... und was ist ihr gesellschaftlicher Stellenwert?
In Deutschland lassen pro Jahr etwa 40.000 Männer heimliche Vaterschaftstests durchführen. Das heißt, sie lassen Haar- oder Speichelproben ihres Nachwuchses heimlich, ohne Wissen der Mutter, analysieren. Bei einer jährlichen Geburtenrate von knapp 700.000 Kindern entspricht das einem Anteil von sechs Prozent.
Eine britische Studie aus dem Jahre 2005 von der Uni Liverpool ergab, dass nur kapp vier Prozent der in Europa und den USA geborenen Kinder so genannte Kuckuckskinder sind. Dazu wurden mehr als 300.000 Fälle ausgewertet, bei denen Männer die DNA ihrer Kinder mit ihrer eigenen untersuchen ließen. Dabei ging es nicht um angezweifelte Vaterschaften, sondern um die Untersuchungen bezüglich Erbkrankheiten oder Ähnlichem.
Kuckuckskinder haben ihren Namen vom gleichnamigen Vogel. Der hat keinen guten Ruf, denn er scheut die Paarbindung, drückt sich vor Nestbau und Brüten und vermehrt sich ausschließlich auf Kosten anderer. Dabei wendet er ziemlich rabiate Methoden an. Er beobachtet alles, was im Revier vor sich geht und nimmt einen blitzschnellen Eiertausch vor. Meist verteilt ein Kuckuck zehn oder mehr Eier in fremden Nestern.
Arglos brüten andere Singvogelarten wie Teichrohrsänger oder Zaunkönige das Ei aus. Der kleine Kuckuck schlüpft dann als erster und wirft alle anderen Eier aus dem Nest. Doch auch Zebrafinkenweibchen legen ihre Eier in fremde Zebrafinken-Nester, denn so können sie insgesamt mehr Eier legen und gleichzeitig Arbeit bei der Aufzucht der Jungen sparen.
Das Klischee, dass Frauen Männern absichtlich Kinder "unterschieben", wird immer wieder gern bemüht. Schließlich wird als Erklärung für männliche Untreue oft die evolutionär bedingte möglichst große Streuung des eigenen Genpools herangezogen: Mann geht fremd, um sein Erbgut nicht nur mit dem einer einzigen Partnerin zu vermehren. Warum sollten Frauen dann nicht also ebenso denken?
Weil die Frau eben nicht so angelegt ist: Sie kümmert sich um die Nachkommen – das wird sogar hormonell unterstützt, indem der Körper schon während der Schwangerschaft und nach der Geburt das Bindungshormon Oxytocin ausstößt, das die Muter-Kind-Bindung stärkt. Professor Mark Bellis führt eine eher profane Erklärung für Kuckuckskinder an: Frauen seien oft am Anfang oder am Ende einer Beziehung nicht ganz sicher, ob das Kind vom neuen Mann oder dem letzten Partner stammte oder womöglich aus einer Affäre.
Und weil viele Frauen offene Auseinandersetzungen fürchten, bewahren sie lieber Stillschweigen, als dass sie schlafende Hunde wecken und womöglich ihre Beziehung gefährden. Dabei wäre es besser, die Sachlage frühzeitig zu klären. Denn je später ein Mann von einem Kuckuckskind erfährt, desto verletzter seine Reaktion und desto größer die Gefahr für die Beziehung. Wer von Anfang an mit offenen Karten spielt, hat die besten Aussichten auf eine langfristig funktionierende Partnerschaft – möglicherweise auch mit Kuckuckskind.
Mir wurde mit behördlicher Genehmigung ein Kuckuckskind untergeschoben.
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