Telefonspeeddating - ein neuer Trend? Kann ich mir eigentlich nicht so recht vorstellen. Zu viele Faktoren, die außen vor bleiben.
Eine neue Variante des Speeddating erscheint auf dem großen Markt der Partnervermittler: Das Telefonspeeddating.
Sie kennen sicher die Regeln des "einfachen" Speeddating: Sieben Frauen sitzen sieben Männern gegenüber; man kennt sich nicht und hat nun entsprechend einige Momente Zeit, dem Anderen auf den Zahn zu fühlen. Nach wenigen Minuten rückt die Männergruppe einen Stuhl weiter, und das Spiel geht wieder von vorne los. Wer sich sympathisch findet, kann dies auf einem Zettel vermerken, und letzten Endes werden dann die Telefonnummern ausgetauscht.
Speeddating gibt es bekanntlich in mehreren Variationen, und es offenbart verschiedene Vor-, aber auch Nachteile, auf die ich in einem anderen Artikel bereits eingegangen bin. Nun las ich vor Kurzem im Hamburger Abendblatt vom sogenannten "Telefonspeeddating". Dieses Angebot kommt vor allem den bequemen Singles entgegen. Man muss nämlich hierzu noch nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen, geschweige denn sich optisch zurecht machen.
Werden wir konkret. Beim Telefonspeeddating muss man sich zunächst für eine Telefonsitzung registrieren lassen. Danach erhält man eine SMS mit einer Telefonnummer. Wird diese gewählt, erhält man "Zutritt" zu einer Session, an der mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus derselben Region beteiligt sind. Dann werden die weiblichen mit den männlichen Singles verkuppelt. Das heißt, man hat drei Minuten Zeit, einander kennenzulernen. Danach wird das Gespräch gekappt – und ein neuer Single wird zugeschaltet, und so weiter. Sind beide gewillt, den Erstkontakt zu intensivieren, können sie die Telefonnummern austauschen.
Nun, was ist von diesem Service zu halten? Unvoreingenommen betrachtet könnte man annehmen, dass das Telefonspeeddating eine pragmatische Sache sei. Zeit wird gespart, und man kann beim Telefonieren zeitgleich sogar noch anfallende Haushaltsarbeiten verrichten.
Ein gravierender Nachteil ist aber nicht von der Hand zu weisen, und der liegt darin: Telefonspeeddating reduziert den natürlichen Annäherungsprozess immens. Das heißt, ich kann nicht das Aussehen meines Gegenübers – wie beim herkömmlichen Speeddating – berücksichtigen. Und Sie wissen ja: Die Optik ist in Bezug auf den Ersteindruck sehr wichtig. Des Weiteren fallen Mimik und Gestik komplett weg, die beiden Faktoren sind ja völlig ausgeblendet. Auf der anderen Seite bleiben nur die Stimme und das, was gesagt wird. Bei diesen Voraussetzungen ergibt sich Raum für Idealisierungen des Gesprächspartners. Und wenn sich dann beide "in der Realität" treffen, kann die Enttäuschung groß sein. Ein Lottospiel also.
Fazit: Wer effizient bei der Partnersuche vorgehen will, greift besser auf andere Methoden zurück.