Unser Bauch hat ein eigenes Nervensystem. Und das checkt die Lage, lange bevor unser Verstand geschaltet hat. 100 Millionen Zellen können nicht lügen...
Eigentlich weiß ich ja: Auf meinen Bauch ist Verlass. Wenn er vor sich hingrummelt, steckt meistens Hunger dahinter. Wenn er aufmuckt, gab es vermutlich ein Problem mit der Sushi-Platte. Und wenn er anfängt, auf eine ganz bestimmte Weise zu rebellieren, ist was im Busch, das nichts mit Nahrungsverwertung zu tun hat. Dann hat er ein Problem mit dem Verdauen gewisser Ereignisse.
Leider überhöre ich meinen Bauch selten dann, wenn er etwas Essbares fordert. Das würde sich ja wenigstens negativ auf die Kalorienbilanz auswirken und damit positiv auf die Hüften. Dafür ignoriere ich meinen Bauch aber meistens dann, wenn es um die Liebe geht. Was ganz klar aufs Herz geht.
Diese Lektion stand in meinem Liebesleben bereits mehrfach auf dem Lehrplan, aber offenbar habe ich das Gehör für die Sprache meines Bauches noch nicht ausreichend entwickelt. Und muss immer wieder nachsitzen. Zu Recht! Denn dieser Sprache aus der Körpermitte lässt sich viel mehr Wahrheit abgewinnen als dem phonetischen System, mit dem wir sonst so mit unseren Dates kommunizieren. Es ist doch so: Worte, die von Stimmbändern geformt werden, mögen noch so schön und zukunftsträchtig sein. Sie gelten jedoch nur dann, wenn sie von Taten getragen werden. Da empfiehlt es sich doch, ein kleines Zwiegespräch mit dem eigenen Bauch zwischenzuschalten.
Ich werde ihn, meinen weisen Vertrauten, zum Beispiel interviewen, sobald ein Mr. Right-Anwärter sich nicht innerhalb von zwei Tagen zurückmeldet. Unvorhergesehene Todesfälle, Überstunden, Verkehrschaos und Krankmeldungen kommen ebenfalls auf die Liste, die einen intensiven Austausch mit meinem Bauch indizieren. Er ist der einzige, der mich warnen kann, wenn ich blind vor Begeisterung, taub vor Harfenklängen und abgehoben auf Schmetterlingsschwingen das Naheliegende ignoriere. Dass es einfach nicht passt.
Ich hoffe, mein Bauch wird ebenso zuverlässig anzeigen, wenn tatsächlich Mr. Right auf der Matte steht. Ob ich die Regungen in der Magen-Darm-Gegend dann ebenso deuten kann? Immerhin habe ich bisher nur die Warnfunktion ausgiebig getestet. Ich stelle mir vor, dass sich die Begegnung mit der großen Liebe so anfühlen muss wie ein gebutterter, warmer Nutella-Toast. Gefolgt von scharfem Thai-Curry, Sushi-Häppchen und einem Pasta-Medley. Und als Abschluss ein halbflüssiges Schokoladentörtchen.
Mein Bauchgefühl wird mir den Weg weisen, da bin ich mir sicher. Vorerst lenkt er mich mal wieder in Richtung Kühlschrank. Ich weiß, dort lauert die Kalorienfalle. Aber ich möchte doch üben, auf meinen Bauch zu hören! Und irgendwann wird es da sein, das warme Schokoladengefühl, das aus nichts weiter als aus Luft und Liebe gemacht ist…
Ihr Fräulein Wunder