Ja, ja. Die Monogamie. Einige halten sie für selbstverständlich, andere reden viel drüber und pfeifen auf sie. Ein nicht kleiner Kreis von Menschen glaubt auch, dass sie ein totes Konzept ist.
Was ist die Monogamie? Eine zivilisierte Art, Beziehungen zu führen oder der ultimative Ausdruck von Besitzansprüchen und Verlustängsten? Ist sie sinnvoll, gefährlich oder wenigstens glücksspendend für Partner?
Ich betrachte hier mal die Gedanken, die sich Menschen zu dem Thema machen. Monogamie, so sagen immer mal wieder schlaue Promis, sei nicht die Natur des Menschen (Mannes) und allein deshalb schon nicht auf Dauer zu leben. Warum soll man sich auch auf nur einen Partner einlassen können? Warum lässt der Partner mir nicht, was ich brauche, wenn er mich liebt? Sind Liebe und Sex nicht eh zwei Sachen, die wir nur aus Versehen immer vermischen? Gegenfrage zur letzten Frage: Dann schlaft ihr Schlauberger nicht mit den Leuten, die ihr liebt? Ohnehin, irgendwie sind all diese Fragen natürlich immer nur die Variation der großen Frage, die unsere egomanische, völlig selbst zentrierte und aufs äußerste gelangweilte Gesellschaft umtreibt: Warum eigentlich dreht sich die Welt nicht um mich? Warum kann ich nicht alles haben was ich will?
Und jetzt kommt eine Überraschung. Darauf habe ich sogar mal eine Antwort. Man kann nicht lange als Jurist arbeiten, ohne diese Wahrheit nicht früher oder später mit bestechender Klarheit zu sehen.
Warum kannst du nicht alles haben? Weil du es dir nicht leisten kannst! Alles im Leben hat einen Preis und wenn du nicht alles haben kannst oder nicht alles hast, liegt das wohl daran, dass du es dir einfach nicht leisten kannst.
Wissen Sie noch, als Sie als Kind frustriert waren, dass es so viele rote Gummibärchen im Laden gab und die Eltern aber nur ein Päckchen kauften? Das Leben ist das Gleiche, nur mit anderer Verpackung.
Und da sind wir an der Achillesferse der Polygamisten. Sie vögeln in der Regel viel herum und sagen, dass ihre Beziehung trotzdem oder sogar deswegen einfach SUPER ist. Dann, drei Jahre später sind sie in einer monogamen Beziehung zu irgendwem anders. Dann war es nur ein Experiment. Nein, bisher muss die große polygame Gesellschaft noch auftauchen, um uns zu zeigen, dass das auf Dauer klappt, oder? Kommen Sie mir nicht mit lateinamerikanischen Indios. Oder wollen Sie in den Urwald ziehen?
Aber Stopp. Ist das wahr? Immerhin betrügen täglich Million Menschen ihre Partner (ich habe dieses Wissen aus diversen Klatschzeitschriften, alleine diese Promis) und das ist ja wohl kein Zeichen dafür, dass Monogamie gut ist, oder? Oder funktioniert.
Was sind denn die Argumente der Monos? Mongamisten heißen sie ja eigentlich. Aber wegen ihrer eintönigen Argumente werde ich sie jetzt einfach Monos nennen. Monos glauben einfach, dass muss so sein. Es ist moralisch richtig und menschlich fair. Es ist außerdem stabil und stabil ist ja wichtig in Beziehungen. Hm, ich muss sagen, die schneiden nicht besser ab. Menschlich fair? Oh Gott, ich kenne Frauen, die es wirklich verdienen, betrogen zu werden, so furchtbar sind die! Und Typen? Gott, wenn man mal wieder vor Gericht einen Kerl hat, der seine Frau vor der Scheidung noch mal ehrlich verprügelt hat, möchte man nur hören, dass sie bitte, bitte, bitte sich nicht für diesen liebenswerten Schatz von einem Schläger aufgehoben hat, weil das „fair“ war. Moral ist eh kein Argument. In dem Moment wo ALLE sagen, man muss zwei Menschen haben mit denen man es tut, ist man moralisch und die Monos sind die Bösen.
So, sind wir schlauer? Nö. Und jetzt bring ich meinen Gedankengang. Und der ist eher egomanisch und trotzdem der Grund, warum ich nie eine Freundin betrüge und dasselbe von ihr erwarte. Es geht um Exklusivität. Exklusive Dinge sind wertvoller und etwas, das ich teile, ist einfach weniger wertvoll. Und ich führe keine weniger wertvollen Beziehungen, weil mein Leben dafür zu kurz ist. Und ich verliebe mich oft erst nach dem ersten Sex. Leider manchmal auch nicht, aber das ist ein anderes Thema. Was bedeutet, ich würde ständig meine Partnerin dem Risiko von Konkurrenz aussetzen und sie ebenso. Das würde schief gehen. Irgendwann. Und Gott, ich habe so viele Beziehungen in den Sand gesetzt, dass die mich hier bei ElitePartner mal den Trennungsblog haben schreiben lassen. Ich habe genug davon. Inzwischen führe ich Beziehungen, damit sie halten und nicht damit ich Spaß habe. Komischerweise habe ich davon aber mehr seitdem.
