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Polyamorie: Warum lassen wir uns darauf ein?
Polyamorie: Warum lassen wir uns darauf ein? (Kategorie: Trennungsblog)
Polyamorie oder: Die Kunst mehrere Menschen zu lieben. Die Fähigkeit? Die Idee? Geht das überhaupt?

Ja, in der Tat, der Gedanke hat Charme. Mehrere Liebschaften. So nebeneinander. Wenn es bei einer nicht gut läuft, geht man zur anderen. Wenn die eine Person besser in der Beziehung ist, ist der andere vielleicht optisch netter und besser im Bett. Arbeitsteilung sozusagen. Und die mit denen man das macht, können das ja auch dann genauso halten. Es ist sicherlich auch eine gute Alternative zum fliegenden Wechsel. Man wechselt nämlich gar nicht. Man nimmt einfach beide. Toll, oder?

Natürlich hatte die Leserin, die das vorschlug, zumindest in einem recht. Denkverbote gibt es nicht. Und in der Leibe scheint es nichts zu geben, dass es nicht gibt. Grundsätzlich muss man da natürlich zwischen zwei Formen unterscheiden: Zwischen den "echten" Polyamoren, die an Beziehungen mit mehr als zwei Menschen glauben (bei der dann alle damit einverstanden sind) und denen, die polyamor sind, weil sie zweigleisig fahren und einfach der Einfachheit halber zwei Partner haben. Besser bekannt als "fremdgehen." Die zweite Gruppe ist eigentlich nicht das, was man mit diesem Begriff meint. Es ist schlichtweg eine Art der Ich-Bezogenheit. Wenn man sich selbst für den Mittelpunkt der Welt hält und alle anderen Menschen dazu dienen, diese Welt anzureichern, bequemer, angenehmer und besser zu machen liegt es nahe, dass bestimmte Posten da einfach doppelt besetzt werden. Das tut vielleicht den Partnern weh und dient eigentlich nur einem selbst – und wenn diese Leute dann auch noch von Liebe reden, scheint es doch hauptsächlich um die Liebe zum eigenen Leben zu gehen. Ob sie damit so falsch liegen und wir Menschen, die stärker andere lieben, damit so glücklich werden, lasse ich hier mal offen. Oder besser noch: Ich rede nächste Woche drüber.

Polyamorie meint auch nicht die "offene Beziehung". Das ist ja eher eine sexuelle Sache.

Nein, Polyamorie bezieht sich auf Beziehungen, in denen mehr als zwei Personen miteinander verbunden sind. In der Welt der Literaten und Philosophen waren es meistens zwei Männer und eine Frau. Obwohl ich es aus dem alltäglichen Leben meistens eigentlich anders kenne. Ein Mann hat zwei Frauen. Die sich wiederum akzeptieren. Voneinander wissen. Vielleicht sogar auch eine Beziehung zueinander aufbauen. Ich nehme an, das liegt daran, dass Männer nicht gerne teilen und das Sachen, die man halb erobert, einfach nicht so reizvoll sind. Und eigentlich liegt darin wohl das große Problem, oder?

Die Qualität einer Beziehung liegt unter anderem in ihrer Exklusivität. Intimität, Vertrauen, Zuneigung gedeihen bei den meisten Menschen (und Menschen sind ja von Natur aus misstrauische Tiere) besser im abgeschlossenen System und nicht in der Gruppe. Ich denke, Polyamorie hat viel damit zu tun, dass ein Teil einen Zustand "schluckt" um den Partner nicht zu verlieren. So kommt es mir jedenfalls vor. Die Alternative zum fliegenden Wechsel des Partners. Man akzeptiert die dritte Person. Aber ist da gut oder eher schlecht?

