Klar geht es beim Online-Dating um kommunikative Stärken. Aber was hat das mit dem richtigen Handytarif zu tun? Vom gnadenlosen Hardware-Check der Singles.
Die Partnersuche im Internet gleicht einem Besuch im Elektronikfachmarkt: Angebot und Nachfrage regeln den Singlemarkt. Wer zu verzweifelt wirkt, landet schnell auf dem Wühltisch: Zu billig, zu leicht zu haben, zu oft schon von anderen angetestet und dann doch wieder achtlos fallen gelassen worden. Die technischen Daten eines Singles verraten schnell, wie hoch sein Marktwert ist – die Systemvoraussetzungen müssen stimmen. Dass der fremde Stecker auch wirklich in die eigene Buchse passt, wird dabei an ziemlich eigenwilligen Kriterien festgemacht. Der folgende Vergleich liegt wortwörtlich auf der Hand: Wir wollen ja schließlich auch ein Smartphone der neuesten Generation und kein Handy-Auslaufmodell im Bratpfannenformat, das nicht mal E-Mail kann. Da braucht so mancher Single ohne es zu wissen ein Update für die Liebe 2.0. Ein sehr anschauliches Beispiel in meinem eigenen Freundeskreis lieferte neulich Tiffy mit einem gar sonderlichen Abcheck-Manöver.
Sie erzählte mir von einem tollen Typen, der sie schon vor einiger Zeit angeschrieben hatte. Der Humor passte offensichtlich. „Er spricht fließend Sarkastisch“, freute sie sich nach dem ersten Telefonat. Trotz der offensichtlichen Kommunikationsstärke entdeckte Tiffy jedoch ein folgenschweres Kompatibilitätsdefizit. „Er hat keinen Festnetzanschluss. Und nicht mal eine Handy-Flatrate…“, sinnierte Tiffy. „Würde er nicht brauchen, sagt er. Aber wie soll man da in Ruhe ohne Zeitdruck telefonieren? Schwierig, das passt doch nicht.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte sie den Mann noch nicht einmal persönlich getroffen – und dennoch hatte ein falscher Handytarif diesen humorvollen Wenigtelefonierer zum Wackelkandidaten in Sachen Liebe gemacht.
Interessant, aber exemplarisch dafür, wie Online-Dating heute oft funktioniert: Da werden erstmal die technischen Parameter gecheckt, bevor die Software überhaupt in Augenschein genommen wird. Ich konnte Tiffy sogar ein bisschen verstehen. Heute schauen wir eben erst einmal, ob die Systemvoraussetzungen passen, bevor wir das Innenleben eines optisch heißen Geräts studieren. In Hamburg kann schon entscheidend sein, ob das Date auf der richtigen Seite der Alster wohnt. Oder ob die Automarke nicht irgendwelche komischen Assoziationen weckt. Oder eben ob man demselben Telekommunikationsunternehmen vertraut. Die gute Nachricht ist: Es gibt Handy-Tarife, die sich jederzeit individuell anpassen lassen. Kluger Schachzug, denn nicht der Mann muss sich Ihrem Mobilfunkvertrag unterordnen – es sollte eigentlich andersherum sein. Doch viele Singles, die lange Zeit alleine leben, wollen ein attraktives Gesamtpaket, das sich dank der neuesten Software-Updates perfekt in das eigene Leben einfügt. Man kann doch auch sonst beim Interneteinkauf zwischen Light-, Fun- oder Complete-Package wählen. Ansprüche, die mit dem perfekten Handytarif anfangen – und längst nicht damit aufhören, dass der Liebste doch gefälligst auf die richtigen Lebensziele und Werte programmiert sein sollte.
Nur: Gute Gespräche haben eben nichts mit dem passenden Handytarif zu tun. Herzensbildung lässt sich nicht per Option dazubestellen, wie es uns beliebt. Es gibt kein Häkchen „Garantieanspruch auf 5 Jahre verlängern“. Wir können uns vieles kaufen, aber wir sollten uns nicht alles leisten. Letzteres gilt zum Beispiel dem völlig überzogenen Anspruch an unsere potenziellen Partner. Uns sollte klar sein: Unser durchstrukturiertes und selbstbestimmtes Singleleben mag einem binären System ähneln. Eine relativ unflexible Anwendung, die spätestens dann abschmiert, wenn wir in den Pärchenmodus wechseln wollen – und das ist auch gut so. Liebe ist kein Softwareprogramm! Liebe ist Chaos, Anarchie. Und unbezahlbar!
Ihr Fräulein Wunder