Ich bin Mono. Ich geb’s zu.
Ja ja, die Monogamie.
Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass jeder sein Leben so leben sollte, wie es ihn/sie am glücklichsten macht, auch wenn das für manche heißt (und darauf läuft es ja hinaus) Sex in unbeschränktem Maße zu haben. Meist liegt hierbei schon der Hase im Pfeffer vergraben, weil es oft nur einer der beiden Partner wirklich toll findet, sich möglichst vielen Partnern zur „Verfügung“ zu stellen.
Sicher neigen wir in unserer Gesellschaft dazu “alles” haben zu wollen. Dass bringt uns ja schließlich die Werbeindustrie von klein auf bei. Dazu kommt, da es uns sicher “zu” gut geht (hier wollen wir doch ehrlich sein) und wir zudem immer noch mehr wollen. Leider ist es aber wenigen von uns vergönnt, wirklich exklusive Sachen zu besitzen. Im Prinzip haben viele die gleichen Dinge wie du und ich. Insofern kann ich den Ansatz von Herrn Leyendecker ganz gut verstehen. Das ist auch der Punkt, in dem ich mit Herrn Leyendecker übereinstimme. Eine Partnerschaft, ist eines der wenigen exklusiven Dinge unserer Zeit, die man nur für sich hat. Ich weiß jedoch nicht, ob etwas weniger wert ist, wenn ich es mit anderen teile (das ist mir zu einfach). Es gibt eine Menge Dinge die mir einfallen die ich gerne teile, ohne dass mir diese weniger Wertvoll erscheinen – wozu hat man bspw. Freunde.
Ohne an dieser Stelle Besitzdenken zu propagieren bzw. zum Einengen des Anderen aufzurufen, denke ich, dass Monogamie im Wesentlichen etwas mit Vertrauen zu tun hat. Vertrauen ist leider (oder zum Glück) eines der Dinge, die man sich zwar verdienen, jedoch nicht erkaufen kann.
Wir alle haben gute und schlechte Zeiten in unserem Leben und gerade in „schlechten Zeiten“ rückt das Vertrauen in den Vordergrund. Die „schönen Zeiten“ teile ich ohnehin gern mit meiner Partnerin, aber die „wirklich schlechten Zeiten“ überwinde ich am besten mit dem Menschen der mir – und eben nur mir – nahe steht und dem ich voll und ganz vertraue.
Sicher kann man an dieser Stelle dagegen halten, dass es auch Vertrauen unter Freunden gibt, aber ich denke, das ist dann doch etwas anders zu bewerten. Wem vertrauen Sie am meisten?
Ja, ich gebe es auch zu, ich bin auch Mono ;O)
Meingott – ich habe noch nie in einer halbwegs ernst gemeinten Auseinandersetzung mit diesem Thema so viel sinnloses gelaber gelesen – nix für ungut – 0 Punkte.
Ein toller Beitrag. Hinzufuegen bleibt noch, dass man/frau sehr viel Abwechslung auch mit einer Partnerin/einem Partner haben kann und das wiederum fuer viel Spass sorgt. Natuerlich ist es einfacher, die Abwechslung ueber Quantitaet zu suchen, aber ueber die Qualitaet ist es auf Dauer intensiver. Eine richtig gelebte Monogamie ist also gar nicht so schlecht wie ihr nachgesagt wird
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Lieber Sebastian,
ich würde für mich selber sagen: die Monogamie ist eine persönliche Entwicklung. Nachdem Mann oder Frau viele andere Erfahrungen gesammelt hat, kann er oder sie sich bewußt dafür entscheiden, das geht Ihnen ja auch so. Mir ist klar geworden, daß die Polygamie nur die Suche nach dem wirklich passenden Pendant ist. Ich hatte eine unglückliche Liebe zu einem verheirateten Mann, den ich als unglaublich passend empfunden habe, (nicht, weil ich ihn nicht haben kann), und alles, was danach kam, hat mich immer nur wieder daran erinnert, daß er der Passende war.
Meine bisherige Bilanz ist also, daß nur sehr wenige wirklich passen, und wenn ich mit so jemandem eine Beziehung habe, der paßt, dann brauche ich keine Polygamie für mein Ego, weil ich mich “angekommen” fühle. Die Bezeichnug “exclusiv” finde ich sehr schön. Man könnte auch sagen, daß eine ist Fast Food, das andere ein gesundes, nährendes und leckeres 5 Sterne-Menü.