Eine Partnerschaft sollte durch Akzeptanz und Toleranz bestimmt sein.
Nun hat sie es ihm schon 365 Mal gesagt, den Arm beim Essen bitte zu heben und die Serviette zu benutzen, doch sie erntet nur: "Lass mich so sein, wie ich bin. Ich sage doch auch nichts, wenn du jeden Morgen das Badezimmer anderthalb Stunden blockierst." Die Gegenrechnung ist kein Trost.
Zurück bleibt das Gefühl, er könnte es wenigstens mal ihr zu Liebe tun. Auch dass er immer den Toilettendeckel offen lässt, zieht ihr jedes Mal den Magen zusammen. Wie oft sie das schon angesprochen hat. Außerdem wünscht sie sich, dass er beim Treffen mit Freunden nicht immer wie ein stummer Fisch am Tisch sitzt. Was macht das denn für einen Eindruck bei ihren Freunden? Obwohl sie weiß, dass es jedes Mal zu schlechter Stimmung führt, kann sie sich nicht auf die Lippen beißen und spricht die Situation spätestens auf dem Heimweg an. Geändert hat es bisher nichts…
Warum nörgeln wir immer wieder am Partner herum? In Nörgeleien können aktuell nicht erfüllte Erwartungen an den Partner ausgedrückt werden, aber auch Unzufriedenheit mit der Partnerschaft im Allgemeinen. Der zuletzt genannte Grund ist beziehungsgefährdender. Wenn nach der akuten Verliebtheit die "Entzauberung" des Partners erst einmal statt gefunden hat, treten die kleinen Fehler und Macken des Liebsten in ungeschminkter Klarheit ans Tageslicht. Für einige Partnerschaften wird das zur Zerreißprobe. Oft haben diese Partner schon von Anfang an Eigenschaften und Verhaltensweisen bei ihrem Gegenüber gesehen, die sie schwierig fanden. Jedoch hielt man sich für anpassungsfähig, hoffte auf Veränderung und vertraute auf das Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Strategie geht nur leider selten auf. Zur Veränderung gehören Einsicht und Motivation. Durch Druck von außen ist wenig zu bewirken.
Wer am Anfang einer Beziehung großzügig einige schwer vereinbare Dinge in Kauf nimmt und hofft, seinen Partner in Zukunft "hoch" zu erziehen, der hat eine ungleiche Rechnung aufgemacht. Die führt kaum zu Erfolg, aber garantiert viele Streitigkeiten. Denn ständige Nörgeleien sind für die meisten schwer auszuhalten. Sie werden als Kritik, Angriff, Vorwurf oder Verletzung empfunden. Wenn wir diese negativen Gefühle an uns heran lassen, fühlen wir uns abgewertet oder in Frage gestellt. Je nach Persönlichkeit, eigenem Befinden und wie stark das Selbstwertgefühl ausgeprägt ist, beziehen wir Nörgelei auf uns selbst. Im besten Fall lassen wir sie als ungerechtfertigt an sich abprallen. Selbst wenn der Selbstschutz gut funktioniert, ist ständig geäußerte Unzufriedenheit Gift für eine Beziehung. Schließlich sehnen wir und nach Anerkennung und wollen geliebt werden, so wie wir sind und nicht nachträglich in eine Wunschform gepresst werden.
Wer dauernd seinen Partner zurechtweist, drückt damit aus, seinen Partner nach den eigenen Erwartungen verändern zu wollen. Doch sollte eine Partnerschaft durch Akzeptanz und Toleranz bestimmt werden. Wer auf Dauer in einer Partnerschaft nicht bekommt, was er sich vorstellt und braucht, um glücklich zu sein, wird auch nicht mit Druck auf den Anderen den gewünschten Erfolg erzielen. Da bleiben nur zwei Lösungen: Entweder an der eigenen Toleranz und den Ansprüchen arbeiten oder sich eingestehen, dass man die falsche Partnerwahl getroffen hat. Dann bleibt in den meisten Fällen nur die Trennung, außer man findet im Gespräch einen kompromissfähigen Weg miteinander…
Ein typisches Phänomen bei Frauen, wie ich immer wieder beobachten konnte!
Am Anfang ist alles wunderbar. So wie man ist, scheint man zu gefallen. Na gut, vieles regeln die Hormone in der Verliebtheitsphase. Bei Frauen soll besonders dieses Hormon Oxycotin wirksam sein, was den Tunnelblick für nur den Einen verstärkt und die rosarote Brille besonders färbt.
Aber das Abflachen dieser Harmoniehormone kann doch nicht der einzige Grund sein, dass plötzlich die Nörgelei beginnt.
Man ist schließlich ein und der selbe geblieben. Jedenfalls habe ich mich noch nie um 180 Grad nach der Verliebtheitsphase geändert und sofort Anzug gegen Jogginghose eingetauscht.
Aber ich kann es nur bejahen. Plötzlich fangen diese subtilen Erziehungsmaßnahmen an: "Ich würde mir wünschen, wenn du dich mehr für meinen Alltag interessieren würdest." "Du könntest aber auch mal einen anderen Teil der Zeitung außer Fußball lesen." "Sag mal, muss du immer den Toilettendeckel nach Benutzung offen lassen?"
So geht es los, Steigerung garantiert. Ist das weibliche Strategie oder Selbstüberschätzung, den anderen schon so hin zu biegen, wie man ihn gerne hätte? Ich bin allergisch dagegen und immun. Wer sich einen Partner sucht, sollte genau hinschauen, was man erwartet und was man findet. Klar, einige Eigenschaften zeigen sich erst nach einer gewissen Zeit in Reinkultur. Aber mir erscheint dieses Vorgehen bei vielen Frauen als Taktik oder Kompromiss, weil sie falsche Ansprüche haben und nicht mehr allein sein wollen.
Daher mein Rat: Augen auf bei der Partnerwahl! Alles andere zahlt sich nicht aus.
Hans