Wir alle haben ein gewisses Muster. Deshalb fallen wir nicht nur immer wieder auf dieselbe Masche rein, sondern stricken stets dasselbe Liebes(k)leid nach.
Mit Beziehungen verhält es sich zuweilen wie mit dem heißgeliebten Designerteil. Wir lieben die Farbe, wir lieben den Look. Wir genießen die Komplimente, obwohl … irgendwie zwickt das Teil.
Sie zupfen es immer wieder zurecht – doch es passt einfach nicht perfekt. Irgendwann zuckeln Sie damit in den Second Hand-Laden und trennen sich schweren Herzens. Um dann doch wieder dem Ruf der Laufstege zu verfallen und dieselbe Erfahrung mit dem nächsten zu engen Fummel zu machen…
Wir sind eben Wiederholungstäter. Nicht nur in Sachen Mode, sondern auch in Sachen Liebe. Wir greifen immer wieder zum selben Muster und verstricken uns im immergleichen Gefühlsfilz. Ich vermute, die Kindheit ist Schuld.
Greta zum Beispiel. Ich kenne sie schon mein halbes Leben lang. Trotzdem weiß ich nicht, woher ihre riesige Angst vor Ablehnung rührt. Aus einem für mich unerfindlichen Grund geht sie davon aus, dass sie ihren wichtigsten Menschen nicht wichtig genug sein könnte. Dass deren Liebe von einem Tag auf den anderen weggeschmolzen sein könnte wie Butter in der Sonne. Und so erlebe ich Jahr um Jahr ihr kleines persönliches Drama in Endlosschleife. Ob Lars, der sie immer wieder versetzte, sich als unzuverlässig erwies und sie damit in ihrer kindlichen Angst bestätigte. Dabei war er einfach ein Idiot. Oder später Johannes, der sich nicht so recht entscheiden mochte zwischen Greta und seiner Freiheit, Greta und seinem Computer, Greta und seiner Mutter und schließlich wieder bei der Ex landete.
Jetzt hat Greta endlich ihren Flo gefunden. Eigentlich alles gut. Sie erkannten im anderen sofort die große Liebe. Sie waren es einfach füreinander! Doch dann begann das On-Off-Drama, heraufbeschworen von Greta höchstselbst. Wenn er nicht anruft, zückt sie das Taschentuch und weint bittere Tränen. Dabei steckt er gerade im Stau oder ist auf dem Sofa eingeschlafen. Wenn er mit seinen Jungs um die Häuser zieht, geht sie innerlich die Wände hoch. Von seinem Wohlwollen, einem gelungenen gemeinsamen Abend oder einer Nacht im Liebesrausch hängt ihr Seelenheil ab. Wenn eigentlich gar keine Probleme da sind, beginnt sie, welche aus dem Nichts zu erschaffen.
Sie strickt sich mal wieder ihr Drama, denke ich, wenn sie bei unseren gemeinsamen Telefonaten in den Hörer schluchzt. Mir scheint, als würde sie das Liebesleid brauchen. Und, diese Behauptung ist gewagt, vielleicht sogar auf eine gewisse Art zu genießen. Eigentlich könnte nämlich alles wunderbar sein. Wenn sie ihre große Angst loslassen könnte. Doch sie ist wohl eingewebt in ihre Persönlichkeit.
Meine Theorie ist: Wir alle hüllen uns in unser selbstgestricktes Drama. Weil wir es kennen und das Altbekannte vermeintlich wärmt in einer kalten Welt des Unbekannten. Was denken Sie?
Ihr Fräulein Wunder