Beschränken Sie sich auf das Wesentliche - Beleidigungen und Kränkungen sind kontraproduktiv.
Sie: "Jedesmal, wenn ich mich mit meinen Freunden verabrede, fällt dir in letzter Sekunde ein, dass du an dem Abend doch eine wichtige Besprechung im Büro hast und heute Abend nicht auf Laura aufpassen kannst."
Er: "Das ist nun mal in der Agentur so. Außerdem nimmst du auch nie Rücksicht, wenn ich am Wochenende zum Fußball will." Sie wieder: "Ach weißt du, du hast eh kaum mehr Zeit für uns, bist selten zuhause, an mir klebt alles: Kind, Haushalt und mein Job. Da finde ich es vermessen, wenn ich auch noch auf dein Gekicke am Wochenende Rücksicht nehmen soll." Er: "Wir hatten das schließlich so besprochen: Du kümmerst dich um die Familie und ich bringe das Geld nach Hause." Sie, den Tränen nahe: "So habe ich mir das aber nicht vorgestellt und außerdem merke ich doch, wie du dich emotional total zurückziehst. Du bist gar nicht mehr so zärtlich wie früher." Und so weiter und so fort. Die beiden schaukeln sich zunehmend hoch, er ist irgendwann genervt und verlässt sauer das Wohnzimmer und zieht sich lesend zurück. Sie unternimmt noch einige Versuche in seine Richtungen mit "Du, du, du". Aber das bringt keine Veränderung und der Abend ist hin, die Stimmung im Keller.
Wer kennt das nicht. Ein misslungenes Gespräch, ein Streit, der plötzlich entflammt. In diesem Fall werfen sich die beiden nur Vorwürfe an den Kopf. Dahinter liegt ein schwelender Konflikt, der schon länger lodert und nun kommen alte Enttäuschungen mit auf den Tisch. Hier werden nun munter Rabattmarken ausgeteilt. Wenn in der Transaktionsanalyse – eine psychologische Methode – von "Rabattmarken" bzw. "Rabattmarken-Sammeln" gesprochen wird, so bezeichnet man damit das Ansammeln negativer Gefühle in einer Reihe von Interaktionen mit einem Gegenüber, um sie später in einem "Racheakt" einzulösen.
So ärgert sich beispielsweise ein Partner im Gespräch über etwas, was der Gesprächspartner sagt oder wie dieser sich verhält, äußert dies aber nicht, sondern behält es für sich. Dieses Verhalten wiederholt sich nun einige Male, bis sich so viele negative Gefühle angesammelt haben, dass alles auf einmal ungefiltert auf den Tisch geknallt wird, selbst wenn die aktuelle Situation gar nicht so schlimm scheint. Der andere weiß natürlich nichts von den vielen gesammelten Rabattmarken, wundert sich bloß über die aus seiner Sicht überzogene Reaktion und ist nun seinerseits entsetzt und verärgert.
Auslöser für einen solchen Streit können alte Verletzungen oder nicht verbalisierte und aufgestaute Unzufriedenheit in der Beziehung sein. Im Konflikt entsteht ein Machtkampf. Findet man keine Lösung, verursacht das in der aktuellen Beziehung Stress und raubt auf Dauer Lebensenergie.
Was kann man besser machen? Wenn zwei sich streiten, sollte es nicht darum gehen, wer aus dem verbalen Schlagabtausch als Sieger hervorgeht, sondern darum, dass am Ende zu den wirklichen Ursachen vorgedrungen wird und beide Streitpartien das Gefühl haben, sich Gehör verschafft zu haben, verstanden worden zu sein und dass eine konstruktive Konfliktlösung gefunden wurde. Dabei helfen zunächst einmal ein paar Regeln der Kommunikation, um überhaupt im Gespräch zu bleiben oder wieder dorthin zu gelangen: Vermeiden Sie pauschale Verurteilungen wie "Immer bist du so…" und Killerphrasen. Nennen Sie besser konkrete Beispiele und konkretisieren Sie Ihre Aussagen durch "manchmal" oder "in den letzten vier Wochen". Um den anderen nicht in die Abwehr zu treiben, sollten keine Vorwürfe in der Form "Du hast", "Du machst immer" formuliert werden. Besser ist in Ich-Botschaften zu sprechen und dabei das eigene Gefühl, was das Verhalten des anderen auslöst, zu verbalisieren. "Ich finde…" oder "Es macht mich traurig, wenn du…" oder "ich fühle mich vernachlässigt…" Signalisieren Sie zudem Interesse daran, was der andere zu sagen hat und stellen Sie offene Fragen: "Wie siehst du das?".
