Rasieren oder nicht rasieren - das ist hier die Frage.
Gibt es gegenwärtig einen neuen Trend in Sachen Körperhaare oder nur eine kleine Gruppe von Männern, die es leid sind, sich ständig die Brust, Rücken, Bein- und sogar die Intim-Haare zu rasieren?
Fragt man in der Elektroabteilung eines großen Warenhauses nach verkauften Rasierern für Männer und Frauen, die speziell für das Entfernen von Körperhaaren ausgerüstet sind, ist kein Rückgang im Konsum zu verzeichnen. Das gilt ebenso für kosmetische Haarepilationsangebote für Frauen. Angebote, die dauerhafte Haarlosigkeit an den richtigen Stellen versprechen, laufen sehr gut. Dennoch ist der Bart bei Männern wieder moderner geworden. Nicht unbedingt der schmale Oberlippenbart, der hat immer noch einen recht konservativen Touch. Angesagter ist der Dreitagesbart, Ziegenbärtchen, wie sich Brat Pitt oder Jonny Depp immer mal wieder wachsen lassen, oder sogar ein richtiger Vollbart. Zudem lässt sich eine zaghafte Wiederbelebung der Körperhaare feststellen, selbst wenn sich sehr viele Deutsche ihrer Körperhaare entledigen.
Wie eine aktuelle Untersuchung der Uni Leipzig zeigt, dass auch bei Männern ein haarloser Körper inzwischen als Schönheitsideal gilt. Mehr als 97 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der Männer entfernen regelmäßig Haare an mindestens einer Region ihres Körpers. Die Wissenschaftler halten dies aber nur für eine Modeerscheinung - und sagen üppigerer Körperbehaarung ein Comeback voraus. Was viele Frauen heute an Männern ästhetisch finden, wäre in der Vergangenheit als sexuelles Ausschlusskriterium gedeutet worden. Schaut man in der Evolution zurück, so sahen Frauen in einem behaarten Mann einen gesunden und kräftigen Partner, der in der Lage war, die gemeinsamen Kinder groß zu ziehen. Männer sind im Normalfall auf Brust, Bauch, gelegentlich sogar Schultern und meist an Armen und Beinen mehr oder weniger stark behaart. Frauen fehlt dies Merkmal, denn es wird während der Pubertät von Testosteron gesteuert. Von diesem Sexualhormon besitzen Frauen nicht so viel.
Geht es nach der Aussage der Leibziger Universitätsstudie, wird das aktuelle Modeideal der "glatt rasierten Scham" nach und nach wieder aus der Mode kommen und sich das üppig wachsende Haar durchsetzten. Bei einigen Models und Schauspielern kann man bereits beobachten, wie sie selbstbewusst ihr Brusthaar zur Schau tragen. Das Gute an der Haarfrage ist doch, dass sich auch hier die Geschmäcker unterscheiden. Für den einen kann es nicht haarig genug sein, so findet der andere es besonders sexy, wenn sich jede Körperstelle aalglatt anfühlt. Kommen sich die Haarliebhaber und die Haarverächter nicht ins Gehege. Weiterer Vorteil: Haare sprießen immer wieder aufs Neue. So kann man experimentieren und je nach Partner und Partnerin sich mal mit oder ohne "Frisur" präsentieren.