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Sex im “Alter” und Partnersuche
Sex im “Alter” und Partnersuche (Kategorie: Sexualitätsblog)
Eines der letzten gesellschaftlichen Tabuthemen, das immer wichtiger wird.

Die Frage nach der sexuellen Erfüllung im Alter wird immer offener diskutiert. Dies mag in erster Linie daran liegen, dass die Menschen zum einen älter werden und zum anderen dabei häufiger ihren Lebenspartner wechseln.

In deutschen Großstädten wird inzwischen jede zweite Ehe geschieden; eine durchschnittliche Beziehung hat oft ihren Wendepunkt nicht mehr im verflixten 7., sondern schon im 5. Jahr. Das Lebensabschnittspartner-Modell ist zur Normalität geworden. Auch die Erwartungen und Bedürfnisse sind gestiegen. Nicht zuletzt die Medien haben dafür gesorgt, dass das Thema Sex immer und überall in aller Munde ist – das sorgt für einen runden Lauf der Wunschmaschinerie.

Was von diesen Wünschen und von dem steigenden Begehren konnte verwirklicht werden? Offenbar so einiges. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Sex bei Senioren um die 70 ist mächtig gestiegen in den letzten drei Jahrzehnten. Eine schwedische Studie hat dies jüngst nachgewiesen. Demnach stieg der Prozentsatz der "Zufriedenen" bei den (verheirateten) Männern von 52 auf 68 und bei den (verheirateten) Frauen von 38 auf 56 Prozent. Den wenigsten Sex hatten ledige Frauen, was damit erklärt wird, dass sie statistisch die Männer auch um mehrere Jahre überleben. Männer haben ihre Probleme eher auch im körperlichen Bereich. Neben der Tatsache, dass sie sich jetzt eher trauen, auch über Probleme wie erektile Dysfunktion zu sprechen, leiden sie offenbar noch häufiger unter der Schwierigkeit, ejakulieren zu können. Das war bisher weniger bekannt. Insgesamt werden sie deutlich mehr für sexuelle Probleme im Alter verantwortlich gemacht – haben aber auch durch moderne Erektionsmittel wie Viagra neuerdings die Chance, das wieder auszugleichen.

Überhaupt wird heutzutage bei dem Thema sehr viel mehr differenziert, was zu begrüßen ist. So wird v.a. mit dem Begriff des Alters anders umgegangen. Während früher Vorurteile über die Alten in jeder Hinsicht fröhliche Urstände feierten, unterscheidet man heutzutage klar zwischen biologischem und funktionalem Alter. Ursula Lehr schreibt (1997, 64) zu Recht: "Es kommt [...] nicht auf die Anzahl der Jahre an, sondern auf Fähigkeiten, Fertigkeiten, auf das Erleben und Verhalten, auf die physische und psychische Funktionsfähigkeit, auf das so genannte functional age. [...] Mit zunehmendem Lebensalter wird [...] das chronologische Alter [...] ein immer fragwürdigeres Kriterium zur Beurteilung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten." (Lehr, Ursula (1997). Demographischer Wandel. Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. In: Forschung & Lehre 2, 63-67)

Hier wird auch der Zusammenhang zwischen dem enormen Wachsen der Gesundheitsindustrie und des Verlangens nach Fitness und Schönheit mit der Erwartung an ein sexuell erfülltes Leben im Alter deutlich: es geht halt nur, wenn man gesund und fit ist und wenn man mit den allgemeinen Erwartungen Schritt halten kann, sowohl körperlich als auch auf dem Gebiet von Status und Prestige. Dieser Erwartungsdruck lastet natürlich auch auf den Partnersuchenden.

In meiner Beratungspraxis bin ich häufiger mit Problemen von Menschen konfrontiert, die den Spagat zwischen Nähe- und Geborgenheitswünschen einerseits und dem Wunsch nach Abenteuer und sexueller Leidenschaft andererseits nicht so recht hinkriegen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Bei Frauen scheint dieses kritische Alter schon zwischen 50 und 55 zu liegen. So sind viele sexuell noch sehr aktiv, bzw. haben den starken Wunsch, dies zu sein. Aber sie finden nicht so Recht den Wunschpartner, mit dem sie sich auch wirklich einlassen wollen. Die Befürchtungen sind oft ähnlich: zu viel Nähe führt zu Langeweile des Partners bzw. in der Beziehung, und die eigene Attraktivität wird durch vermutete Untreue des Mannes in Frage gestellt. Diese Frauen weichen dann auf andere Angebote im Netz aus (Flirtportale oder Dating-Seiten), wo sie zwar vorübergehend einen befriedigenden Sexpartner finden – aber der taugt dann wieder nichts für eine Partnerschaft, weil er oft selbst verheiratet oder anderweitig gebunden ist. Das Sex-Problem ist also nur vorübergehend gelöst.

Die Männer wiederum trauen sich nicht, sich von ihrer alten Beziehung zu lösen. Sei es, weil sie zu bequem sind oder Kinder haben. Aber auch sie leiden dann irgendwann unter dem Doppelleben, das sie führen – und haben ebenfalls ihr Sexproblem nur vorübergehend gelöst. Eine Antwort auf diese Problematik ist sicherlich schwierig – sie kann aber nur in einer größeren, gegenseitigen Offenheit, was eigene Ängste und Erwartungen betrifft, liegen.