Bevor die Auseinandersetzung eskaliert, machen Sie lieber eine Pause, bis die Emotionen abgekühlt sind und Sie wieder miteinander über das eigentliche Thema sprechen können. Das sollte deutlich auf der Metaebene ausgesprochen werden, damit nicht der Eindruck eines Kontaktabbruchs oder Rückzugs entsteht. "Ich habe das Gefühl, wir kommen gerade nicht weiter, weil wir so aufgebracht sind. Aber ich möchte mich gerne mit dir morgen verabreden, um das Gespräch weiterzuführen. Mir liegt sehr daran. Wann hast du Zeit?" Wer immer wieder an der gleichen Stelle in Streitigkeiten feststeckt, sollte über einen Strategiewechsel nachdenken oder einmal die Kommunikationsstrukturen des Miteinanders unter die Lupe nehmen.
Die Tipps "Du" vermeiden und Ich-Botschaften verwenden, sind ja schon ziemlich alt — und wie ich finde, kompletter Unfug! Tut mir wirklich leid, aber ich habe das zweimal mit verschiedenen Personen (1x Partner, 1x Kollege) ausprobiert und beides mal war es echt daneben: "Ich, ich, ich — denk doch mal nicht nur an Dich" war der eine Kommentar. Ich hätte fast lachen müssen, trotz allen Streits, so absurd war dieses Ende gemessen an den vielen Psychotipps. Also ich glaube nicht, daß es auf "Du" oder "Ich" ankommt, sondern darauf, wie ruhig und sachlich man bleiben kann. Und das ist halt leider nicht immer der Fall. Manchmal ist ein klärendes Gewitter besser als stundeslanger kalter Regen…
Hallo zusammen,
ich bin ganz anderer Meinung als Frederika. Es hat sich immer wieder in der Kommunikationspsychologie bewahrheitet, dass das Verbalisieren von Emotionen, die der andere durch sein Verhalten auslöst, effektiver ist und beim Formulieren in Ich-Botschaften den anderen auch besser erreicht, als in durch Du-Vorwürfe viel leichter eine Vorlage zu geben, sich in Abwehr und Rückzug zu flüchten. Nun geht das nicht anders, als mit einem Reflexivpronomen, in dem Falle "ICH", den Satz zu konstruieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch diesem Wege viel mehr Verständnis erzeugt werden kann. Ich denke auch, man braucht über solch gegebene Dinge nicht zu diskutieren. Vielleicht liegt es ja an der sonstigen Ich-Bezogenheit, dass die Ich-Formulierungen nicht im Gehalt wahrgenommen wurden, sondern das wiederholte ICH die roten Signallampen zum Glühen brachte.
Sicher ist es gut, zusätzlich ruhig und gelassen zu sein. Das Wie ist oft weitaus tragender als das Was. Doch ist es nicht die bessere Strategie, sondern ein Weg, der zusätzlich gewählt werden sollte.
Und auch richtig ist, einen Konflikt nicht zu unterdrücken und die damit verbundenen Gefühle. Der Gegensatz von deinem reinigenden Donner ist ja kein kalter Konflikt, sondern ein konstruktiver Konflikt und der kann heiß, aber fair sein.
In diesem Sinne, viel Erfolg beim Streiten!
Das Problem bei den Ich- und Du-Botschaften ist meiner Meinung nach, dass meist gar nicht genau erklärt wird, was es genau ist. Ich würde sagen, Ich-Botschaften sollen beschreiben, was das eigene Problem ist, Du-Botschaften sagen vielmehr, was der andere falsch macht, aber nicht warum dies ein Problem ist. Man kann wohl auch mit Ich-Aussagen Vorwürfe formulieren und umgekeht. Ein Buch, dass dies meiner Meinung nach extrem gut tut ist: "Gewaltfreie Kommunikation" von Rosenberger. Es beschreibt viel detaillierter, worum es bei der Kommunikation eigentlich geht und wie man damit besser umgehen kann.
Ein weiteres Problem bei Streitigkeiten ist meiner Meinung nach die Unüberlegtheit in emotional aufgeladenen Situationen. Wenn keine ruhige, sachliche Kommunikation mehr möglich ist, empfehle ich zur Abwechslung mal auf schriftliche Kommunikation auszuweichen, es kann helfen, nicht mehr nur Vorwürfe auszusprechen, sondern das eigentliche Problem zu beschreiben. Und wenn man diesen Schritt geschafft hat, reicht es immer noch nicht, man muss sich auch noch darauf konzentrieren, gemeinsam eine Lösung mitunter einen Kompromiss zu finden.