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Warum bist du so nett zu mir? Weil du mich lässt!
Warum bist du so nett zu mir? Weil du mich lässt! (Kategorie: Liebesblog)
Der Preis für Intimität ist immer, einen Augenblick ehrlicher Verwundbarkeit zu riskieren – der Lohn kann sogar Liebe sein.

Für uns war er damals ein Klassiker – der Breakfast Club! Ein echter Teenie-Film, in dem fünf sehr unterschiedliche Jugendliche gemeinsam einen Tag lang nachsitzen müssen und sich dabei zunächst angreifen und provozieren, dann annähern, sich langsam öffnen und schließlich verlieben. Kann Liebe so einfach sein?

Ich glaube, ja! Sicherlich geht es hier eher ums Verlieben. Aber ein wichtiges Grundprinzip wird deutlich – der Abbau von alltäglichen Abwehrmechanismen und das Entstehen von Nähe durch Intimität, Schutzlosigkeit. Wir ordnen uns bestimmten Gruppen zu, die es uns verbieten, mit bestimmten anderen Gruppen oder Subkulturen in Kontakt zu kommen, wenn wir dazu gehören wollen.

Im Film bringt das die „reiche Zicke“ auf den Punkt, als „der Intellektuelle“ fragt, ob sie denn nach diesem Tag nun alle Freunde wären. Sie sagt über die Freunde der anderen: „Die würden sich den Arsch weglachen!“ Entschuldigung – war nur ein Zitat! Aber genau diese „Zicke“ ist später die Mutigste von allen. Sie nähert sich dem seltsamen Mädchen, das sich hinter seinen Haaren und haarsträubenden Geschichten versteckt und das man heute vermutlich als „Emo“ bezeichnen würde. Auf der Toilette zaubert sie ihr mit ihren edlen Schminkutensilien so viel Weiblichkeit ins Gesicht, dass es danach „der Sportskanone“ unter den Jungs den Atem verschlägt. Und in eben dieser Szene fragt das unsichere Mädchen das reiche und schöne, warum sie so nett zu ihr sei. „Weil du mich lässt“, ist eine ziemlich tiefgründige Antwort. Etwas Ähnliches wiederholt sich zwischen dem reichen Mädchen und dem „Rebellen“. Sie nähert sich ihm an, obwohl er sie immer wieder auf seine coole Art provoziert und beleidigt hat. Fast verärgert fragt er sie, warum sie das mache. Diesmal ist die Antwort: „Weil du es nicht machst!“

Die Mehrzahl der Paare, die zu mir in Beratung kommen, hat irgendwann aufgehört, sich einander verletzlich zu zeigen und ihren Sehnsüchten entsprechend zu handeln oder diese zumindest zu formulieren. Manchmal passiert das in Arbeitsteilung, so dass einer kalt und abweisend wird und der andere sich bis zur Selbstaufgabe um das Gefühlsleben und die Nähe zum anderen kümmert. Manchmal aber kommt es auch zu einem kalten Krieg, in dem auf beiden Seiten taktiert, diplomatisch formuliert und strategisch gedacht wird. Die offensichtlichste Variante ist dann noch der offene Stellungskrieg, in dem sich aggressiv beharkt wird und jede Öffnung des einen vom anderen genutzt wird, um ihm Schmerz zuzufügen.

Wenn sich zwei Menschen in einer Partnerschaft wieder anfangen sich zu benehmen wie Fremde, die sich voreinander schützen müssen, wären die einander fremden Jugendlichen ein wunderbares Vorbild. Das zu tun, was der andere nicht mehr tut und es zuzulassen, wenn der andere etwas Liebevolles tut. Der Film lässt realistischerweise offen, ob das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Liebe zueinander auch im Alltag wird bestehen können.

Der Preis für Intimität ist immer, einen Augenblick ehrlicher Verwundbarkeit zu riskieren – der Lohn kann sogar Liebe sein. Eigentlich kein so schlechter Deal, oder?


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