Prominente wie Boris Becker machen es vor: Eine Sünde der Neuzeit.
Folgende Szene: Frau sitzt mit Freundinnen im Café. Handy vibriert, Display zeigt SMS an, Frau liest SMS, Frau wird bleich, kämpft mit den Tränen, verlässt Café.
Was könnte in der SMS gestanden haben, dass die Frau dermaßen aus der Bahn geworfen wurde? Eltern verunglückt? Job verloren? Wohnung abgebrannt? Nein, schließlich würde das kein normaler Mensch per SMS kommunizieren. Stattdessen: "Anstatt die Zeit mit mir zu verbringen, bist du also lieber mit deinen Freundinnen zusammen!? Dann weiß ich ja, woran ich bei dir bin! Es ist AUS! Ben"
Bums, das hat gesessen.
Sie mögen jetzt vielleicht denken, dass diese Situation übertrieben war und niemals im wahren Leben so passieren wird. Dazu kann ich nur eins sagen: Sie irren sich! In meiner Liebeskummerpraxis erlebe ich immer wieder, dass unglückliche Klienten nicht in der Lage sind, niveauvoll und fair Schluss zu machen. Oft höre ich dann so Sätze wie "Ich ertrage die Beziehung einfach mit stoischer Gelassenheit und warte ab, dass sich mein Partner in jemand anderen verliebt!" Oder "Ich schau mal, was noch so kommen mag. Ob sich nicht irgendwann was Besseres findet! Aber solange dem nicht ist, bleibe ich bei meinem Partner!"
Gerne wird aber auch die eben aufgezeigte Taktik des "Streit-vom-Zaun-brechen"s angewandt. Was es damit auf sich hat? Ganz einfach: "Ich inszeniere einen Krach, schmeiße dann alles hin und bin aus der Beziehungsnummer fein raus", so ein Klient, der mich erst kürzlich besuchte. Dem anderen die Schuld in die Schuhe schieben ist ja auch einfacher, als selbst Farbe zu bekennen oder wenigstens über die vorhandenen Probleme gemeinsam zu diskutieren. Auch Worte können Waffen sein. Falsch eingesetzt können sie erschüttern, verletzen und das weitere Leben des Gegenübers prägen! Diese Art der Befreiung des eignen Gewissens auf Kosten anderer ist also mehr als fraglich!
Zudem wird oft der Begriff "Konsumgesellschaft" mit der heutigen Jugendkultur in Verbindung gesetzt. Hauptsache Spaß, Hauptsache Parties, Hauptsache Statussymbole. Verantwortungsgefühl, Pflichtbewusstsein und Mitgefühl sind Fremdwörter. Dies hat sich leider auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ausgewirkt. Unsere Gesellschaft wird durch technische Errungenschaften, wie Mobiltelefon und Internet, immer schnelllebiger und rastloser. "Höher, schneller, weiter" sind die Handlungsmaxime der meisten Menschen. Das bezieht sich auch auf die Partnerwahl. Der Aufwand einen neuen Partner zu finden, ist gering. Das Angebot ist üppig. Schließlich gibt es genügend Singles auf der Welt. Für "Die Doofen" war es Mitte der 90er ein Spaß, zu singen: "Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke. Denn sonst sag' ich Winke Winke und good bye. Denn dort drüben an der Lampe ist auch schon die nächste Schlampe für mich frei!" Doch für viele ist es mittlerweile traurige Gewissheit geworden, ohne langes Zögern ausgetauscht, regelrecht abgesägt zu werden. Eine konstruktive Streitkultur, in der man sich dem anderen mitteilt und erklärt, ist vom Aussterben bedroht. Man zieht sich sang- und klanglos mit irgendwelchen Tricks, inszenierten Auseinandersetzungen aus der Affäre, bloß weil die eigene Feigheit keinen sauberen Schlussstrich ermöglicht! Viele sind der Meinung, dass eine Sms, eine Email als Erklärung für das Beziehungs-Aus genügt. Eine persönliche Konfrontation ist lästig und unangenehm. Zumal der neue Partner schon in der Warteschleife steht. Das i-Tüpfelchen auf dem hinterlassenen Scherbenhaufen ist, dass der gegangene Partner meist noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen hat. Warum auch? Schließlich wurde es ihm im Kinofilm von letzter Woche oder in der letzten Ausgabe seiner Lieblingszeitschrift genauso vorgelebt bzw. berichtet!
Auch Promis bleiben nicht von solchen miesen Schluss-Mach-Methoden verschont. Jüngstes Beispiel: Boris Becker und seine Sandy, die ihm per SMS mitgeteilt haben soll, dass die Beziehung zu Ende sei. Und auch Naddel hatte damals unrühmlich per Sms dem Schlagerproduzenten Ralph Siegel den Laufpass gegeben. Ein schwacher Trost, ich weiß.
"Es war einmal eine Frau, die Ihren Traumprinzen gefunden hatte. Beide liebten sich sehr. Doch dann fand der Traumprinz eine Andere. Er verließ seine Frau, was jedoch nicht schlimm war, da er pflichtbewusst und korrekt Schluss gemacht hatte: Weder via SMS noch per Fax, sondern vis-à-vis gab er seiner Ex in spe zu verstehen, dass er etwas Besseres gefunden hatte. Somit lebten alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende."
Was stimmt an obigem Märchen nicht? Ganz einfach: Eine Trennung ist kein performatives, sondern ein semantisches Problem. Nicht WIE man Schluss macht schmerzt in erster Linie, sondern DASS man Schluss macht. Handy-Flatrates ermöglichen kostenfreies Schlussmachen ohne viel Bla-Bla. Das ist doch mal ein Fortschritt. Willkommen in der Moderne.
