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Sex und Geruch V: Duft, Partnerwahl und Homosexualität
Sex und Geruch V: Duft, Partnerwahl und Homosexualität (Kategorie: Sexualitätsblog)
Gibt es hier einen Zusammenhang? Volker Drewes weiß die Antwort.

Eine sehr interessante Frage im Zusammenhang mit der auf Körpergeruch beruhenden sexuellen Anziehung zwischen den Geschlechtern lautet, ob dieses Phänomen auf heterosexuelle Paare beschränkt ist oder ob es auch für Homosexuelle gilt.

Zunächst konnte eine Studie um die Forscher Charles Wysocki und Yolanda Martins nachweisen, dass die Vorliebe für einen bestimmten Duft tatsächlich nicht nur vom Geschlecht, sondern auch von der sexuellen Orientierung abhängig ist. Dazu waren ungefähr 80 hetero- oder homosexuelle Probanden untersucht worden. Sie sollten Duftproben bewerten, die den Achselhöhlen anderer ebenfalls homo- oder heterosexueller Freiwilliger entnommen worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass homosexuelle Männer den Duft anderer Homosexueller und den Duft der heterosexuellen Frauen mochten. Der Duft der homosexuellen Männer wiederum wurde dagegen von den Heteromännern und den Frauen am wenigsten häufig ausgewählt. Dies war nicht abhängig von der Intensität des Duftes. Hieraus schlussfolgerten die Forscher, dass es eine biologische Grundlage für die sexuelle Orientierung geben müsse, die auch über den Geruchssinn gesteuert wird.

Dieser These wollten andere Forscher aus Schweden nachgehen, die sich mehr um die Frage nach den neurologischen Grundlagen dieses Phänomens kümmern wollten. Sie untersuchten dabei zum einen das so genannte AND, einen pheromonähnlichen Lockstoff aus männlichem Schweiß und zum anderen das so genannte EST, eine Substanz, die aus dem weiblichen Urin gewonnen wird und sehr dem Östrogen ähnelt. Das Experiment wollte herausfinden, welche Gehirnregionen beim Riechen an diesen Substanzen aktiviert werden würden.

Auch hier zeigte sich, dass homosexuelle Männer und heterosexuelle Frauen gleich reagierten: Bei ihnen war im bildgebenden Verfahren deutlich zu sehen, dass beim Riechen von AND eine Gehirnregion aktiviert wurde, die bei sexuellem Verhalten eine Rolle spielt. Bei den Heteromännern blieb diese Region stumm. Bei neutralen Gerüchen reagierten alle drei Gruppen gleich. Auch dieses Experiment bestätigte also die These, dass Duftstoffe bei der Partnerwahl eine bedeutende Rolle spielen, und zwar auch bezogen auf die sexuelle Orientierung.

Das einzige, was bis zum Schluss unklar blieb, war die Interpretation dieser Ergebnisse. Sollte man annehmen, dass es sich bei den festgestellten Ergebnissen von neuronalen Prozessen im Hypothalamus um angeborene Unterschiede handelt (die dann also auch gleichzeitig auf eine angeborene Unterscheidung der sexuellen Orientierung hindeuten würden) oder vielmehr um Reaktionen auf die Düfte der Personen, die man im Laufe seiner sexuellen Erfahrungen als attraktiver einzuschätzen gelernt hat? Die alte Anlage-Umwelt-Frage ist also wieder einmal gestellt. Mein Tipp dazu: Wahrscheinlich wie in all diesen kontrovers diskutierten Bereichen handelt es sich um eine Kombination von beidem.


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