Er Brite, sie Deutsche? Solche Paar-Konstellationen sind in Zeiten von Mobilität und Flexibilität mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr und sicherlich noch die einfachste Kombination binationaler Paare. Klar, trotzdem haben diese Paare dieselben Probleme wie alle anderen - und meistens noch einige mehr.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Daniela (35) und Joao (38) trafen sich am Strand von Ipanema. "Ich war zu einem Kongress in Brasilien", erinnert sich die Architektin. "Wir kamen ins Gespräch und er zeigte mir die Stadt." Sie war fasziniert von dem gut aussehenden Arzt und flog schon wenige Wochen später erneut nach Rio, um ihn wiederzusehen. Bereits sechs Monate später wurde geheiratet. "Wir wollten zusammenleben", sagt Daniela. "Eine andere Chance als die Heirat hatten wir nicht." So geht es vielen Paaren, bei denen einer von beiden nicht aus einem EU-Land stammt. Die bürokratischen Hürden machen es ihnen unmöglich, erst einmal "auf Probe" zusammenzuleben. Bei Daniela und Joao dauerte es nach der Heirat fast ein Jahr, bis das Visum erteilt wurde und Joao einreisen durfte. Wie viele andere Paare, heirateten sie im Ausland, denn das ist meist unkomplizierter als in Deutschland. Doch auch dann folgt die mühsame Prozedur der Familienzusammenführung. Dazu müssen zahllose Papiere besorgt, übersetzt, beglaubigt und geprüft werden. Generell wird zunächst jedes Paar der Scheinehe verdächtigt. Nicht selten müssen deswegen erst einmal Anwälte eingeschaltet werden. Eine Belastung, die nicht leicht für eine junge Liebe zu tragen ist. "Verheiratet und doch tausende von Kilometern getrennt zu sein, das war hart", erinnert sich Daniela. "Dazu die quälende Ungewissheit, ob und wann es endlich klappt mit der Einreise."
Das Umfeld sät Zweifel
Zu den bürokratischen Hindernissen kommen die Vorbehalte aus dem Familien- und Freundeskreis: Carla (38) ist bereits seit fünf Jahren glücklich mit Jean-Baptiste (34) liiert, der von der Karibikinsel Martinique stammt. Weil er französischer Staatsbürger ist, blieb dem Paar zwar eine überstürzte Heirat und der Behörden-Marathon erspart, doch aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe musste Carla sich so manche Geschmacklosigkeit anhören. "Selbst mein Chef sprach mich darauf an, ob die Schwarzen wirklich so gut bestückt seien", erzählt die Event-Managerin angewidert. "Und weil er ein paar Jahre jünger war, meinten alle, mich warnen zu müssen, dass so etwas niemals gut gehen könnte." Doch allen Unkenrufen zum Trotz meistern beide ihren Alltag trotz aller Schwierigkeiten bis heute erfolgreich. Es gibt viele Dinge, die es einem binationalen Paar schwer machen: Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, oder ein ausländisch klingender Name reichen oft aus, um einem Paar die Wohnungs-, oder Arbeitssuche und den gesamten gemeinsamen Alltag zu erschweren. Besonders gegenüber Muslimen sind die Vorbehalte groß. "Man erlebt den alltäglichen Rassismus hautnah", sagt Sven (38). Seine Frau Neneh (34) stammt aus Liberia und ist eigentlich Lehrerin. Doch ihre Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt. "Neneh leidet darunter, dass sie komplett von mir abhängig ist", sagt Sven. Ein Problem, das viele Paare teilen. Der Ingenieur aus Syrien, die Ärztin aus Malaysia – viele gut ausgebildete Fachkräfte jobben hier im Niedriglohnsektor. Ein Umgang auf Augenhöhe ist deshalb selbst einem Akademiker nicht mehr möglich. Das drückt auf das Selbstwertgefühl und das Heimweh wird dadurch oft noch quälender. Heimweh kennt auch Mario (44) aus Tirol, der der Liebe wegen nach Bremen zog. Der Österreicher hatte weder Sprach- noch Integrationsprobleme. "Doch mit drei Kindern schnell mal eben nach Tirol zu den Großeltern, das ist jedes Mal ein Kostenfaktor. Meine Frau meckert zudem, dass sie gern mal wieder woanders in den Urlaub möchte." Dabei hat er noch Glück. Nicht immer sind es "nur" eintausend Kilometer.
Wandler zwischen den Welten
So wie bei Neneh, die sich nicht mal eben ins Auto setzen und ihre Familie besuchen kann. Einzige Möglichkeit: Sie telefoniert so oft wie möglich mit ihrer Familie. Aber auch Telefonate nach Liberia sind teuer. Zudem belasten die ständigen Forderungen der Familie nach Geld ihre Beziehung. "In Afrika ist es selbstverständlich, dass man die ganze Familie unterstützt und zum Beispiel das Schulgeld für die Kinder des Bruders zahlt", erklärt Neneh. Einzelkind Sven hatte dafür anfangs wenig Verständnis. Es dauerte eine Weile, bis das Paar eine für beide Seiten zufriedenstellende Regelung gefunden hatte. Doch so mannigfaltig die Probleme sein mögen: Binationale Partnerschaften haben ebenso viele Vorteile. Die Partner bekommen Einblicke in eine andere Kultur und erweitern ihren Blick auf die Welt. Damit tragen sie zum besseren Verständnis und mehr Toleranz bei. Auch die Kinder aus solchen Beziehungen profitieren: Sie können das jeweils beste aus beiden Kulturen ziehen und sich ganz selbstverständlich zwischen zwei Kulturen bewegen. Ein Vorteil auf den sicherlich zahlreiche andere Kinder neidisch sein werden.
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