Einfache Formel: Je philosophischer die Lebenseinstellung, desto gelassener und glücklicher ist man.
Der Flirt gehört zu den kleinen Glücksmomenten im Alltag. Leider vergessen wir das oft und lassen viele Chancen ungenutzt an uns vorüberziehen. So als ob wir ewig Zeit hätten. Haben wir aber nicht.
Vor einigen Tagen las ich mal wieder was richtig Skurriles – aus dem wahren Leben gegriffen. Und das schreibt bekanntlich die besten (nicht immer schönsten) Geschichten. Da war ein Jogger – gerade in seiner gleichnamigen Beschäftigung vertieft. Trabte über ein freies Feld. Er hatte Kopfhörer auf und hörte laut Musik. Wahrscheinlich zu laut. So konnte er nicht hören, was von hinten kam, nämlich ein Flugzeug(!) im ungeplanten Sinkflug. Der Pilot hatte technische und optische Probleme. Tja, und wie es der Zufall so will, wurde der Jogger von dem Flieger erfasst und – getötet… Von einem abstürzenden Flugzeug getötet…
Solche fast schon unglaublichen Fälle kommen (weltweit betrachtet) öfter vor, als man vielleicht denkt. Vor ein paar Monaten konnte man Ähnliches der Tagespresse entnehmen. Ein Selbstmörder sprang in einer Großstadt aus dem 20. Stock in die Tiefe – und erschlug dabei einen Fußgänger, der wahrscheinlich gerade an den nächsten Einkauf oder so dachte. Wie hoch (oder gering) ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert?
Auf was will ich hinaus? Dass der Tod, unerfreulich und unvermeidlich, wie er ist, gehört halt doch zum Leben dazu. Auch wenn er in unserer Kultur tabuisiert ist. Lediglich in Grenzsituationen (Unfall, Krankheit oder Ähnliches) wird uns unsere begrenzte Lebenszeit bewusst. Ansonsten eher nicht. Aber das hat wahrscheinlich evolutionäre Gründe. Man stelle sich mal eine entsprechend schwermütige, weil jederzeit todes-bewusste Menschheit vor, und die Individuen würden jeden Tag ihrer Depression ob ihrer Endlichkeit frönen. Fortpflanzung und Überleben wären quasi passé. Daher wahrscheinlich unsere vorauseilende Tendenz, den Tod im Alltag "auszublenden".
Doch es geht auch anders. Es hat sogar was für sich, ja, es kann "glücklich" machen, wenn man sich öfter mal seine "ablaufende Lebensuhr" bewusst macht. Wilhelm Schmid, der bekannte Philosoph, spricht vom sogenannten Glück der Fülle. Es besteht aus der bewussten Wahrnehmung der positiven und negativen Seiten des Daseins. Beides ist relativ und endlich. Jeder schöne Moment geht naturgemäß vorbei, jeder schlechte aber auch. Das Leben ist ein Auf und Ab.
Das Glück der Fülle besteht nun darin, dass man beide Seiten im Hinterkopf behält. Eine Auffassung à la Das-Leben-ist-sowohl-schön-als-auch-grausam kommt uns dann und wann schon in den Sinn. Nur viel zu selten. Wäre es anders, würden die vielen kleinen Alltagsnichtigkeiten, die uns nerven, plötzlich selbst nichtig werden. Wir wären gelassener und offener, und zwar offener für die kleinen Glücksmomente.
Der Flirt gehört zu diesen Momenten, und daher lässt sich leicht die Formel aufstellen: Je philosophischer die Lebenseinstellung, desto gelassener und glücklicher ist man. Hieraus folgt außerdem: Nehmen Sie sich selbst und Ihr Leben nicht zu ernst, fokussieren Sie die vermeintlich kleinen Dinge im Alltag.