Viele Paare sind mit ihrem Sexualleben unzufrieden...
Eigentlich läuft alles prima. Schon bei der ersten Küsserei merkten Janina und Ludwig, dass ihre Lippen für einander gemacht sind. Er küsste so einfühlsam und abwechslungsreich, wie sie es möchte. Insgesamt harmonierte ihre Körperlichkeit von Anfang an sehr gut.
Sie hatten viel Spaß miteinander, hatten das Glück, dass die Vorlieben des einen auch die Wünsche des anderen bedienten. Sie mussten nicht viel darüber sprechen, es lief wie von selbst, was Ludwig mochte, war auch Janinas Lust. Davon abgesehen war Janina eine offene, selbstbewusste Frau, die zu ihrer Sexualität stand. Sie zeigte im Bett Initiative, nahm sich, wonach ihr war, experimentierte und verließ sich darauf, dass Ludwig schon Nein sagen würde, wenn es ihm nicht gefiele. Das ist nun sechs Jahre her, wie die beiden mir in meiner Praxis erzählten, denn sie wollen nun Kinder und möchten sich vorher Gedanken machen, was der Übergang von einer Dyade in eine Triade für sie bedeutet.
Janinas und Ludwigs Umgang mit ihrer Sexualität, führt zu einer großen Zufriedenheit unter Paaren. Vorausgesetzt: Das Liebesleben in den Federn spielt für sie eine wichtige Rolle und der Rest in der Beziehung stimmt zudem. Viele Paare sind hingegen mit ihrem Sexualleben unzufrieden. Grund ist häufig, dass Langeweile und Standardprogramm eingekehrt sind oder sogar Flaute. Paradoxerweise ist für viele Paare in der Beziehung Sex ein Tabuthema und das, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, die überflutet wird durch sexuelle Reize, Sex fast überall zugänglich ist und die meisten Tabus ins Wanken geraten sind.
Gründe für diesen Zwiespalt liegen darin, dass Paare viel zu wenig über ihr Sexualleben reden, wie Paartherapeuten allgemein immer wieder feststellen. Die meisten empfehlen deshalb, viel häufiger die eigenen sexuellen Wünsche zu artikulieren. Es gibt dazu verschiedene Varianten. Der Psychoanalytiker Michael Lukas Moeller hat beispielsweise eine Selbsthilfemethode für Paare entwickelt, die er wesentliches Zwiegespräch nannte. Das Zwiegespräch soll regelmäßig wöchentlich stattfinden. Andere Varianten empfehlen, mindestens einmal im Monat einen festen Termin einzuplanen, in denen sich die Partner über ihre Wünsche, Sehnsüchte und aktuelle Zufriedenheit beim Sex austauschen. Ein heikles Thema – am Anfang einer Beziehung meint man, man müsse nicht darüber sprechen, weil ja alles wie von selbst läuft. Später traut man sich nicht mehr aus Angst, den anderen zu kränken (weil einem irgendetwas nicht so zusagt) oder zu schockieren (weil man glaubt, er würde so reagieren, wenn er wüsste, was man gerne mal ausprobieren würde). Oder man hat Angst vor einer Zurückweisung. Das ist gerade bei einem so sensiblen Thema wie den sexuellen Wünschen sehr kränkend. Zudem steht einmal Ausgesprochenes im Raum. Was ist, wenn die geäußerten Wünsche für den anderen unvorstellbar sind? Damit bleibt etwas Unerfülltes zwischen den Partnern bestehen. Der eine fühlt sich damit allein und unverstanden, der andere "überfordert".
Also bleibt es häufig beim kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den man sich stillschweigend irgendwann geeinigt hat. Der wird aber früher oder später zur Routine, oft als langweilig empfunden und dann zu Unzufriedenheit führen. Besser ist es also die Gelegenheit zu nutzen. Sowohl den Partner nach seinen Wünschen und Fantasien zu fragen, im Gegenzug aber auch, von den eigenen zu erzählen. Meist wird die Situation zu einer ganz neuen Ausgangsbasis für das Sexualleben, weil beide wirklich ausleben, was sie wollen. Das Gute daran: Oft stellt sich in solchen Gesprächen heraus, dass der andere nur dachte, er kann sich mit diesen Wünschen nicht "zumuten", trifft jedoch beim Partner auf offene Ohren und fruchtbaren Nährboden. Und das kann einen wunderbaren Schub im Liebesleben auslösen…
Ich kann dem Inhalt nur zustimmen. Einander die geheimsten Wünsche zu sagen, die Initiative zu ergreifen und alles einfach angehen ist der erste Schritt und wirkt wahre Wunder – schafft wahre seelische und körperliche Nähe. Nur Mut!
Warum denn reden, Sex ist doch die perfekte und schönste Art der Kommunikation. Es ist eine Reise in das Unterbewußtsein des anderen, das der doch oft selbst nicht genau kennt. Mit kleinen, vielleicht etwas vorher durchdachten, Experimenten, die unbekannte Seele des anderen erkunden, das tollste Abenteuer des Lebens, ein Geschenk Gottes
Miteinander über Wünsche, Phantasien und Bedürfnisse in der Sexualität zu reden ist unerläßich! Zum Einen weil jeder andere Wünsche und Träume hat, zum Anderen weil jeder auch andere Grenzen und Tabus hat. Es ist wichtig "vorher" darüber zu sprechen, was man gerne ausprobieren würde.
@Razali: Einfach "machen" ist nicht clever, denn die Meisten, denke ich zumindest, wären überfordert, wenn z.B. der Partner in Lack und Leder gekleidet mit der Peitsche hinter einem steht
Eigentlich stimme ich allem zu: Manchmal ist empfinden angesagt, nicht reden. Ein andermal wiederum kann man wunderbar gemeinsame Phantasien erleben. Und selbst das Austauschen von Vorstellungen, das verbale Erforschen des Partners, während man gemeinsam die Küche aufräumt, kann heiss machen.
Offen gesagt, für mich als Mann ist es Teil des Vergnügens herauszufinden, was meine Partnerin heiss macht – um dann genau das mit ihr anzustellen.
Ein Plädoyer für Kommunikation _und_ Abwechslung.