Verallgemeinerungen scheinen mir hier nicht angebracht. Das hat nichts mit Moral zu tun. Ob es dabei aber um Liebe geht? Ob man überhaupt zwei Menschen gleich, unterschiedlich oder gar gleich viel lieben kann? Das hängt wohl davon ab, was man für Liebe hält. Leser meines Blogs wissen, viel Vertrauen habe ich nicht in dieses Gefühl, dass sich Liebe nennt. Es ist kein Zustand in dem man Dinge klarer sieht oder sich selbst vertrauen kann. Eigentlich weiß man erst, nachdem die Liebe weg ist, etwas über sie. Menschen, die geschlagen werden vom Partner, lieben diesen. Menschen, die betrogen werden, lieben oft auch weiterhin den Partner. Menschen, die verlassen werden, auch. Und was ganz besonders auffällt: Die Menschen, die sie lieben haben oft so gar keine Ähnlichkeit mit ihren Partnern. Ich denke, zu akzeptieren, dass Liebe eine ziemlich Definitionssache ist, ist der Schlüssel dazu, die Idee von Polyamorie zu akzeptieren. Man sagt einfach, dass das, was man fühlt, Liebe ist. Und das empfindet man halt für mehrere. Eifersucht, Leid und Streit werden sicher nicht in solchen Dreierkonstellationen ausbleiben. Aber so ist das halt mit komplizierten Geschichten.

Für wen das funktioniert: Super! Aber bitte nicht beschweren, wenn das Ganze in einem Alptraum endet. Denn eines muss man immer realisieren: Je mehr Menschen es gibt, mit denen man sich das eigene Leben teilt, umso weniger wird es einem selbst gehören. Von daher sollte man selbst wohl wenig Freiraum brauchen und viel Bedarf nach Beziehung haben um so was auszuprobieren. Und meistens wird man das Ganze wohl auch aus ganz einfachen, egoistischen Gründen suchen: Ego. Sex. Bedürfnisbefriedigung.

Das ist jetzt aber auch nichts, dass wir nicht auch aus den Zweierbeziehungen kennen, oder?


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8 Antworten zu “Polyamorie: Warum lassen wir uns darauf ein?”

  • Tina sagt:

    Vielleicht akzeptiert man polyamore Beziehungen nur, weil man seinen Partner nicht verlieren will. Wer will schon gerne teilen?

  • Reno sagt:

    Liebe Tina,
    aber haben Sie denn einen Partner?
    Er gehört Ihnen nur, solange Sie bei Ihm sind, körperlich anwesend.
    Dabei ist er nicht an der Lösung von Problemen interessiert, sondern denkt schon an die nächste Partnerin, falls etwas schiefläuft. Sie wollen immer 100 Prozent geben, er weiß das und es befriedigt sein Ego. Man kann nichts zurückkriegen und läuft ins Leere, man verausgabt sich.
    Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten, auch wenn man den Menschen aus welchen Gründen auch immer – noch liebt.
    Reno

  • Ina sagt:

    Aber hat man seinen Partner nicht bereits verloren, wenn man ihn teilen muss – und das nicht im eigenen Interesse ist? Sich dieser Tatsache bewusst zu werden und dann auch daraus die Konsequenzen zu ziehen ist vielleicht die Schwierigkeit. Hält man nur daran fest, weil es einfacher als eine Trennung ist? Weil man sich einreden will, dass das Herz des Partners doch irgendwann alleinig für einen selbst schlägt?

  • klara sagt:

    Hallo,
    ich muss sagen, dass ich momentan nicht polygam leben könnte. bin gerade noch in einer verzwickten beziehung, wo ER polygam lebt bzw. es noch nicht dazu gekommen ist, er es aber gerne möchte.
    er hat auf der insomnia seite (swingerclubchat) nen mädel angequatscht, und sie haben sich gestern abend um 18uhr getroffen. um 21.15uhr kommt dann eine sms von ihm, dass er in lichtenberg bei ricke übernachtet, also bei ihr….
    ich konnte kaum atmen, habe totale panik bekommen und habe angefangen, zu weinen und zu wimmern.
    die emotionale distanz, die ich aus seiner sms herauslesen konnte, war enorm.
    wir haben bisher in einer monogamen beziehung gelebt (seit ca. 2 jahren, kennen tun wir uns seit 5) und das tat ihm nicht gut. er wollte frei sein, und ich ließ ihn frei sein…bisher war nichts großes passiert, aber ich habe von anfang an gespürt, was bei ihm los ist…
    jedenfalls wollten wir heute eigentlich in einen park gehen, picknicken.
    ich habe ihm abgesagt, mich entschuldigt und gesagt, ich kann ihn heute nicht sehen, bin traurig und es geht mir nicht gut und das ich nachdenken muss. ich würde mich morgen be ihm melden und würde mich über ein gespräch freuen, bei dem man reden könne.
    handy ausgemacht.
    stille.
    herzklopfen, zittern…

  • klara sagt:

    ich kann mich nicht selbst belügen, ich kann das einfach nicht…
    ich halte es nicht aus, mir vorzustellen, wie er eine andere küsst.
    ich weiß zwar nicht, was passiert ist heute nacht, aber das ist egal, denn ich weiß jetzt 100% dass das für MICH nicht geht.
    ich bin mit ihm zusammen geblieben, weil ich dachte, vielleicht klappt das ja wenn er mit anderen frauen…. aber klappt nicht.
    vielleicht war ich auch naiv, und dachte, er merkt dann, dass er doch nur mich will und nichts und niemand anderes braucht.
    aber das ist naiv…
    ich liebe ihn, aber ich habe mich selbst vernachlässigt, mich um meine gefühle vielleicht sogar betrogen, denn ich bin so egoistisch, um sagen zu können, dass ich toll bin, und wenn man mich hat,braucht man niemand anderes….
    ich habe angst, mit ihm morgen zu reden, denn er diskutiert gerne und mich meistens in grund und boden…und möchte nicht, dass er meine ”trennung” nicht annimmt, nicht akzeptiert….
    aber für ist klar, so sehr ich ihn liebe, ich kann das nicht…ich bin emotional einfach zu verbunden und nicht distanziert genug…

  • Irmi sagt:

    Madame Carla Bruni Sarkozy Präsidentengattin und First Lady Frankreichs wird in ihrer Biografie, die demnächst erscheint zitiert "Monogamie langweilt mich fürchterlich". Hört, hört, auch sie scheint Mehrfachbeziehungen nicht abgeneigt zu sein….
    In anderen Kulturkreisen ist es ganz selbstverständlich Mehfachbeziehungen zu haben, meines Erachtens liegt das Problem in unserer Erziehung zur Monogamie, dass wir dies nicht tolerieren können.

  • Sandra sagt:

    Ich kann die vorangegangen Kommentare sehr gut verstehen – mir fehlt hier aber ein wichtiger Aspekt:
    Ich selbst habe eine kurze Zeit in einer polygamen Beziehung gelebt – was in den voran gegangen Kommentaren beschrieben wird ist, ist aber eben nur das fremdgehen (wenn auch pseudo-offen) und keine wahre Polyamorie. Für mich könnte das funktionieren – wenn beide Partner den z.B. 3. Partner jeder für sich wirklich liebt. Dann gibt es auch das typische "Teil-Gefühl" nicht.
    Für mich habe ich festgestellt: Es wäre eine schöne Lebensgestaltung – wenn sich die Partner untereinader wirklich lieben – und nicht nur einer den anderen und der andere beide.
    Es muss ehrlich
    Das allerdings ist sehr schwer zu finden, da es offenbar ja schon wenige gibt, die kaum schaffen einen partner wirklich lieben zu können – von zweien mal ganz zu schweigen……woran auch meine/unsere Beziehungsform gescheitert ist – da sich rausstellte dass nicht alle gleich interessiert daran waren, dass es funktioniert.
    Mit (poly)-lieben grüßen ;)
    Sandra

  • Buck sagt:

    Ja, aber andererseits funktionieren die meisten monoamoren Beziehungen ja auch nicht, oder?