Kitsch gilt ja gemeinhin in erster Linie als Sache der Frauen. Jetzt mal weg vom Gelsenkirchener Barok und den Brokatschonern auf dem Wählscheibentelefon: Wenn sie vorschlägt, im Kino eine romantische Komödie zu sehen, verdreht er genervt die Auge: "Du immer mit Deinem Kitsch!"
Doch das Sinnfreie, Triviale, Kitschige ist schon lange auch in der Männerwelt angekommen.
Was sonst sollte bitteschön James Bond darstellen? Dieser herzens- und halsbrecherische Superagent, der alles kann, weiß, schafft, verführt, was sich ihm in den Weg stellt. Eskapismus pur: Mann träumt sich in eine Welt, in der zwischen Gut und Böse klare Grenzen liegen und die Frauen entweder blond, brünett oder rothaarig sind. Basta.
Ein bisschen Kitsch darf und muss in gewisser Hinsicht auch sein. Denn egal, ob wir uns ihm freudig ergeben oder uns amüsiert ironisch davon distanzieren, so ein Zugeständnis zum Trivialen kann auch beim Dating einige Dämme brechen. Warum müssen wir denn immer die Design- und Geschmackform unter allen Umständen wahren? Manchmal ist es doch umso liebenswerter, wenn wir uns zu unseren kleinen Schwächen bekennen.
Vielleicht ist die Eulensammlung wirklich nicht gerade ein Fall für "Schöner Wohnen", aber womöglich haben wir sie von unserer Großmutter geerbt. Oder der Tatort-Abend, den wir um keinen Preis missen möchten, weil wir das schon als Teenager immer mit Papa geguckt haben. Vieles, was für andere auf den ersten Blick kitschig erscheint, hat für uns persönlich eine ganz besondere Bedeutung. Und statt uns darüber zu erheben und den anderen zu verurteilen ob seines schlechten Geschmacks, sollten wir uns lieber voller Wonne ins Leben stürzen, ein bisschen Kitsch gehört nun mal dazu. Und was Männern und Frauen in Sachen Kitsch gefällt, ist nun einmal – wie so vieles im Leben – Geschmacksache.
Bevor wir uns also entnervt über seine Geschmacksverirrung beschweren, wenn er unbedingt die Kinopremiere des neuen Bruce Willis-Actionstreifens sehen will, statt das französische Filmkunst-Drama mit Überlänge, sollten wir uns an unsere "Sex and the City"-DVDs erinnern und einfach mal gucken, was genau ihm am Mann im blutverschmierten Unterhemd so gefällt. Das kann sehr hilfreich sein beim Aufeinanderzugehen.