Manchmal ist die Freiheit einfach mehr wert, als nur das schlichte, völlig überentwickelte Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.
Im Laufe der Zeit habe ich hier viele Gründe diskutiert warum Paare sich trennen. Einen der wichtigsten habe ich dabei immer außen vor gelassen. Vielleicht, weil ich selbst mich manchmal schuldig gemacht habe, Beziehungen aus diesem Grunde „zu opfern“.
Die eigene Karriere.
Alles im Leben hat seinen Preis. Ganz besonders Liebe, Partnerschaft und Zuneigung. Aber während die meisten Menschen willig bereit sind Freiheiten, Privatsphäre und Entscheidungsfreiheit aufzugeben, um dafür mit dem Menschen zu sein, den sie lieben und schätzen – um folglich auch nicht mehr allein sein zu müssen in dieser großen, nicht immer freundlichen Welt - ist der Preis für andere zu hoch.
Manchmal ist die Freiheit halt einfach mehr wert, als nur das schlichte, völlig überentwickelte Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, dass unsere Gesellschaft uns so fleißig antrainiert. Manchmal ist Freiheit notwendiges Handelsgut. Zum Beispiel im Berufsleben.
Eines Tages kriegt man den neuen Job im St. Petersburg. Beförderung. Ausland. Deine Freundin hat witzigerweise in den letzten Tagen den Gedanken an Häuserkauf zur Sprache gebracht. Oder die Jobsuche läuft nicht gut. Medien. Schwieriges Gebiet. Berlin und Köln wären vielleicht besser, aber dein Freund lebt nun mal halt in Wuppertal. Hat da einen guten Beruf, Familie und Freunde. Was soll man da tun? Bleibt man, wird man es dem Partner immer irgendwie vorwerfen, geht man, kann man das Ergebnis in meinem alten Fernbeziehungsartikel nachlesen.
Aber es kann auch noch schlimmer kommen. Manchmal kommen zwei Menschen auf Augenhöhe zusammen und dann verändern sich die Gegebenheiten. Gerade bei den Menschen, die andere und sich selbst über Status, Geld und Prestige definieren ist dies nicht selten der Fall. Die kleine, süße Freundin, die plötzlich das Geld nach Hause bringt, kann aus der harmonischen Beziehung ein ganz neues Ding machen. Der Freund, der sich fürs Geld und gegen die Ideale entscheidet, die man selbst eigentlich als Ausrede für den andauernden beruflichen Misserfolg verwendete. So was tut weh. Und Untreue. Man kennt das, gerade als Mann. Der Anzug, die Spesenkonten und die Autorität, die einem ein Beruf gibt, eröffnen einem plötzlich neue Wege. Gerade bei Frauen. Weniger gefestigte Kerle können damit nicht so ohne weiteres leben, wenn ihre Beziehung sie zwingt auf diesen neuen Spielplatz zu verzichten.
Und manche Karriere macht aus Menschen Schweine. Es gibt Berufe, die verlangen das. Es gibt Berufe, die sind so gefüllt mit charakterschwachen Leuten, dass man es sich einfach abguckt.
Karrieren sind Beziehungskiller der verständlichen Art. Karriere und Beziehung sind die beiden Ziele der modernen Gesellschaft, die allgemein als Weg zum Endziel Glück gelten. Solange sie harmonieren ist alles gut. Wenn nicht, sind Menschen in unserer heutigen Zeit einfach schneller zu ersetzen.
Wer würde sich nicht wünschen, es wäre anders. Aber wer kann das schon ändern.