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Trennungsgrund Magersucht
Trennungsgrund Magersucht (Kategorie: Trennungsblog)
Zu dünn für die Liebe? Ja. Denn die Krankheit zehrt auch an der Seele des Partners.

Ich wünschte, ich hätte für diesen Beitrag lange recherchieren müssen. Ja, es wäre schön. Hätte ich da nicht diesen großen Fundus an Erfahrungen mit der Zivilisationskrankheit unserer Zeit. Ausnahmsweise muss ich diesen Eintrag einmal aus rein männlicher Perspektive schreiben. Aus meiner. Distanz zum Thema ist mir kaum möglich.

Es ist unheimlich, eine Frau zu lieben, die selbst zerstörerisch ist. Das Kotzen nach dem romantischen Candlelight Dinner, das Ausweichen, wenn es darum geht, sie zum Essen einzuladen, die Kreislaufzusammenbrüche, der leere Kühlschrank, der riesige Vorrat an Pfefferminzbonbons (ohne Zucker), das Raumspray im Bad, das Brechmittel und die Dutzenden von leeren Päckchen Zigaretten, die (ungestört durch Verpackungen von Lebensmitteln) sich im Mülleimer stapeln. Die Zeichen werden einem merkwürdig vertraut. Am Anfang ignoriert man sie meistens, später dann negiert und letztlich einfach akzeptiert man diese Welt. Es geht einen nichts an. Wenn man helfen will, wird einem vorgeworfen, jemanden der gesund ist, krank zu machen. Schließlich fühlen sich diese Frauen von einem ungeliebt und damit wird man Teil des Problems.

Am Anfang ist das alles natürlich anders. Wenn man sie kennen lernt, entsprechen diese Mädels den Haut und Knochen-Schönheitsidealen der Werbung. Sie sehen in H&M Klamotten toll aus und sind begehrt. Sie feiern viel, lassen sich sehen und erwählen ihre Männer wie Märchenfeen. Gerade weil man selbst nur als Modell für eine Abschreckungskampagne dienen könnte, ist man stolz darauf.
Aber das ist nur Show. Egal, wie sehr alle denken, dass Deine Freundin schön ist, sie fühlt sich ungewollt, ungeliebt, hässlich. Sie glaubt, weniger zu sein als alle anderen. Du kannst tun, was Du willst, sie wird dieses Gefühl nicht los, es sei denn, sie hungert, kotzt oder tut sich selbst weh. Das Universum deiner Freundin dreht sich um ihren Körper. Alles andere passiert nur. Es tut weh, das mit anzusehen. Und irgendwann, wenn sie den Schmerz in Deinen Augen sieht, wird sie Schluss machen, um ungestört weiter machen zu können. Wahrscheinlicher ist es, dass sie einen vorher vergrault. Denn Magersucht hat man nicht. Magersucht lebt man.
Was kann man tun? Es ist eigentlich wie mit jeder anderen Sucht. Solange der Betroffene keine Hilfe will, kann man nichts tun. Wenn man Glück hat, fehlt der Freundin etwas, das man ihr geben kann. Oft wird man nur mitgerissen in einen Sog aus verzerrter Wahrnehmung und falschen Idealen. Es ist gesund, auszusteigen. Es ist klüger, nicht zu lange im Strudel zu bleiben. Und die Begleiterscheinungen von Magersucht haben bald schon einen negativen Einfluss auf andere Teile der Beziehung.
Man fühlt sich feige, wenn man dieses sinkende Schiff verlässt. Aber nachdem man es probiert und probiert hat, lässt einem das Schiff keine andere Wahl. Man rettet sich selbst und bekommt noch Vorwürfe. Ist man dann erst auf Distanz, entwickelt man Mitleid, das niemand haben will. Irgendwann hört man dann traurige Geschichten von gemeinsamen Freunden.

In Deutschland leiden fast (laut BzGA) 820.000 Menschen an Anorexa nervosa (wie die Wissenschaft Magersucht nennt). Die meisten sind zwischen 14 und 28 Jahren. Die Zahlen haben sich in zehn Jahren fast verdoppelt. In diesen zehn Jahren habe ich meine Erfahrungen mit Frauen gemacht. Von vier magersüchtigen Freundinnen die ich hatte, sind zwei heute geheilt, eine immer noch krank und eine ist tot.


