Immer wieder passiert es mir, dass, wenn Frauen von meiner früheren Karriere erfahren, sie mich zuerst bewundern und dann enttäuscht sind, dass es damit nicht weitergeht. Soll ich meine Vergangenheit deswegen lieber verschweigen?
Sehr geehrte Damen und Herren,
darf ich Sie um Ihre Hilfe bitten und Ihnen meine schwierige Problematik schildern?
Ich hatte eine Zeit lang eine sehr interessante Karriere, die vor einigen Jahren aufgrund von Zeitverträgen und der Tatsache, dass ich nicht ins Ausland wollte, endete. Ein Versuch, mit einem Zweitstudium wieder einzusteigen, klappte nicht wegen der Doppelbelastung von Studium und Selbstfinanzierung. Zurzeit versuche ich, mithilfe von der Arbeitsagentur geförderten Weiterbildungen wieder ins Berufsleben zu kommen.
Immer wieder passiert es mir, dass, wenn Frauen von meiner früheren Karriere erfahren, sie mich zuerst bewundern und dann enttäuscht sind, dass es damit nicht weitergeht. Ich spüre einen riesigen Erwartungsdruck, der mich dazu bringt, meine Vergangenheit zu verschweigen und den Frauen aus dem Weg zu gehen. Das ist sehr frustrierend.
Was würden Sie mir in dieser Situation raten? Im Voraus vielen Dank für Ihre Hilfe.
Mit freundlichen Grüßen
Tristan*
*Name von der Redaktion geändert
Antwort: Machen Sie Ihre Schwächen zu Stärken!
Hallo Tristan,
Sie haben eine große Veränderung in Ihrem Berufsleben erfahren. Zu einem großen Teil unfreiwillig, weil nicht selber gewählt. Sie haben nach Alternativen gesucht, die aus diversen Gründen nicht zu realisieren waren. Sie leben nun mit einer berufliche Biografie, die einen gewissen Bruch aufweist, misst man Sie an Ihrem Karrierestart.
Das ist nicht leicht zu bewältigen und kratzt auch am eignen Bild von sich. Entscheidend ist daher, wie man eine solch gravierende Veränderung nach außen präsentiert. Aus Ihren Zeilen lese ich, dass sie nach dem Karriereende steinigere Wege gehen mussten. Möglich, dass Sie das Aufgeben der Doppelbelastung als Scheitern erlebt haben.
Jedenfalls scheint Ihre berufliche Entwicklung nicht Ihren Ansprüchen und Wünschen zu entsprechen. Nun stellt sich die Frage, wie sie damit umgehen. Also, wie Sie persönlich dazu stehen, aber vor allem, wie Sie diese Situation nach außen im Kontakt mit Frauen zeigen. Beginnen Sie beim Kennenlernen von Ihren erfolgreichen Jahren zu sprechen und betonen dies auch stolz im Gespräch, kann es wie ein Verlust wirken, dass Sie nun beruflich ganz woanders stehen. Besonders wenn man Ihre Enttäuschung und Unzufriedenheit über diese Entwicklung spürt, kann das manche Frauen irritieren. Der Weg ist nicht, Ihre Geschichte zu verheimlichen. Besser ist zu versuchen, die vermeintlichen Schwächen zu Stärken zu machen.
Wenn Sie von Ihrer jetzigen Phase als berufliche Neuorientierung sprechen, als Chance, noch mal eine ganz andere Richtung einzuschlagen, wirkt das selbstbewusst. Auch Ihre Entscheidung, nicht ins Ausland zu gehen, kann positiv dargestellt werden. Es wirkt eher attraktiv, wenn ein Partner nicht sofort mit wehenden Fahnen ständig seinen Standort für die Karriere wechselt und damit der Beziehung eine geringere Priorität beimisst. Fernbeziehungen können sehr belastend sein, vor allem wenn die Frau nicht sofort mitkommen kann.
Es liegt also an Ihrer Überzeugung, wie Sie mit der jetzigen Situation umgehen.
Beste Grüße
Lisa Fischbach