Das eine hängt unmittelbar mit dem anderen zusammen. Wenn mein potenzieller Freund meint, mit mir Schluss machen zu müssen (auch wenn er sich dann quasi selbst den sogenannten Ast auf dem er sitzt, absägen würde), dann soll er doch auch bitte schön genügend Arsch in der Hose haben, mir das auch persönlich zu sagen. Alles andere ist Feigheit pur! Aber gut, Mutter würde sagen. "Du musst ja mit den Konseuqenzen leben!" Und wer weiß, vielleicht kommt ja dann mal eine gute Fee zu ihm und beschert ihm die gleiche, schöne Situation, dass er per SMS abserviert wird. Und die Moral von der Geschicht: Anstand hat man, oder nicht!
Es ist sehr wichtig wie Schluss gemacht wird. Besonders für die Zeit danach, für die Verarbeitung. Letztlich kann ein "sauberes" Schlussmachen irgendwann dazu führen, dass man mit der Person und mit der Beziehung seinen Frieden finden kann. Wenn auf eine unschöne und feige Art Schluss gemacht wird, bei der es auch noch um die Schuldfrage geht, bleibt unter Umständen die Möglichkeit aus, jemals verzeihen zu können und für die andere Seite Respekt zu empfinden. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, für immer. Es "lohnt" sich den Anstand zu wahren und den Mut zu haben, den Menschen den man liebte nicht gegen die Wand laufen zu lassen und die Trennung persönlich im Gespräch mitzuteilen.
wenn alles in bester Ordnung scheint, dann am Sylvestervormittag während laufender Festvorbereitungen das Tel. klingelt und die scheinbar ideale Beziehung ohne Vorwarnung in Frage gestellt wird, dann tut das erstmal nur weh.
Wenn der Versuch eines klärenden Gesprächs mit "ich brauche Zeit zum darüber Nachdenken und melde mich bei Dir – wirklich !!" endet, scheint das in Ordnung zu sein.
Wenn man danach auch trotz mehrfacher Signale im Sinne von "ich bin noch da und warte auf irgendein Zeichen von Dir" nie wieder etwas hört, wird einem die Möglichkeit zur rationalen Bewältigung verwehrt – was war eigentlich ihr Trennungsgrund, welche Einflüsse bei mir oder Ihr oder beiden (oder Dritten?) haben zu dieser Entscheidung geführt?
Ich finde so ein Verhalten am Ende einer Beziehung nicht nur erbärmlich feige, es ist arm und klein und gibt dem bis dahin PARTNER von vornherein weder die Chance zum Kompromis oder auch nur zur gezielten Verarbeitung.
Wer das noch gut findet (Komentar 1) stellt sich selbst ein klares Zeugnis seiner eigenen Unreife aus.
Ein Hoch auf die "schöne neue Welt !"
Ich habe gerade auch so eine Trennung per Sms hinter mir. Da er sich nicht richtig schlüssig war, wollte er eine "Überlegungszeit". Nach ca. 2 Wochen nur mit Telefonkontakt, 2 Tagen absoluter Funkstille kam seine Sms: " …ich möchte dir nur sagen, dass ich keinen Kontakt mehr möchte, sorry hat nichts mit dir zu tun……" Ich musste diese Sätze 5x lesen. Ich konnte es nicht fassen – habe nicht geantwortet. Sehr harte, kalte Worte! Ich war sehr enttäuscht von ihm, da wir auch dieses Thema schonmal angesprochen hatten. Einen Tag später war mein Geburtstag. Ich fand es fies und war sehr traurig. Wir haben dann telefoniert und ich habe ihm gesagt, dass ich eigentlich erwartet habe, dass er es mir persönlich sagt. Ich habe gemerkt, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Ich werde nun irgendwie klarkommen müssen. Was ich aber aus dieser Beziehung mitnehmen werde, ist, dass ich einen sehr guten Freund gewonnen habe und es wird schon seinen Grund haben, warum alles so gekommen ist!
Ich habe das auch gerade vor ein paar Tagen erfahren müssen. Schluss per SMS! Als ich dann mir auch noch erlaubte zu schreiben, dass ich das feige finde, wurde ich bedroht wegen Stalking! Es fing genau so an, mit einer inszenierten Streitsituation. Zwei Tage zuvor war ich noch die Traumfrau! Was ist bloss los mit unser Gesellschaft! Naja lieber jetzt den wahren Charakter zu Gesicht zu bekommen, als nach Jahren! Aber eben weh tut es trotzdem und ist ein völlig verantwortungsloses Verhalten im Umgang miteinander und unreif!
Genau das ist mir auch passiert. sagt mir, dass er mich liebt, macht per SMS Schluß, geht nicht mehr ans Telefon und schreibt mir danach, dass er mein Theater satt hat. Bis heute weiß ich nicht wirklich wieso, weshalb, warum… Nur dass er mich total gerne mag, aber nicht liebt. Das genau stand in der SMS drin.
Und wenn man eine Fernbeziehung führt, der Partner aber nicht ans Telefon geht, man also überhaupt keine Chance bekommt, sich mündlich zu äußern???
Was bleibt einem dann anderes übrig, als per SMS Schluss zu machen, vor allem, weil man sich nicht mehr alles gefallen lassen will?!…
Bei einem Mann, der "einen nur noch warm hält", der einem die Kommunikation verweigert, bei dem wäre alles andere (wie z.B. ein Brief oder zu ihm zu fahren) zu viel Energie, zu viel Mühe und zu viel guter Wille! Derjenige hat es dann einfach nicht besser verdient! Schade, aber manchmal ist das im Leben einfach so. Das ist meine Meinung!