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13 Antworten zu “Trennungsgrund Magersucht”

  • Linda sagt:

    Ich habe eine Schwester, die selbstzerstörerisch ist. Nach außen wird großer Wert auf gesunde Ernährung gelegt. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Lange wurde das Problem verdrängt, z.B. mit der Entschuldigung ‘Hormonstörungen’.
    Bei Frauen, die unter dieser Krankheit leiden, sind tiefe Selbstzweifel und Depressionen vorhanden, oft mit selbstzerstörerischen Handlungen wie dem Schlitzen der Haut, u.s.w. verbunden. Ein Zugang ist schwierig, da jede Hilfeleistung abgelehnt wird. Ich wünsche mir, daß unsere moderne Gesellschaft beginnt, den Einzelnen als besonders zu sehen und zu unterstützen. Leider beginnt die Kritik in sehr jungen Lebensjahren, die Selbstbewußtsein und ein harmonisches Innenleben zerstört. Es könnte soviel für die Menschen getan werden, würde man den Einzelnen von Kindesbeinen an bestärken und die Begabungen, die jeder hat, fördern. Jedes Kind und jeder Erwachsene soll erleben dürfen, als ‘liebenswert’ anerkannt zu sein. Anstatt bewußt zu leben, erleben die Menschen heutzutage eine Kunstwelt, verzerrt durch die Medien, unter Verlust der Individualität und Menschlichkeit.

  • Steffan sagt:

    Bis vor Kurzem hielt ich das Thema Magersucht nur für eine Modeerscheinung, durch die die Frauen animiert werden einem Schönheitsideal zu folgen. Sicherlich ist da etwas dran, eher symptomatisch betrachtet. Aber im Grunde geht es um viel mehr. Meine Erfahrung mit einer früheren Freundin hat mir die Augen geöffnet. Man ist machtlos gegen diese negative Kraft der Selbstzweifel und Gefühle der Wertlosigkeit. Ich glaubte, dass Anerkennung und Liebe das beste Mittel dagegen ist. Dieses hat nicht gereicht. Es kam mir so vor, dass sie in jedem meiner Worte, Gesten und Atemzüge eine negative Botschaft wahrnahm, die sie in ihrem Gefühl der Minderwertgkeit bestätigte und zu heftigen Wutausbrüchen führte. Daran bin ich schlichtweg verzweifelt. Ich glaube, dass diesen Menschen eine Art Urvertrauen fehlt, dass sie stabil in sich ruhen läßt.

  • Marten sagt:

    Herausstehende Gelenke, tiefe Talbuchten am Schlüßelbein… dies sind in meinen Augen schon Warnsignale auf die ich mich nicht nochmal einlassen würde. Doch wie schwer es ist mit einem solchen Menschen zu leben, musste ich während meiner Studienzeit erfahren. Die Probleme übertragen sich auf jeden Menschen der den Alltag mit einer solchen Person teilt. Und auch wenn man sich im Allgemeinen über äußere Merkmale einer solchen Beziehung beschwert, ist der Kern ein anderer. Ein jedes Wort und jeder Satz der gesagt, beziehe er sich auf Gott und die Welt, wird genutzt, um sie gegen sich selbst zu richten. Man wird zum Täter obwohl man nur Nähe und Verständnis anbietet. Eine faire Beziehung ist unmöglich. Diese endet zwangsläufig in einem Machtkampf in dem einer der beiden Egos zerstört werden soll. Ein ideales Schlachtfeld übrigens für Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen und verkappten Machtfantasien. Nie wird es einfacher sein einen Menschen so schnell in Abhängigkeit zu bringen. Das war allerdings nun nie mein Traum von einer Beziehung… . Und so überlasse ich dieses Feld doch lieber Anderen.

