Dies kann auch eine große Belastung für junge Menschen sein ...
Einer neuen US-Studie des Cincinnati Children's Hospital zufolge, setzt bei Mädchen die Pubertät immer früher ein. Schon im Grundschulalter, also mit sieben Jahren, bekommen viele Mädchen Schamhaare und ihre Brüste beginnen zu wachsen.
Grundlage dieser Studie ist eine Untersuchung mit über 1200 Mädchen, sie ist jüngst im Fachjournal "Pediatrics" erschienen.
Interessant ist der deutliche Unterschied zwischen den ethnischen Gruppen. Denn 23,4 der afroamerikanischen Siebenjährigen zeigten Ansätze einer Brustentwicklung, bei lateinamerikanischen Mädchen waren es 14,9 Prozent und bei kaukasischen Mädchen lediglich 10,4 Prozent. Eine Studie aus dem Jahr 1997 hatte noch andere Ergebnisse gezeigt: Damals hatten 15 Prozent der schwarzen Mädchen und fünf Prozent der weißen den Ansatz eines Brustwachstums gezeigt.
In der aktuellen Studie wurde auch die Behaarung im Schambereich untersucht. 20 Prozent der schwarzen Zweitklässlerinnen hatten erste Schamhaare. Die weißen und lateinamerikanischen Mädchen hatten eine Quote von jeweils 6,5 Prozent. Die Pubertät setzt also immer früher ein. Dieses Phänomen ist schon länger bekannt und wird von Sexualwissenschaftlern bereits seit 140 Jahren beobachtet. Bei deutschen Mädchen lag das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der ersten Periode im Jahr 1860 bei 16,6 Jahren. 1920 war lag es bei 14,6 Jahren und dreißig Jahre später bei 13,1 Jahren. Im Jahr 1994 bekamen deutsche Mädchen durchschnittlich mit 12,2 Jahren die erste Regelblutung.
Doch auch Jungen werden immer früher geschlechtsreif: 1980 hatten die meisten mit 14,2 Jahren ihren ersten Samenerguss. 1994 war es mit 12,2 Jahren. Und der Geschlechter-Unterschied wird immer geringer. Meist liegen nur noch wenige Monate zwischen der Geschlechtsreife von Jungen und Mädchen.
Eine rasante Entwicklung, wenn man die Studienergebnisse der aktuellen US-Studie vergleicht. Über die Gründe dieser Entwicklung liefert die Studie jedoch keine schlüssigen Aussagen. Diese seien noch nicht ausreichend erforscht und seien auch nicht Gegenstand der vorliegenden Studie gewesen, so die Wissenschaftler. Eine Erklärung für die kontinuierliche Entwicklung hin zur früheren Pubertät ist die verbesserte Ernährungslage und der immer bessere Gesundheitszustand der Bevölkerung. Dadurch "gedeihen" Kinder besser und kommen deshalb früher in die Pubertät. Doch warum diese Entwicklung plötzlich so an Fahrt zunimmt, muss erst noch untersucht werden. Womöglich liegt es an veränderten Ernährungsgewohnheiten oder eventuell auch an Umweltgiften wie Weichmachern in Nahrung und Kleidung.
Und was bedeutet das für die betroffenen Mädchen? Für viele stellt das eine große Belastung dar, so die Forscher. Zudem bedeutet das frühe Einsetzen der Pubertät auch ein erhöhtes Krebsrisiko im Erwachsenenalter. Auch psychische Probleme, die in Essstörungen oder geringem Selbstwertgefühl münden, könnten mögliche Folgen sein. Ein weiteres Problem: Wenn Mädchen früher in die Pubertät kommen, werden sie auch früher sexuell aktiv und sind somit einem hohen Risiko von Teenagerschwangerschaften ausgesetzt.