Die meisten Singles sagen von sich, sie seien schüchtern und würden sich wünschen, der Andere würde den ersten Schritt wagen. Eine Strategie, die nur aufgeht, wenn alle anderen über ihren Schatten springen. Ein Plädoyer für mehr Mut.
Wer eine neue Partnerschaft sucht, muss Mut aufbringen: Sich auf einen neuen Mann einzulassen bedeutet, offen sein für neue, fremde Erfahrungen, für neue Konflikte, neue Revierkämpfe und neue Kompromisse. Neu bedeutet Veränderung, die bei jedem selbst beginnt. Einfacher wäre es, die Welt um uns herum würde sich nach unseren Wünschen hin ändern, aber das ist nun mal nicht so.
Wo Mut benötigt wird, stehen uns Ängste im Wege. Dies ist ebenso normal wie menschlich. Wer hat nicht bereits einen Flirt verpasst, weil man sich nicht traute den Blick zu halten, geschweige denn zurück zu lächeln? Wer verbarg seine Hoffnungen nicht schon einmal mit der Ausrede, dass der attraktive Mann am Ende des Tresens „schließlich die ganze Zeit einem anderen Typen hinterher gesehen hat“?
Auch im Internet verhindert die Furcht vor einer Zurückweisung oder einem Korb die Kontaktaufnahme, obwohl diese eigentlich ohne Hürde vonstatten gehen könnte und im Gegensatz zur Kneipen-Situation immer eine Sicherheit, ein kleinster gemeinsamer Nenner zwischen allen Anwesenden besteht: Alle sind Single und suchen eine Beziehung. – Auf die Ausnahmen kommen wir gleich zu sprechen! – Das lässt sich am Tresen nicht feststellen, ebenso wenig seine Interessen, sein Musikgeschmack oder ob man auf einer ähnlichen Wellenlänge liegt. Ein geringes Risiko, sollte man meinen, dennoch lassen sich viele Männer lieber suchen als finden.
„Ich schreibe grundsätzlich niemanden an“, beschreibt Michael aus Berlin seine Strategie. „Wenn mich hingegen jemand kontaktiert, weiß ich, dass er wirklich Interesse hat.“ Michael sieht die Überwindung, den ersten Schritt zu unternehmen, bereits als Signal von Verbindlichkeit. Wer diese Hürde nimmt, hat sich bereits qualifiziert – doch worin eigentlich genau? In Michaels Wahrnehmung ist der erste Schritt eine gewaltige Herausforderung, der sich nur ernsthaft Partnersuchende stellen. Das stimmt – jedoch nur für Menschen wie Michael. Wer die Erfahrung gemacht hat, dass Frechheit siegt und wer zuerst kommt, über die größte Auswahl verfügen kann, schmunzelt über solche vorgeblichen Liebesbeweise. Mancher lernt sogar, diese Mechanik zum eigenen Vorteil zu nutzen (und damit kommen wir zu den oben angesprochenen Ausnahmen). Stefan aus Münster geht so vor: „Ich suche mir ganz gezielt Männer aus, die in ihren Profilen abwartend klingen, denn diese sind ganz besonders dankbar dafür, wenn sie angeschrieben werden. Häufig schreiben diese ja auch: Suche nicht, lasse mich finden!“
Wenn es nicht am (fehlenden) Mut liegt, den ersten Schritt zu unternehmen oder einer (vorgeblichen) Suchstrategie, prallt gelegentlich auch einfach unterschiedliches Flirt-Tempo aufeinander. Der eine sucht zunächst den Überblick, bevor er sich für einen Kandidaten entscheidet, der andere reagiert spontan und sammelt Dates. Welcher Weg der individuell passende ist, kann nur jeder für sich entscheiden und keiner ist ganz falsch oder völlig richtig. Wer jedoch immer wartet, kann nur aussortieren. Und wer den ersten Schritt wagt, kann auswählen. Oder wie es in einem alten Song heißt: „Wenn du scharf bist , musst du rangehen!“ Also los, die Herren!
Diese Artikel können Sie auch interessieren:
>> Dating: Vorsicht vor diesen Dates
>> Ratgeber: Die eingetragene Lebenspartnerschaft
>> Regenbogenfamilien: Neue Lebenswirklichkeiten in der Community
>> Erstes Date: Sex mit unbekannter Variable
>> Erstes Date: So bitten Sie ihn um ein Date