Ein kanadischer Forscher teste seine Probanden: Würden Männer schneller erregt sein als Frauen?
Der kanadische Psychologe und Sexualtherapeut Irv Binik hat mit unorthodoxen Mitteln, nämlich mit Hilfe der Militärtechnologie untersucht, ob Männer und Frauen unterschiedlich lange brauchen, um sexuell erregt zu werden. Klischees und Vorurteile halten sich dazu seit Langem hartnäckig, doch ob sie stimmen, konnte lange nicht belegt werden.
Der kanadische Forscher von der McGill University in Montreal setzte seinen Probanden, Männern wie Frauen, eine Videobrille auf, über die sie Filmmaterial ansahen, das aus unterschiedlichen Szenen zusammengeschnitten wurde. Darin waren Passagen aus pornografischen Filmen enthalten, aber auch Szenen aus Horror-Filmen, Episoden aus Mr. Bean oder Reisevideos über Kanada. Besonderes Augenmerk legte der Forscher auf die Auswahl des pornografischen Materials: Hier wählte er nämlich Archivmaterial des Kinsey-Instituts, das erwiesenermaßen auf Männer, bzw. auf Frauen erregend wirkte. Die Frage war nun: Würden die Männer schneller erregt sein als die Frauen?
Heiß im wahrsten Sinne des Wortes
Bislang waren derartige Untersuchungen als problematisch angesehen worden. Denn eine solche doch sehr private Sache kann sehr leicht durch eine sterile Umgebung, anwesende Forscher oder störende, ungewohnte Gerätschaften beeinflusst werden und zu verfälschten Messdaten führen. Durch die Verwendung der Videobrille wurde in dieser Versuchsanordnung sichergestellt, dass die Umgebung die Versuchspersonen nicht ablenkte. Von einem Nebenraum aus beobachtete Binik mit einer hochempfindlichen Wärmebildkamera dann den Lendenbereich der Probanden. Er wollte wissen, ob und wie sich die Temperatur in dieser Körperregion im Laufe des Experiments veränderte.
Seine Annahme: Je höher die Temperatur, desto stärker die Durchblutung im Genitalbereich, die von dem Wissenschaftler und seinem Team als sexuelle Erregung gedeutet wurde. Während Männer nach durchschnittlich 665 Sekunden den höchsten Temperaturanstieg und somit höchste sexuelle Erregung anzeigten, brauchten Frauen im Schnitt 743 Sekunden. Obwohl die Abweichung deutlich ist, konnten die Forscher feststellen, dass die Hitzekurve bei beiden Geschlechtern in etwa gleichzeitig einsetzte und verlief. So groß ist der Unterschied demnach nicht.
Eine weitere Studie des bereits oben erwähnten Kinsey-Instituts ging der Frage auf andere Weise nach und untersuchte, was überhaupt erregend auf Frauen wirkte. Dabei stellte sich heraus, dass Männer und Frauen von unterschiedlichen Dingen stimuliert werden. Bei Frauen spielen neben den Schlüsselreizen nämlich auch Gedanken an den eigenen Ruf, ungewollte Schwangerschaft, aber auch hormonelle Veränderungen häufig eine große Rolle.