Mann zu sein, ist heutzutage nicht einfach: Erst mussten Männer ganze Kerle sein, dann passte das den Damen nicht mehr und Mann sollte verständnisvoller und weicher werden.
Doch auch Typ Frauenversteher hat schon wieder ausgedient. Wir haben die gängigsten Rollenklischees untersucht und erklären Ihnen, was Mythos oder Wahrheit ist.
Der Frauenversteher
Das Klischee: Ein Weichei, das sich unterbuttern lässt. In der Beziehung hat sie die Hosen an. Er ist lediglich Mitläufer.
In den 80ern war er angesagt als Gegenfigur zum klassischen Männerbild jener Zeit. Er war einfühlsam, akzeptierte die Rechte der Frauen und fand Gleichberechtigung in Beziehung und Haushalt völlig in Ordnung. Andersdenkende Männer verachteten ihn als Weichei, unterstellten ihm Verweiblichung und fehlende Abgrenzung in seinen männlichen Befugnissen.
Die Wahrheit: Ein solches Gegenbild zum patriarchalischen Männerbild ist laut Diplom-Psychologin Lisa Fischbach heutzutage nicht mehr nötig. „Die Stärken des früher so verpönten Frauenverstehers sind für viele Männer inzwischen völlig normale Verhaltensweisen geworden.“ Gleichberechtigung ist für sie ebenso selbstverständlich wie das Abrücken von männlichem, stereotypen Rollenverhalten. Natürlich gibt es immer noch diejenigen, die sich zu sehr unterordnen. Aber das hat weniger mit dem Rollenbild zu tun als mit dem individuellen Temperament. Manche Typen sind einfach schüchtern. Schnell werden sie als Frauenversteher oder Weicheier eingestuft. Dabei sind stille Wasser bekanntlich häufig umso tiefer.
Der Metrosexuelle
Das Klischee: Eitler Pfau, der außer einer ausgesprochen hübschen Fassade wenig zu bieten hat. Viele halten ihn für homosexuell.
So ein Mann muss doch in Wahrheit schwul sein: Er geht gern in Galerien und Museen, legt Wert auf makelloses Äußeres und gibt Unmengen an Geld für Kosmetikprodukte und Mode aus. Vielen Männern ist es geradezu unheimlich, warum ausgerechnet Männer Marke „Metrosexuell“ bei Frauen so wahnsinnig gut ankommen.
Die Wahrheit: Der Begriff setzt sich aus metropolitan und heterosexuell zusammen und bezeichnet in erster Linie einen extravaganten Lebensstil heterosexueller Männer, die auf das maskuline Rollenbild pfeifen. „Der metrosexuelle Mann ist zuallererst heterosexuell“, erklärt Lisa Fischbach. „Zudem ist er modebewusst, legt wert auf sein Äußeres. Er spielt dabei zuweilen mehr oder weniger bewusst mit homosexuellen Facetten und hat keine Angst vor seiner Weiblichkeit.“ Also eine Art Verweiblichung des Mannes mit äußerst hübsch anzusehenden Nebenwirkungen. Um metrosexuell zu sein, bedarf es schon einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Und genau das ist eigentlich sehr männlich und punktet bei Frauen ungemein.
Der neue Mann
Das Klischee: Ähnlich wie der Frauenversteher kein richtiger Kerl, häufig Hausmann. Auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennen.
Einer, der den Haushalt im Griff hat, gut kochen kann und immer die Sonderangebotsseiten in der Zeitung studiert. Er würde seine Karriere auch zugunsten der Partnerin zurückstellen oder gar ganz zu Hause bleiben. Letztlich belächeln ihn viele Geschlechtsgenossen argwöhnisch, weil sie ihm nicht abnehmen, dass er all dies freiwillig tut.
Die Wahrheit: Er ist so etwas wie der emanzipierte Frauenversteher von damals. Lisa Fischbach: „Ihm gelingt es, mit einer Frau eine gleichberechtigte Beziehung zu gestalten, in der er weder seine Bedürfnisse verleugnet, noch diese rücksichtslos durchsetzt.“ Er findet sich einerseits zwar durchaus männlich, hat aber andererseits auch keine Probleme, zu kochen, sich um die Kinder und gleichzeitig liebevoll um die Partnerin zu kümmern.
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