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Scheidungskriege
Scheidungskriege (Kategorie: Trennungsblog)
Es war mal Liebe. Jetzt ist es ... sowas wie Hass. Über Ex-Liebende, die ins Gefecht ziehen.

Ja, wir haben ihn angesprochen. Aber haben wir wirklich über ihn gesprochen? Die schlimmste Eskalationsstufe der Trennung. Das absolute Desaster. Der Scheidungskrieg. Ein klassischer Stellungskrieg im Stil des 1. Weltkriegs.

Wenig bewegt sich, die Schlachten werden zunehmend sinnlos, aber niemand gibt auf. Alles beginnt mit einer Scheidung die nicht so ganz einvernehmlich abläuft. Streitpunkte können Geld, Sorgrechte oder einfach Gegenstände sein. Oft macht man mündliche Absprachen an die sich später niemand mehr erinnert. Dass diese Absprachen (die Küche kannst du behalten) bares Geld wert sind und niemand, wirklich niemand auch nur einen kleinen Schritt zurück weicht macht die Sache dann so…prekär. So werden teure, brutale Schlachten geschlagen. Schreien am Telefon. Vermittlungstreffen, die mit geworfenen Gegenständen enden. Unfaire Tricks. Kinder sind zum vereinbarten Termin nicht da. Geld kommt aber auch erst 3 Monate später. Gericht. Besserung. Das Ganze von vorne. Optimiert um die Fehler des ersten Waffengangs. Dann streiten wir uns um die Couch, das Bett, den Kühlschrank, die Einbauküche, Wohnrecht, Auto. Geschenkt oder gekauft und geliehen? Das sind nur die Klassiker. Ich habe in meiner Zeit bei Gericht Streitigkeiten um Kaffeemaschinen gesehen, die für beiden Seiten das Dreifache an Kosten einer neuen Maschine betrugen. Dann kam raus die Maschine war kaputt, aber beide machten weiter. Warum?

Sie: "Ich sehe das nicht ein, mir geht's ums Prinzip!"

Er: "Die kann nicht arbeiten, wenn sie hierher muss. Und da ich PKH (Prozesskostenhilfe) kriege, dachte ich mir, geschieht es ihr recht."

Dann wollte er Strafanzeige gegen seine Frau stellen. "Falsches Gericht!" Und er schrie den Richter an. Solange bis mein sehr geduldiger Chef nicht mehr anders konnte, als ihm 300 Euro Geldbuße aufzudrücken. Meinte sogar sein Anwalt. Dagegen wollte er vorgehen. Sein Anwalt nickte und legte pflichtbewusst Einspruch ein, mit den Worten: "Bringen wird das nichts, aber sie haben meinen Mandanten gehört." Kosten für den Anwalt, eine halbe Gebühr. Ca. 50 Euro. Die Gegenseite beantragte dann noch die Vernehmung von zwei Zeugen, was beide Anwälte zu einem weiteren Termin zwang. Wieder 300 Euro rausgeworfen. Die Kaffeemaschine war 6 Jahre alt, hatte neu 299 Euro gekostet und war kaputt. Klagewert wurde vom Gericht mit 50 Euro gesehen. Eine wahre Geschichte.

Als all das vorbei war, verabschiedeten sich beide Parteien mit einem unfreuendlichen "Bis Freitag" bei uns. Da ging's um den Verkauf der Einbauküche. Einen Monat später um falsche Berechnung der Rentenbeiträge und Rückzahlungspflicht ihrerseits. Und ein vierter Termin wurde abgesagt, weil er mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus lag. Tja, Scheidungskriege haben halt ihre Opfer. Die Kinder von denen schickten immer nur Erklärungen, sie würden nicht Aussagen. Zeugnisverweigerungsrecht. Man solle bitte Abstand davon nehmen, sie einzuladen.

Davon hatte ich drei oder vier Scheidungspaare. Und ich war an einem kleinen Gericht.


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2 Antworten zu “Scheidungskriege”

  • Claire sagt:

    Oh Gott, vielleicht bin ich schlechter Mensch. Aber ich musste über diese Geschichte lachen! Das ist ja fürchterlich, was die Ehe aus Menschen macht!

  • Irmi sagt:

    Bin Schöffin am Landgericht, habe zwar nichts mit Scheidungen zu tun, habe aber schon oft Verhandlungen erlebt, wo es nach Scheidungen zum Rosenkrieg ( jeder kennt den Film) kam. Diese Fälle landen dann bei uns z. B. Belästigungen, Terror, Zerstörung von Eigentum etc. der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
    Meine Erfahrung ist nicht, die Ehe macht aus den betreffenden Personen Furien, sondern Wut, Entäuschung, Frust usw..