Das Oktoberfest - bei vielen eine feste Institition im Jahr, auch wenn sich das Gesicht in den letzten Jahren gewandelt hat.
Früher bin ich noch richtig gerne zum Oktoberfest gegangen. Heute ist das eine Abfüll-, Abspeise- und teilweise auch Abzock-Industrie geworden.
Ein Jahr im voraus Tisch reservieren (und bezahlen!), durch ein Menschengewühl zum Zelt durchkämpfen, die bedeckt sind mit einem Glasscherben-Pappteller-Würstchenreste-Bier-Schlamm, trotz strömenden Regens in einer unangenehmen Menschenansammlung vor dem Bierzelt verharren und demütig auf Gnade des Herrn Türstehers wartend in der Oktoberkälte zittern, wie ein 17jähriger Disco-Jüngling, der um die Gunst der Einlass-Erlaubnis in seinen Tanztempel buhlt.
Wird man endlich vorgelassen, bekommt man gnadenlos das Schlachtbrett aufgetischt, und alle sieben Minuten spielt die Kapelle "ein Pro-sit, ein Pro-ho-sit der Gemüt-lich-keit", damit das Bier auch läuft. Ist die Schicht um, kommen die Rausschmeißer, die aussehen, wie die privaten U-Bahn-Sheriffs, und tun unsanft ihre Pflicht.
Kein Taxi, dafür hauptamtliche U-Bahn-Drücker, die bewirken, dass selbst Volltrunkene in der U-Bahn nicht mehr umfallen können. Stil hat das alles nicht, auch nicht die türkis-blauen Leder-Hot-Pants der Tatjana Gsell, die am Nebentisch mit ihrem Prinzen und ein paar alten Männern saß. Und auch die kultiviertesten Gäste mit der besten Kinderstube verlieren vor diesen Qualen leicht ihre Contenance.
Trotzdem: Wenn man so gemütlich in seiner Box mit alten Freunden sitzt, im einmal pro Jahr dem hintersten Schrankwinkel entnommenen Trachtenjanker mit den hübschen schmausigen Mädchen im Dirnd'l und den kecken Buabn mit ihren mit Stolz getragenen Krachledernen – das hat schon was! Im nächsten Jahr sehen wir uns dann doch alle wieder, und anschließend geht's – wie immer – ins P1.