Geld, Streit, Langeweile? Jede zweite Ehe wird heute geschieden. Warum bloß?
Wie versprochen, werden wir bis ins neue Jahr nun erstmal beim Thema Scheidungen bleiben. Heute kommen wir zur Frage warum sich Menschen scheiden lassen. Es gibt die kuriosesten Geschichten. Zum Beispiel gab es in München eine Ehe zwischen einem Lehrer und seiner ehemaligen Schülerin.
Um sie als Ehefrau einschätzen zu können, gab er ihr jeden Tag Noten. Wie gut war das Essen, wie sauber die Wohnung, wie prickelnd der Sex. Am Ende der Woche zog er Bilanz und ihr Haushaltsgeld wurde danach bestimmt, wie gut sie abgeschnitten hatte. Scheidung nach zwei Jahren.
Ganz so spektakulär sind die meisten Scheidungen nicht. Zuverlässige Statistiken gibt es zwar nicht, aber der Favorit bleibt das "Wir haben uns auseinander gelebt". Danach kommen Untreue/Neue Partner und unvereinbare Zukunftspläne. Kommt Euch bekannt vor? Genau, ein paar Monate früher habt Ihr das schon mal gelesen, denke ich, als ich über Trennungsgründe nachdachte. Es scheint so, als seien Ehen für dieselben Probleme anfällig, wie es die gewöhnliche Beziehung auch ist. Irgendwie ist das auch nicht überraschend. Das man so etwas in der Beziehung erwartet, aber eigentlich die Ehe nicht betreffen sollte, mag einige Nasen zum rümpfen bringen. Wer meinen Blog öfters liest, der sollte inzwischen wissen, dass ich kein großer Fan der Idee bin, man könne irgendwas vorhersagen, wenn es um die Liebe geht. Ich denke, man kann sich zehn Jahre lieben und sich dann auseinander leben. Man kann sich 15 Jahre lang auseinander leben und es plötzlich über Nacht feststellen. Ehen sind halt auch nur Beziehungen, die allerdings langfristiger geführt werden. Meistens. Das tut ihnen halt nicht immer gut. Man kennt ja die Probleme aus seinem Freundeskreis. Ein Freund macht seiner Frau einen Antrag. Nicht weil er sie liebt, dass weiß er nun echt schon etwas länger. Nicht weil er das Gefühl hat, er würde sie sonst verlieren. Solche Gedanken gibt es in Krisen mal, aber dann ziehen Männer wie Frauen so was nicht durch. Er tut es, weil er findet, es wäre an der Zeit. Oder sie ist schwanger. Frauen haben zudem noch diese biologische Uhr, die sie unter Druck setzt. Und es gibt natürlich noch die Nestbauerin, die so von Hause aus erzogen wurde… Viele tun es, weil es eine gute Idee zu sein scheint. Die schlimmste Sorte tut es, weil sie ganz, ganz fest an ihre Liebe glaubt. Die wissen dann nicht, dass Ehen auch mal Arbeit erfordern oder anstrengend werden und werden sich wahrscheinlich schneller auseinander leben als ihnen lieb ist.
Dann "tun" einige Paare es einfach ganz fix, weil sie es wollen. Schnell heiraten und sich feiern lassen. Weil's so cool ist. Solche kann man eh dann vergessen.
Alles in allem sind das nicht unbedingt die Gründe, die ein späteres Scheitern ausschließen. Und nicht alle verheirateten Menschen tun dies aus Liebe. Manche denken einfach, sie kriegen nichts Besseres oder sind zu faul zum Suchen und nehmen das, was sie haben. Obwohl solche "pragmatischen" Entscheidungen oft wirken, als wären sie ganz besonders vernünftig, sind sie meistens einfach nur Entscheidungen. Und natürlich sind auch solche Entscheidungen anfällig für Fehler. Sie werden nämlich immer nur zu einem Zeitpunkt für eine Situation gegeben und wenn sich die Dinge ändern, sind sie überholt.
Warum scheitern Ehen also? Weil unperfekte Menschen unperfekte Beziehungen führen und ein Ring wenig daran ändert. Man gibt der Sache vielleicht eine Extra-Chance, ein paar Jahre um die Krise zu überwinden, aber wenn man wirklich, wirklich darüber nachdenkt, dann ist das vielleicht nicht immer ein Segen. Was ist denn dann anderes an der Ehe? Die Einstellungen der Beteiligten. Und die Erwartungen. Aber weil der Mensch ja nicht gegen seine Natur kann und weil nun mal alles irgendwann zu Ende geht, wird man irgendwann auch diesen Enthusiasmus verlieren. Manchmal ersetzt man ihn mit etwas Neuem. Manchmal schafft man das nicht. Dann fehlt etwas und die Lücke wird immer größer und irgendwann spricht man es offen aus. Man hat sich auseinander gelebt. Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja, stimmt. Auch bei Trennungen war das nicht anders. Aber Ehen sind keine einfachen Beziehungen. Man schafft Familien durch sie und das ist etwas mehr als eine gemeinsame CD-Sammlung. Kinder, Häuser, Konten und vor allem Träume müssen bei einer Scheidung durch zwei geteilt werden. Eine Familie muss wieder in zwei Leben aufsplittert werden. Und das ist nicht so einfach.
Nächste Woche beginne ich daher mit einer Serie über die bitteren Konsequenzen der Scheidung.
Hi! Ich finde das Thema super, denn ich kann da genau mitsprechen. Ich bin also dann wohl die Sorte "viel zu früh und viel zu schnell geheiratet".. Meine Ehe hielt 1 1/2 Monate.. Danach hat mein Mann mich verlassen und direkt danach eine Andere gehabt. Jetzt sitz ich hier mit den Bruchstücken einer noch nicht einmal richtig vollzogenen Ehe. Also ich kann euch sagen, einfach ist das echt nicht. Ich hatte echt eine rosa rote Brille an und dachte es hält für immer. Aber nun hab ich gelernt, dass nichts für immer hält und das man eigentlich nur sich selbst trauen kann. Also ich muss leider jetzt sagen, dass ich den Glauben an die Ehe verloren habe. Wozu heiratet man denn überhaupt? Damit es danach eh wieder in die Brüche geht, weil die meisten Männer sofort kalte Füsse kriegen und sich ja für immer verschrieben finden?! Ob’s das sein kann, ich weiss es nicht….
Nestbauerin und Fremdgehen. Am besten in Kombination. Warum versuchen Menschen erst 10 Jahre eine Zukunft aufzubauen und versuchen dann in 12 Monaten alles kaputt zu machen? Wäre mal ein Thema, oder? Warum machen Menschen systematisch ihre Beziehung kaputt?