  • Paul sagt:

    Warum bin ich bis zur völligen Selbstzerstörung auf eine magersüchtige Frau abgefahren? Warum war ich bereit, für einen Menschen zu töten und zu sterben, der sich für vollkommen wertlos hält?
    Wie konnte ich meine gesamte Existenz ruinieren beim Versuch, ihr ALLES zu geben? Das bei ihr trotzdem als GAR NICHTS ankam?
    Wieso wollte ich für einen einzelnen, unerlösbaren Menschen Jesus sein? Mit all seinen Martyrien?
    Ich glaube, ich hatte mir einfach nicht rechtzeitig abgewöhnt, was mir als Kind vertraut geworden war.
    Jetzt beschäftigen sich ganz andere Frauen mit mir: solche mit einem starken Selbstbewusstsein, einem großen Herz und einem festen Busen…

  • Birgit sagt:

    Klasse, Paul. Dein Kommentar gefällt mir. Wir haben eine magersüchtige Kollegin im Betrieb, die Frauen wie mich, 172 cm, 60 Kg, als fett bezeichnet und sehr abfällig über "C-Körpchen" redet. Sie hat mittlerweile keinen Busen mehr…Aber ich weiß ja, was Männern an mir gefällt!

  • simpel sagt:

    die welt ist rund, nicht flach.

  • lia sagt:

    Hast du dir mal die Frage gestellt, wieso du Partnerinnen wähltest, die sich selbst nicht lieben können? Die Frage stell ich mir grad, bin in der gleichen Situation:(

  • John sagt:

    Lia, damit sprichst du den Kern an. Die, die an Magersucht erkrankt sind bzw. leiden, haben ein unglaubliches/unstillbares Bedürfniss nach Liebe. Sie lieben sich nicht selbst und hoffen über andere dieses Bedürfniss zu befriedigen. Ein unmögliches Unterfangen, da damit die "Forderung" verbunden ist, dass sich alles um sie dreht. Sobald keine Erfüllung eintritt, gibt es Ärger und die Trennung. Das erklärt die Bindungsangst und kurze Liebschaften.

  • friesin sagt:

    Als ehemalige betroffene (erkrankt mit 13 jahren, geheilt mit 14, 33 kg bei 1,66 m damals) kann ich leider nur sagen : das gewicht wird wieder normal, aber die gedanken nicht. jetzt bin ich 44, wiege 63 kg bei 1,78 m und fühle mich fett. wenn mein mann mich nicht dauernd füttern würde (was mich nervt), wäre ich sicherlich noch dünner. aber ich esse gern und habe noch nie gekotzt. leider muss ich mit ansehen, wie meine schwester seit 3 monaten nur "8 kilo abnehmen" wollte und jetzt größe zero hat. sie war auch schon mal mit 18 krank. als wir jung und mager waren, wurden wir von allen geliebt, kein gramm fett, nur muskeln. alt und fett will uns keiner. wir kaufen unsere klamotten bei h&m , orsay oder new yorker und freuen uns, wenn uns die schön passen.
    ich habe es lange nicht verstanden, aber jetzt ist auch mein 72 jähriger vater betroffen, alt und einsam. es ist wohl erblich. sein kommentar: "dann haben es die sargträger einfacher". wie sollen wir da normal werden? warum akzeptiert ihr uns nicht, wie wir sind, wir wollen auch leben ?
    klar, wenn es um leben und tod geht, ist das nicht mehr so witzig. wir rauchen jetzt alle nicht mehr, seitdem ist unser gewicht normal, BMI 19,4. mit größe 40 kann ich nicht leben, warum muss ich? ach ja, mein hobby ist kochen – und essen. das können auch schlanke oder "dünne". als erstes müsst ihr die betroffenen mit ihrem wunsch nach dünnsein akzeptieren, sonst führen die ein doppelleben und finden nicht zu euch.

  • John sagt:

    Liebe Friesin,
    deine Bedingung, dass man dein Dünnsein akzeptieren muss, ist nur die eine Seite. Die andere ist, dass du mit deinem Partner offen damit umgehst und darüber sprichst. Über das, was du dabei fühlst. Unfair ist es, ihn im Unklaren zu lassen und ihn in einer Erwartungshaltung, dass er schon wissen muss….., zurück läßt.
    Ich kann verstehen, dass das sehr viel Vertrauen bedeutetet, aber die Gitter durch die Du durchzuschlüpfen gedenkst, müssen beim Namen genannt werden.
    Meine Ex lebt auch in dieser ständigen Spannung. Ich habe es nicht verstanden und die daraus folgenden Steitigkeiten nahmen an Heftigkeit zu. Bis zum Ende der Liebe und Beziehung.

