Richtig flirten will gelernt sein. Wie man(n) am geschicktesten die Gunst der Stunde nutzt erfahren Sie hier...
Richtig flirten will gelernt sein. Wie in allen Disziplinen gibt es auch hier kleinere und größere Talente. Doch was macht einen guten Flirt aus?
Da soll mal einer sagen, die Gunst liegt nicht in der Stunde. Ich würde sogar sagen, in der Sekunde! Nicht gerade ideal war meine Ausgangssituation. Bepackt mit drei Sträußen Blumen von der bekannten Blumendomina in der Susannenstraße – so nenne ich den kleinen Blumenladen in Hamburgs Schanzenviertel, weil das günstige Sortiment von einer äußerst herrischen Ladenpatronin bewacht wird ? lief ich entlang meines Einkaufspfades für den Rest der Erledigungen.
Weiße und rote Gladiolen sind wunderschön, doch groß und sperrig wie Holzbretter. Dazu noch Lilien, deren Duft manche schwindelig werden lässt. Durch den Rushhour-Parkur an Menschen ohne große Kollisionen zu gelangen, war eine echte Herausforderung. Mein Gegenmittel: Lächeln und gute Laune aktivieren. Schließlich hat mich keiner zum Blumenkaufen gezwungen. Und siehe da, bei dem einen oder anderen Rempler erntete ich für mein Lächeln sogar noch eines zurück. Manchmal dazu noch mit einem freundlichen Blick in die Augen getopt. Davon beschwingt sah ich beim Warten an der Ampel einen netten Herren im Anzug abwechselnd vertieft auf seine Karte schauen oder verzweifelt nach Straßenschildern suchen. Obwohl mir schon die Arme unter der Blumenlast schwer wurden, lief ich so, dass ich seinen Weg kreuzte und fragte spontan: "Na, wo soll es denn hingehen?" "Ins Schulterblatt muss ich, habe aber die Orientierung verloren," erwiderte er. "Das bekommen wir flott gelöst", grinste ich und stieß ihm beim Blick auf seine Karte ungeschickt die Blumen in die Seite. "Gleich für mehrer Monate eingekauft?" lächelte er zurück. Ich musste lachen und verneinte. Anschließend beschrieb ich ihm den Weg. Da ich keine Hand zum Zeigen frei hatte, bot er mir an, die Blumen zu halten. "10 Minuten Strecke in diese Richtung", erklärte ich. "Sie sind ein Schatz, danke. Ich wäre sonst zu spät zum Termin gekommen. In welche Richtung müssen Sie denn? Wenn es die gleiche ist, kann ich gerne Ihre Blumen tragen."
Also, das war ja so charmant, das Angebot konnte ich nicht ablehnen und so liefen wir zusammen Richtung Schulterblatt. Dann folgten die typischen Fragen: "Von wo kommen Sie denn, wenn Sie das Schulterblatt nicht kennen?" oder "Sind Lilien Ihre Lieblingsblumen?" Schnell unterhielten wir uns angeregt, mussten aber abbrechen, weil er einen geschäftlichen Termin hatte. "Darf ich Ihnen meine Telefonnummer geben, wenn Sie Lust haben, lade ich Sie gerne später auf einen Kaffee oder ein Glas Wein an. Melden Sie sich einfach, wenn es passt."
Großartig, der junge Mann hat alles richtig gemacht. Ein Naturflirter! Nicht zu direkt, lässt Frau die Möglichkeit der Entscheidung. Ist interessiert, fächert einen netten Small Talk an, ist humorvoll und zugewandt. Ok, ich hatte ihn ja auch angesprochen, aber dennoch…sehr gut hat er die Chance ergriffen. Das ist die Kunst des Flirtens: Sich einfach auf neue Begegnungen einzulassen, offen für Kontakt zu sein, nicht gleich skeptisch die Schotten hochzufahren, wenn man merkt, es wird netter…Egal was draus wird, allein schon dieser nette Moment hat sich gelohnt. Warum tun sich Menschen das nicht öfter an und schenken sich einfach mal einen freundliche Begegnung…Es liegt an der richtigen Haltung, nicht am richtigen Spruch, das kann ich nur immer wieder wie ein Mantra wiederholen.