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“Warum kann sich mein Partnern nicht auf eine Beziehung einlassen?”
“Warum kann sich mein Partnern nicht auf eine Beziehung einlassen?” (Kategorie: Expertenboard)
Er möchte im Moment keine richtige Beziehung. Dennoch telefonieren wir weiter, schicken uns aber weniger SMS. Er möchte den Kontakt nicht abbrechen. Soll ich ihm Zeit lassen oder hat das keinen Sinn?

Sehr geehrte Frau Fischbach,
ich habe vor einem guten Monat jemand kennen gelernt. Wir haben über EP mehr als 100 E-Mails ausgetauscht, viele Telefonate geführt, SMS und MMS geschickt und uns zwei Mal getroffen. Ich bin verliebt, ganz sicher.
Doch jetzt ist mein "Partner" durch den Wind. Er muss noch seine Vergangenheit verarbeiten. Bloß hat er mir zu Beginn des Kennenlernens dies nicht deutlich gesagt.
Er möchte im Moment keine richtige Beziehung. Dennoch telefonieren wir weiter, schicken uns aber weniger SMS. Er möchte den Kontakt nicht abbrechen. Beruflich haben wir inzwischen auch miteinander zu tun. Wir fühlen gleich, wie Seelenverwandte. Aber er möchte mich nicht verletzen und benötigt Zeit. Er befindet sich in einem Gefühlchaos, hat er mir gesagt und geschrieben. Er ist so fein, so nett, so lieb. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich verhalten soll?!
Es ist der dritte Kandidat, der mir plötzlich beichtet, dass er die Vergangenheit noch nicht ganz verarbeitet hat. Ich weiß manchmal nicht weiter. Bei diesem letzten dachte ich, dass es der Richtige sei und ich bloß ein wenig Geduld haben muss. Er möchte erstmal eine freundliche Beziehung, weil er Zeit braucht (auch wenn wir beim zweiten Treffen intim wurden). Ich weiß, dass er mich begehrt. Er ruft an und sagt, dass er gerne zu mir kommen würde. Und dann weiß er, dass es nicht gut ist. Bei EP hat er sich registriert, um zu schauen was passiert. Und dann hat er mich getroffen und ich glaube, dass ich nicht geplant war. Er mag mich. Er möchte mich nicht verletzten und nicht, dass ich nur für ihn da bin, wenn er mich braucht. Er macht sich sorgen um seine Söhne, seine Agentur – er ist komplett durcheinander…
Was raten Sie mir denn? Ihm Zeit lassen?

Danke + MFG  
Brigitte*
*Name von der Redaktion geändert

Antwort: Sprechen Sie Ihre Gefühle offen an!

Hallo Brigitte,

Gefühle sind selten vollständig zu kontrollieren. Auch wenn es für einen ausgeschlossen scheint, sich aufgrund ungünstiger Umstände, einer nicht verarbeiteten Beziehung oder beruflicher Probleme neu zu verlieben, kann es passieren – für einen selbst häufig unerwartet. Der Umgang mit schwierigen Lebenssituationen wie beispielsweise Trennungen ist sehr unterschiedlich. Manche suchen schnell eine neue Liebelei, um die alte Beziehung zu vergessen oder sich vom Liebeskummer abzulenken. Andere brauchen länger, um sich auf etwas Neues einzulassen. Sie nehmen sich viel Zeit für die Trauerphase, ziehen sich zurück, halten sich von Liebesdingen fern, arbeiten stattdessen an sich und versuchen, die Verletzungen zu bewältigen. Das braucht seine Zeit, doch das Ergebnis ist, wieder wirklich offen für eine neue Liebe zu sein.
Ihr Gegenüber scheint sich nicht entschlossen auf Partnersuche begeben zu haben. Vielleicht dachte er, es ist an der Zeit, sich aus dem Schneckenhaus zu wagen. Eigentlich hält man sich für immun. Doch dann löst eine besondere Begegnung Gefühle aus und man spürt seine Sehnsüchte nach Nähe und Zweisamkeit. Sowie sich diese Emotionen in einem entwickeln, stoßen sie zugleich die Tür zu alten, unverarbeiteten Gefühlen auf. Wie Sie schreiben, Ihr Gegenüber empfindet ein Gefühlschaos. Oft weiß man in solchen Situationen kaum mehr, was man eigentlich will. Das alte ist nicht ganz losgelassen, das Neue fühlt sich schön an, aber man ist nur mit halben Herzen bei der Sache.

Eine neue Liebe braucht jedoch als Nährboden eine verarbeitete Trennung. Oftmals glaubt man von sich, bereits so weit zu sein. Mit aufkommender Verliebtheit werden alte Verletzungen, Zweifel, Misstrauen wieder aktualisiert. So ein Gegenüber ist als potenzieller Partner herausfordernd, da er in seinen Gefühlen nicht klar und viel mit sich selbst beschäftigt ist. So schwer es fällt, ist es ratsam, eine zugewandte Distanz einzunehmen. Der andere braucht Zeit und die sollte man ihm geben. Auch wenn das ganz den Wünschen nach Nähe widerspricht.
Wer so wie dieser Mann vor sich "warnt", sollte gehört werden. Schließlich weiß er am besten, was in ihm vorgeht. Das schützt Sie vor Verletzungen. Letztendlich entscheiden Sie aber für sich, wie weit Sie gehen wollen, wie viel Energie sie haben, um in dieser "Wartestellung" zu bleiben. Oft plagt einen die Sorge, geht man in dieser Situation auf Abstand, der andere könnte sich gegen einen entscheiden und hält es für besser, sich durch Offenheit und Zuneigung im Gefühlsleben des anderen präsent zu halten. Sicherlich kann der andere sich dann "versorgt" zurücklehnen, weiß er um Ihre Zuneigung. Wichtig ist aber für sich wahrzunehmen, wie viel einem dadurch genommen und wie viel gegeben wird. Denn eine solche Haltung ist kein Garant für ein Happy End.

Sprechen Sie Ihre Gefühle offen an und fühlen Sie in sich, was Sie brauchen, um eine solche Phase zu zweit durchzustehen. Schließlich geht es nicht nur um den anderen. Auch wenn Sie von ihm Bestätigung bekommen, weil Sie eine gute Zuhörerin sind und er von Ihnen viel emotionale Unterstützung erfährt, sollten Sie sich fragen, was Sie von ihm bekommen. In die Hoffnung zu investieren, irgendwann eine glückliche Beziehung mit ihm zu leben, ist nachvollziehbar, aber auch recht riskant.

Alles Gute,
Ihre Lisa Fischbach


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