  • Susanne sagt:

    Ich habe seit fast 34 Jahren Anorexie, habe Therapien gemacht, viele Jahre mit der Krankheit leben können, arbeiten, habe geheiratet, versucht, normal zu sein. Aber Kindheitserlebnisse machen ein normales Leben unmöglich, im Moment ist es entsetzlich.

  • Bino sagt:

    Hallo ich habe auch so eine schreckliche Zeit hinter mir, wo sich der Streit auch nur noch um das Essen gedreht hat. Ich habe meine Freundin vor ca 9 Wochen in die Klinik gebracht. Nun ist die Kontaktsperre endlich aufgehoben und sie will mich aber nicht sehen, hören usw…. Da wir schon seit 9 Jahren zusammen sind und auch schon zusammenwohnen und leben, kann ich das gar nicht verstehen!
    Ich habe ihr wirklich versucht jeden Wunsch von den Augen abzulesen und alles zu erfüllen, was möglich war! Was kann ich nur tun, um überhaupt noch eine Chance bei Ihr zu erhalten oder soll ich die Flinte ins Korn werfen, weil man hier ja wirklich keine guten Aussichten zu lesen bekommt? Sie meinte, sie brauche jetzt noch Zeit und Abstand und dass sie mich nicht sehen will. Ich weiß leider nicht mehr weiter. Könnt ihr mir irgendwie helfen oder Tipps geben??
    Im Voraus schon mal Danke! MfG

  • Bino sagt:

    Wollte euch nur den Ausgang erzählen
    Ende Feb. musste Sie in die Therapie. Nachdem Ihre Mutter zum Gespräch dort war, hörte ich gar nichts mehr! Nicht mal zu meinem Geb. Leider hat Sie dann nach 8 Wochen abgebrochen. Sie machte auch dann gleich Schluss und holte am WE ihre ganzen Sachen ab?? Da ich nun viel darüber gelesen habe, tippe ich auf ein gestörtes Mutter-Tochterverhältnis, da ihre Mutter nach der Scheidung vor 27 Jahren sich nie nach einen neuen Partner umgeschaut hatte und immer bei der Tochter geklammert hat. Sie ist 28 geworden und hatte deswegen auch Schuldgefühle, klammert aber auch an der Mutter und ist fast jeden Tag zu ihr gefahren. Die beiden führen eine Partnerschaft und ich bin nebenbei mitgelaufen. Es ist Juli und ich habe seit Anfang Mai nichts mehr von ihr gehört, obwohl wir so lange Zeit zusammen waren!! Ich Liebe sie noch sehr mit dem Herzen, aber mein Kopf sagt mir gegen die Mutter einen aussichtslosen Kampf zu führen, ist Schwachsinn, da sie wegen ihr schon 2x mal Schluss gemacht hatte. Und nun das 3. Mal. Ich würde ihr so gerne helfen, da sie irgendwann, wenn es wieder Probleme oder Stress gibt, warscheinlich einen Rückfall bekommt. Ich weiß nicht mehr weiter?! Vergessen kann ich Sie nach so langer Zeit nicht, sie ist ein Teil meines Lebens. Die Mutter wird immer gegen mich sein, da ich ihr ihre Tochter ja eh immer nur wegnehmen würde. KA wie es bei ihr in Sachen Gefühle ausschaut. Sie ist wie neu programmiert nach der Therapie: Eiskalt und abgestumpft mir gegenüber o. ist das nur die Selbstschutzmauer? Macht Sie sich was vor? In der Gruppentherapie sagte sie, dass wir heiraten und Kinder haben wollen!!! Wie kann es sein, dass das nach einem Mutter-Tochter-Gespräch von 2 Std. in der Therapie kaputt ist? Hat man da überhaupt eine Wahl oder Chance irgendwas zu machen? Ich weis echt nicht mehr, was ich machen soll?!
    Warten, ob sie es rafft oder einfach die lange Zeit abhaken??
    Gruss Bino