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Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil V)
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil V) (Kategorie: Sexualitätsblog)
55.000 wurden für eine Sexstudie zu ihrem Liebesleben befragt.

Eine immer wieder aufgeworfene und wahrscheinlich nie endgültig zu beantwortende Frage im Zusammenhang mit sexueller Attraktivität ist die nach dem "Traumpartner". Wie soll er denn nun ausschauen, und wie stark werden dann solche Erwartungen durch Bilder von Außen geprägt?

Der Wiener Evolutionsbiologe Dr. Werner Finck, seines Zeichens auch Experte für "Attraktivitätsforschung", hat dem nichts wirklich Neues hinzuzufügen. Die geschlechtsspezifischen Schönheitsideale sind auch bei den Jugendlichen von Heute – genau wie bei den Erwachsenen – immer noch an alten, vorgegebenen Mustern orientiert: Frauen wünschen sich Männer, die einen muskulären und kräftigen Körper aufweisen und sind am Status des Mannes interessiert. Männer stehen auf eine Frau, die Gesundheit und "Jugendlichkeit" ausstrahlt und "kurvige" Formen besitzt. Natürlich muss hier der biologische, bzw. evolutionspsychologische Hintergrund, als Erklärung herhalten. Schöne, neue Welt.

Auch die Eigenschaftszuweisungen bleiben in der zu erwartenden Norm. Frauen wollen Männer, die achtsam sind, gut zuhören können und Manieren haben. Männer nennen in ihren Eigenschaftslisten gleichwohl hauptsächlich körperorientierte Merkmale. Im Unterschied zu Erwachsenen nennen Jugendliche noch eine Vielzahl von Eigenschaften. Offenbar nimmt also der Gewohnheitsdruck mit zunehmendem Alter zu, so dass sich mit der Zeit die Verfestigung der Klischees weiter erhöht.

Dazu passen auch die Ergebnisse, die bei Jugendlichen ihr Verhältnis zum eigenen Körper wiederspiegeln. Während die Mädchen hier einen sehr viel kritischeren Blick aufweisen (mehr als 50 % finden sich zu dick!), sind dies bei den Jungs nur 13%. Und immerhin 52% der 16 bis 19-jährigen haben schon einmal an eine Schönheits-OP gedacht! Schönheitschirurg bleibt also auch in Zukunft ein krisenfestes Berufsbild.

Und noch ein ganz interessantes Teilergebnis im Zusammenhang mit den kulturell vermittelten Körperbildern: die Eigenwahrnehmung der Jungs ist realistischer und unabhängiger von den Idealvorstellungen der Mädchen. Wie stark sich solche geschlechterspezifischen Bilder auswirken zeigt auch die Tatsache, dass Mädchen im Durchschnitt später mit dem Onanieren beginnen (6% der Mädchen machen es ab 12, dagegen schon 33% der Jungs in diesem Alter). Auf die Frage, wie sie zum Thema Selbstbefriedigung stehen, antwortet dann z.B. ein Mädchen "Das hab` ich doch nicht nötig!". Zu ihrer Selbstdefinition gehört also offenbar, dass sie stolz darauf ist, schon richtige Sexpartner zu haben, was ihren sozialen Wert erhöht. Während die Jungen das Onanieren wohl eher als reine Triebabfuhr zusätzlich praktizieren und ihre Selbstaufwertung von woanders herholen.

Dies alles spielt sich auf einer Bühne ab, die trotz unterschiedlicher Geschlechterrollen das Sexuelle – im Vergleich zu früher – mehr und mehr zu einem normalen Teil des Alltags werden lässt. So findet der erste Sexualkontakt im Schnitt bei den Mädchen 2 Jahre früher als 1968, nämlich mit 16 Jahren, statt; bei den Jungen 1,5 Jahre früher mit 16,3. Die Mädchen haben heutzutage also früher Sex. Damals war es noch umgekehrt. Bei den wenigsten ist dieses Ereignis "romantisch geplant", sondern findet spontan statt. Die Initiative geht dabei häufiger von den Jungs aus. Hat dann noch 1968 nur jeder 4. verhütet, so sind dies heutzutage bereits 90%. Das alles hat sich also ziemlich rasant entwickelt – im Gegensatz zu den oben beschriebenen Geschlechtsrollenunterschieden. Die sind immer noch so ziemlich die gleichen geblieben.


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