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Nicht trennen – romantisieren! (Teil 2)
Nicht trennen – romantisieren! (Teil 2) (Kategorie: Liebesblog)
Der zweite Teil hat auf sich warten lassen, aber unser im September erschienenes Buch: "Treue ist auch keine Lösung - Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe", hat uns in letzter Zeit stark eingebunden. Kommen wir noch mal zurück auf die große Herausforderung der ursprünglichen Romantik: Die Welt zu romantisieren, indem man den eigenen Blick auf sie bewusst verändert.

Man könnte da glatt von Manipulation sprechen. Rüdiger Safranski schreibt dazu in seinem sehr lesenswerten Buch Romantik – eine deutsche Affäre: „Wenn man den romantischen Wunsch nach Veränderung auf eine kurze Formel bringen wollte, müsste man sagen: Die in der Wirklichkeit noch verborgenen Möglichkeiten sollen mit spielerischer und zugleich erkundender Phantasie sichtbar gemacht werden.“

Was das praktisch bedeuten kann, erzählte mir eine der im letzten Beitrag erwähnten rbb-Mitarbeiterinnen. Die Ehe ihrer Eltern erschien ihr meist recht ausgewogen und glücklich zu sein, ganz zu schweigen von großer, zeitlicher Beständigkeit. Als erwachsene Frau fragte sie deshalb ihre Mutter, ob sie ein Geheimrezept habe -  irgendetwas, das sie ihr mitgeben könne, als Tipp für die Bewältigung möglicher eigener Beziehungsflauten. Die Antwort gereichte ihrer Mutter zur Ehre und ich würde bei ihr sofort „echten Romantizismus“ diagnostizieren. Eine Form der Wahrnehmungsstörung, die ich nicht mal unter Androhung von Folter „behandeln“ würde.

Wann immer nämlich besagte Romantikerin das Gefühl hatte, ihre Ehe – und das heißt ja subjektiv empfunden ihr Mann – habe an Glanz verloren, bediente sie sich einer Technik, die mir auch ein Kollege mit Erfahrung in Erickson’scher Hypnotherapie hätte empfehlen können: Sie nahm sich bewusst vor, ihren Mann so zu sehen, als sei er der größte Glücksgriff ihres Lebens, die Freude ihres Herzens, die Erfüllung ihrer heimlichen, leidenschaftlichsten Gebete – kurz, als wäre er der tollste Mann der Welt! Ihr Mann blieb natürlich der gleiche, doch trotzdem veränderte er sich dadurch. Zunächst in ihrer Wahrnehmung, aber dann auch als Reaktion auf ihre Art Kontakt aufzunehmen. Ich überlasse es Ihrer Phantasie (ich war ja auch nicht dabei) sich vorzustellen, wie sie sich wohl verhielt, wenn sie ihren Mann durch diese „Brille“ betrachtete… aber sicherlich tendenziell positiver. Und das erhöhte natürlich die Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden Reaktion. Das nannte Novalis die qualitative Potenzierung. Sie tat so „als ob“ und siehe da: Es wirkte! Sie brachten plötzlich wieder beide das Beste im anderen hervor.

Wenn Sie also in die Runde schauen und sehen einen unerquicklich alltäglichen Partner oder Sie finden als Single die Männer oder Frauen, sagen wir mal wenig inspirierend, dann hauchen Sie ihnen doch einfach mal neues Leben ein – Schönreden kann helfen!

Dreimal täglich, vor den Mahlzeiten!


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