Was ist das eigentlich mit Nerds und Frauen? Ich habe mich das in letzter Zeit öfter gefragt, insbesondere weil das Fernsehen mich ja mit sämtlichen Tv-Sendungen und Tv-Beiträgen bombardiert, die mir weismachen, dass Nerds irgendwelche Sozialkrüppel ohne Freunde sind, die nie ein Mädchen abkriegen.
Für die, die die letzten zehn Jahre Jugendkultur verpasst haben, Nerds sind junge Leute (oft Männer), die sich ganz und gar dem Konsum von Medien hingeben und im Ruf stehen, mehr über Star Trek, Internet oder Comics zu wissen, als das wirkliche Leben. Man sagt ihnen nach ungewaschen zu sein, keinen Sport zu machen und nur unter sich zu bleiben. Witzigerweise stehen sie irgendwie auch im Ruf intelligent und technologisch versiert zu sein. Ich glaube, letzteres ist einfach so und wurde deshalb im Laufe der Jahre Teil ihres Images. Sie treiben sich auf Cons rum, das ist kurz für Convention. Eine riesige Veranstaltung mit irgendeinem „nerdy“ Oberthema. Comics. Computerspiele. Technologie. Die Zukunft. Dort treffen sie einander und wenn gerade keine Con ist, dann reden sie über Chat oder spielen Online-Spiele. Sie sind in der allgemeinen Vorstellung der Medien und Welt völlig unattraktiv für Frauen. Sie sind das Gegenteil des sportlichen, flachbrettbäuchigen, verwegenen Draufgängers den man als Traummann so medial verkauft kriegt.
Sie sind so unvermittelbar als Singles, es gibt sogar Tv-endungen über sie. „Das Model und der Freak“. Wo irgendwelche unterbelichteten Mädels in schlecht geschnittenen Beiträgen aus einem Nerd einen coolen Typen machen. Das Model und der Freak. Die Welt ist sich einig: Willst du eine Freundin, musst du dich ändern.
Mich persönlich hat das nie gestört. Ich bin zwar irgendwie ein Nerd, aber niemand nennt mich so. Klar, ich habe Internetchatgruppen, als ich jünger war hab ich Tv-Serien in Massen geguckt und ich kann auf einer Party durchaus eine beeindruckende Theorie zum Smokemonster von LOST hervorzaubern oder warum Spielberg mit Indiana Jones 4 sich selbst verraten hat. Ich sehe auch nicht aus wie ein Model, obwohl ich keine langen Haare und Simpsons-T-Shirts trage. Trotzdem ist mir irgendwann aufgefallen, hatte ich eigentlich nie so große Probleme mit Frauen. Ich fand zumindest nicht, dass ich mehr Probleme hatte als andere Jugendliche. Und auch die Leute in meinem Freundeskreis waren da nicht wirklich belastet. Selbst die Mädels nicht. Moment. Die Mädels?
Ja, die Mädels. Es gibt nämlich weibliche Nerds. Und das sind gar nicht so wenige. Ich habe keine Ahnung wie RTL die immer rausschneidet, wenn sie Berichte über Comic-Cons machen, aber tatsächlich rennen da gar nicht so wenige Mädels rum. Junge Männer, junge Mädchen, ein Star Trek-Marathon bis zum Einschlafen und Übernachtungen in Zelten. Lasst eure Fantasie spielen. Aber abgesehen von den Nerd-Mädels, die oft lustigere Typen als die durchschnittliche Castingshow-Guckerin sind, scheinen Nerds auch sonst eher Probleme im Alter von 13 – 17 zu haben. Wenn überhaupt. Was ändert sich danach? Werden sie erwachsen? Naja, meistens eigentlich nicht. Ich wurde noch schlimmer im Studium. Aber sie werden cool. Computer sind plötzlich Arbeitsgeräte und wer sie beherrscht wird gebraucht. Sie bilden riesige Gruppen auf Parties und wissen mehr über jede Art von Serie und Film als der Rest. Wenn sie clever sind, lassen sie das aber nicht raushängen, sondern verteilen Filmtipps. Sie werden erfolgreich, weil sie in der Regel viel fokussierter sind als die Frauenhelden. Und mit dem Erfolg werden sie zur Premiumware. Die weiblichen Nerds werden diese „echten“ Mädels. Die Frauen, die sich nicht irgendwelchen Vorstellungen anpassen, sondern authentisch sind. Die Kerle werden die Underdog-Helden. Die Kerle mit denen man es probiert, nachdem man feststellt, dass der Sportstudent einen doch immer nur betrügt.
Und dann kommen die 30er. Tja, die Nerd-Mädels sind unter der Haube, zumindest war das bei mir so. Nach zehn Jahren Beziehung oder so. Die Nerd-Kerle sind inzwischen erfolgreich. Ein Professor von mir hatte mal die Schnauze voll von einem Fußballspieler, der immer auf seinem Kumpel rumhackte und setzt sich in der Vorlesung plötzlich auf deren Tisch. „Seien sie nett zu ihrem Kumpel, junger Mann. Ich hab Ihre Klausuren korrigiert und sie werden ihn eines Tages um einen Job bitten müssen.“
Die Geschichte war jahrelang okay. Bis tatsächlich zehn Jahre später eben jener Kerl der Angestellte seines Kumpels wurde. Und seinem Kumpel ganz nebenbei die Erlaubnis gab, seine Ex zu heiraten. Wahre Geschichte. Ich muss heut noch schmunzeln, wenn ich es höre.
Was ich also hiermit sagen will ist: RTL, Pro7 und Die Bild können Euch nicht sagen, wer Ihr seid, sondern nur, was sie aus Euch machen wollen. Kein Film wird heute mehr unter Zustimmung der Nerd-Kultur gemacht, kein Spiel produziert, keine Erfindung mehr durchgesetzt. Man sollte sich einfach nie sagen lassen, man müsse cool sein. Weil cool sein zu wollen, ist immer noch das Uncoolste, was es gibt.