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Sex und Geruch VI: Synästhesie und die sexuelle Wahrnehmung
Sex und Geruch VI: Synästhesie und die sexuelle Wahrnehmung (Kategorie: Sexualitätsblog)
Eine kleine Einführung.

Als letzte Folge unserer kleinen Serie über den Zusammenhang zwischen Sexualität und Geruch möchte ich mich einem eher selten beachteten Thema zuwenden: Dem der Synästhesie. Synästhetiker sind Menschen, die auf unterschiedlichen Sinneskanälen gleichzeitig Wahrnehmungen machen.

Oder anders formuliert: Die Stimulation einer bestimmten sensorischen Modalität führt mit hoher Sicherheit zu einer Wahrnehmung auf einer oder mehrerer anderer Sinnesebenen. Das bekannteste und am meisten verbreitete Beispiel ist die Fähigkeit, "Farben zu hören". Ein Mensch mit dieser Fähigkeit wird also beim Sehen einer bestimmten Farbe unmittelbar auch einen Ton hören. Man kann sich vorstellen, dass dieses Phänomen für manche Menschen auch zu einem Fluch werden kann – nämlich wenn sie nicht in der Lage sind, diese Art von Überstimulation oder Überreizung zu lenken bzw. sich davon innerlich abzugrenzen.

Das Phänomen der Synästhesie ist immer noch nicht ausreichend beforscht. Es ist aber deutlich geworden, dass es angeboren wird und nur ein geringer Teil der Menschheit davon betroffen ist. Ein berühmter Vertreter in Bezug auf die gleichzeitige Wahrnehmung von Formen und Farben war Vladimir Nabokow, der sich bei seiner Mutter darüber beschwerte, dass er ständig "falsche" Farben auf den Bauklötzen seines hölzernen Alphabetes sehen würde. Seine Mutter begriff schnell, dass dies darauf zurückzuführen war, dass ihr Sohn in einen Konflikt mit den Farben kam, die er innerlich den Buchstabenformen zuordnete: Sie stimmten nicht mit den vorgegebenen Farben überein. Die Mutter Nabokov's war selbst auch Synästhetikerin und konnte Farben aufgrund bestimmter Musik wahrnehmen. Dieses Beispiel belegt die Annahme der Erblichkeit.
Für unseren Zusammenhang ist interessant, dass einige Forscher davon ausgehen, dass jeder Mensch von Geburt an ausgeprägte synästhetische Fähigkeiten besitzt, die sich allerdings schnell wieder verflüchtigen. Warum dieses bei manchen Menschen anders ist und warum diese ihre ausgeprägte Synästhesie beibehalten, ist noch unklar. Aus der Annahme einer allgemeinen angeborenen Tendenz zur kreuz-modalen Wahrnehmung lässt sich ableiten, warum die meisten Menschen ganz bestimmte sensorische Erlebnisse haben, wenn sie sich an Vergangenes erinnern. So werden die meisten vielleicht schon einmal erlebt haben, wie ein ganz bestimmter Geruch in ihrem Inneren auftaucht, wenn sie sich an Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern. Bekannt ist dieses Phänomen auch in der Werbung. Dort wird es fleißig benutzt: So wird z.B. eine Zahnpasta, in der ja meist Pfefferminz enthalten ist, immer mit grünen oder blauen Farben produziert. Dies entspricht der Erwartung des Benutzers, der dadurch ein intensiveres und "stimmigeres" Erlebnis hat.
Eine Untersuchung hat nun festgestellt, dass es diesen synästhetischen Zusammenhang auch zwischen Düften und Farben gibt. Im Experiment konnte nachgewiesen werden, dass ganz bestimmte Gerüche immer mit den gleichen Farben assoziiert wurden, und zwar unabhängig davon, ob ein solcher Zusammenhang durch Kenntnis des Geruches vorher möglicherweise angelernt war. Dies führte dann eben zu dem Schluss, dass es tatsächlich angeborene "Reste" synästhetischer Fähigkeiten in jedem Menschen geben könnte.
Wenn wir nun diese Ergebnisse mit den Fakten zusammen bringen, die wir im Zusammenhang mit der Wirkung von bestimmten Düften auf den Bereich der Sexualität in den vorangegangenen Blogbeiträgen gesammelt haben, dann können wir die These aufstellen, dass bei dem Benutzen eines individuellen Parfums auch das Tragen einer dazu passenden Farbe angebracht wäre. Warum? Nun, es wurde deutlich, dass die WIRKUNG eines Duftes mit der gleichzeitigen Darstellung durch die "richtige" Farbe gesteigert werden kann! Das finde ich doch mal ein äußerst spannendes Ergebnis. Denn nun wird die Verführung auf den unterschiedlichen Ebenen der Ausstrahlung von Düften auf der einen, und der Ausstrahlung durch Kleidung auf der anderen Seite plötzlich zu einer Art Gesamtkunstwerk, die – vorher noch unabhängig voneinander erschienen – nun in einer synästhetischen Einheit zur Wirkung kommt.
Natürlich ist ein dickes Augenzwinkern bei dieser Überlegung angebracht. Aber warum sollte man nicht einmal ausprobieren, ob nicht bei der Auswahl eines bestimmten Parfums – das natürlich die Kriterien der "Passung" erfüllen muss – auch ein Auge auf die Wahl der Farbe der Bluse oder des Hemdes geworfen werden sollte. Deswegen präsentiere ich zum Abschluss noch einmal einige farblichen Entsprechungen der verschiedenen Duftrichtungen, damit Sie konkret zu Werke gehen können:

Florale Düfte (z.B. Rose, Hyazinthe): Helle Rottöne, Orange
Orientalische Düfte (z.B. Kardamon, Sandelholz): Braun- und Rotbraune Töne
Holzige Düfte (z.B. Moschus, Amber): Ocker- und dunkle Grüntöne
Citrus Düfte (z.B. Bergamotte, Veilchen): Gelb- und helle Grüntöne

Und denken Sie immer daran: Man kann alles tun, was man will, wenn man weiß, was man tut.


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