Klar, schadet Selbstbewusstsein beim Flirt nicht. Doch wer zu sehr von sich überzeugt ist, wirkt nicht selten arrogant. Flirtkiller Nummer 1.
Wer mit großen Vorsätzen à la „Heute Abend gebe ich flirttechnisch richtig Gas!“ unterwegs ist, steht sich unbewusst oft selbst im Weg. Man macht nämlich dadurch auch negative Eindrücke auf die jeweilige Zielgruppe.
Wir alle kennen typische Hollywood-Streifen, in denen die hohe Kunst des professionellen Flirts zu sehen ist; mal aus Sicht von selbstbewussten Frauen (etwa „Sex and the City“ mit Sarah Jessica Parker), mal aus der Perspektive von Männern mit Macho-Eigenschaften (zum Beispiel „Alfie“ mit Jude Law). In der Regel läuft der Flirt reibungslos ab, zumindest wenn es darum geht, das jeweils andere Geschlecht zu begeistern.
Doch so einfach, wie es uns im Kino gezeigt wird, ist es natürlich nicht. Sicherlich ist ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein förderlich, wenn man auf andere einen guten Eindruck machen will. Man wirkt authentisch und „geerdet“. Verwischt zwischen Selbstbewusstsein und Übermut jedoch die Grenze, so kann das Ganze doch sehr schnell kippen. Wer übermütig ist, wirkt nicht selten auch arrogant – und das ist dem Flirt bestimmt nicht zuträglich.
Denn in der Regel ist ein Flirt eine wechselseitige, partnerschaftliche Kommunikation, ein „Tanz“. Mal führt der eine Partner, dann der andere. Auf Dauer die Initiative ergreifen, den dominanten Part spielen wollen – dadurch schießt man sich ein Eigentor.
Dummerweise ist nach meiner Einschätzung vielen Menschen nicht bewusst, wie es um ihre Außenwirkung bestellt ist. Denn auch beim Flirt greift unser Gehirn, für uns unbewusst, auf Denk- und Verhaltensweisen zurück, die schon relativ früh ausgeprägt wurden; und die haben natürlich immer etwas mit dem eigenen Charakter zu tun.
Die Betonung liegt auf unbewusst. Das heißt, selbst die größten Narzissten und Aufschneider, die viel zu viel auf den Putz hauen, meinen von sich selbst, sie seien „normal“. Kommt es dann aufgrund von Übermut zu Misserfolgen auf dem Partnermarkt, so sind daran „selbstverständlich die Anderen“ daran schuld. Der Grund dafür: Wir schützen automatisch unser Selbstbild – was wahrscheinlich einem evolutionärem Mechanismus entspricht. Dieser Mechanismus, der auch in der Sozialpsychologie „selbstwertdienliche Wahrnehmungsverzerrung“ genannt wird, ist Fluch und Segen zugleich. Segen deshalb, weil er Misserfolge beim Flirt aus Sicht des Betreffenden relativiert – und so das Selbstwertgefühl einigermaßen schützt -, Fluch, weil dadurch ein „stacheliges“ Auftreten nicht bemerkt, sondern gerechtfertigt wird („Ich bin halt so, Ende!“); weshalb es zu keiner Änderung, sondern zur Zementierung von Misserfolgen kommt.
Hieraus folgt, dass man prinzipiell seine Außenwirkung im Auge behalten sollte. Wegen der universellen „subjektiven Schönfärberei“ bietet sich an, dass soziale Umfeld in Hinsicht auf seine Außenwirkung zu befragen, es kennt uns meistens besser als wir uns selbst.