen und Führen lassen sowie die Verspieltheit. Das müssen keine unvereinbaren Rollen in einer Person sein.
Wichtig ist, sich dieser verschiedenen Seiten bewusst zu sein. Sie auch auszuleben und nicht zu verstecken. Die eine Seite ist kein Verrat an dem Wunsch, stark, unabhängig und emanzipiert zu sein. Und es kann eine Erfüllung sein, sich den „femininen“ Anteilen in der Partnerschaft hinzugeben. Auch Frau Furtwängler muss im Interview zugeben, dass sie am Ende des Tages einen starken Mann will. „Ich mag durchsetzungsstarke Männer. Ich gehöre zu den Frauen, die auf Alphamänner stehen, was nicht heißt, dass ich mich unterordne.“ Ist doch wunderbar, wenn so viele Wahlmöglichkeiten in den Rollen bestehen. Manchmal ist es gut, einfach das zu tun, was man fühlt und nicht vorher immer erst zu urteilen.