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6 Antworten zu “Sex im “Alter” und Partnersuche”

  • Herzdenken sagt:

    Alter ist nicht nur eine Sache von Jahren. Ich bin 72, habe einen sportlichen Körper, weil ich schon seitdem ich 16 bin Joga lebe. Ja, leben macht das Alter. Zum leben ist denken und empfinden importend. Wir haben alle auch ein karmisches Alter und das hat eine bestimmte Schwingung. Ich kann das mit dem Pendel sehen. Eine reife Seele kann auch mit dem Körper besser umgehen, mit dem eigenen Körper und mit dem Du. Ein junges Du mit negativen karmischen Schwingungen interessiert mich weniger als ein gleichaltriges Du mit mit positven karmischen Schwingungen. Auch viele junge Frauen mit positiven Schwingungen interessieren sich mehr für ältere Männer, wenn diese auch eine positive Schwingung haben. Wenn die Schwingung stimmt zwischen zwei Menschen, stimmt auch die körperliche Anziehung. Gegenwärtig haben mehr junge Menschen eine positive karmische Schwingung als ätlere Menschen. Wir leben in einer gewaltigen Veränderung der kosmischen Energien. Mehr darüber ist in http://www.belletristik.ch zu lesen.

  • JosefRauter sagt:

    Ich bin 57, topfit, und meine inzwischen verstorbene Partnerin sagte einmal kurz vor dem Einschlafen:
    "Ich kann es immer noch fast nicht glauben, dass es möglich ist, mit dir immer gemeinsam zum Höhepunkt zu kommen."
    Ich konnte ihr nicht sagen, und kann es auch hier nicht sagen, wie das möglich ist, und das relativ leicht, nicht nur für die Jugend, obwohl ich es genau weiss, und auch in Worte fassen könnte.
    Aber die meisten Ohren sind vollgestopft mit sexual correctness, political correctness, elitär akademischer Korrektheit und Dünkelhaftigkeit. So werdet ihr es nie hören.
    Ihr rennt mit euren Diplomen und Titeln abwinkend davon, wenn auch nur ein "degoutantes" Wort fällt.
    Dabei ist es nichts als offene Liebe, Liebe, Liebe, an der ich nichts unkorrekt oder degoutant finde.

    Josef Rauter

  • mariak sagt:

    Meine Erfahrung:
    Sex mit einem geliebten Partner wird mit den Jahren eher intensiver und schöner: "Höhepunkt(e)" für beide gibt es (fast) immer. (Ist das so selten?)
    denke, das liegt auch mit der zunehmenden Erlebnisfähigkeit im Alter. Bin 57 und "guten" Sex zu haben war und ist sehr wichtig für mich – aber mit Liebe und nicht als "Abreaktion".

  • hardykoehler sagt:

    jeder mensch geht in seinem leben verhaeltnisse ein (natuerliche, oekonomische, soziale, geistige, kulturelle und andere, davon abgeleitete), die wechselseitig miteinander verbunden sind und in dieser komplexitaet ihre funktionalitaet besitzen. sexualitaet ist natuerlich und damit fundamental. es bedurfte einer langen zeit bis ich durch praktische erfahrungen, vor allem negativer, das begriffen habe.
    in den jungen jahren hat mein kopf mit mir und den gefuehlen meiner partner gespielt. mit ca. 40 jahren trat ein wandel ein und mein kopf fing an auf meine gefuehle immer mehr zu hoeren und zu reagieren, er hat die wahrheit heute erkannt, sexualitaet ist kein spiel des kopfes mit den sexuellen trieben, nein!, sie ist das tiefste lebensgefuehl, der hoehepunkt des gluecklichseins, in dem letztlich alles zusammenfaellt, der tiefste vertrauensbeweis, den sich nur wirklich liebende geben koennen, was der kopf lernen muss zu begreifen. alles andere sind schritte auf diesem weg. deshalb bitte ich an dieser stelle alle um vezeihung und ich verzeihe allen, die mir geholfen haben das heute leben zu duerfen, sexualitaet!
    schade ist nur, das das alles erst mit ueber 40 begann und heute mit 60 so schwer zu machen ist, weil dieses einfache nicht mehr so leicht zu bekommen ist!!!

  • JoanaAngelides sagt:

    Ich habe auch das Problem, dass ich zwar 69 Jahre alt bin, aber sehr gut "erhalten", an Sex sehr interessiert bin, soft-erotische Bücher schreibe, sehr aufgeschlossen für alles Neue bin, intelligent und kommunikativ bin, die meisten Männer aber hier Frauen suchen, die wesentlich jünger sind!
    Dabei kann ich es mit fast jeder 50-jährigen locker aufnehmen. Ich habe es aufgegeben, hier einen Partner zu finden.

  • Gast sagt:

    Ich möchte mit meinen 60 Jahren keinen Sex mehr. Weder Frauen noch Männer sehen in diesem Alter nackt noch ästhetisch aus. Leider habe ich bislang noch keinen Mann getroffen, der nicht das Ziel hatte, möglichst schnell ins Bett zu steigen.