Das herrliche Sonnenwetter über die Ostertage hat viele vor die Tür gelockt, die Straßencafés waren voll, überall geschäftiges Treiben. Beste Gelegenheit in der Sonne sitzend meiner großen Leidenschaft nachzugehen: Sozialstudien zu betreiben. Das Ergebnis: Wunderbare Stilblüten kamen zum Vorschein.
In Kölns City verweilte ich beim angesagten In-Italiener. Als hätte die Sonne eine besondere Wirkung auf das "Zeig-was-du-hast"-Gen. Dicke Limousinen cruisten auffällig oft auf der angeblichen Suche nach einem Parkplatz wiederholt um die gut gefüllten Außenplätze des Restaurants. Besonders laut rörende Auspuffe an tiefergelegten Karossen, braungebrannte Männer mit blondierten Strähnchen flanierten stolz mit ihrer hübschen Freundin in bizepsbetonten Armen vorbei, an vielen der Handgelenke dieser Herren eine glitzernde Rolex oder Breitling und um mich hingen diverse Gucci- und Louis Vitton-Taschen mit extragroßem Print. Die Damen punkteten mit gut sitzenden Dekolletés, einem Hauch von Nichts am Körper, angesagten Designerbrillen und Frenchnail-Maniküre.
"Ganz wunderbar", dachte ich, "endlich bieten die milden Temperaturen wieder die lang ersehnte Selbstdarsteller-Bühne". Woher wohl dieses Protzgehabe kommt, diskutierte ich noch lange mit meiner Begleitung. Und auf meiner Rückfahrt nach Hamburg ein paar Tage später sprang mir wie gerufen die Headline eines Artikels des Spiegels (Spiegel Online, 09. Dezember 2008,) ins Auge. "Dass Playboys auch mal über ihre finanziellen Verhältnisse leben, halten Psychologen für ein Erbe der Evolution. Mit dem Geprotze wollen die Männer demnach vor allem neue Partnerinnen beeindrucken", stand da geschrieben. Das fand ich nun nicht wirklich neu, so ähnlich hatte ich mir das auch schon erklärt. Aber nun gibt es für das Verhalten wenigstens eine wissenschaftlich belegende Studie.
Der Psychologe Daniel Kruger von der University of Michigan in Ann Arbor (USA) konnte in einer Studie belegen, dass Männer, die zu hohen Geldausgaben neigen und finanzielle Risikobereitschaft besitzen mehr Partner in der Vergangenheit hatten, als Männer mit konservativen Finanzstrategien. Außerdem wünschten sie sich auch für die Zukunft mehr Partner ("Evolutionary Psychology" (Band 6 (4), S. 603). Nach seiner Theorie könnten hohe Geldausgaben im Sinne der Evolutionstheorie sinnvoll sein, um möglichen Sexualpartnern zu zeigen, dass man ein guter Versorger ist und eine Familie ernähren kann. Interessant an der Studie ist, dass diese Zusammenhänge vom Bildungsgrad, Alter und ehelichen Status unabhängig sind. Bei Frauen war dagegen kein Zusammenhang zwischen Geldausgaben und Partnerverhalten nachzuweisen. Sicher gilt dieser Erklärungsansatz für frühere Zeiten, als Frauen noch einen Ernährer suchten und einen Mann, der dies vermittelte, als besonders attraktiv empfanden. Aber heute?
Folgen wir den Thesen von Dr. Stefan Woinhoff in seinem Buch "Überlisten Sie Ihr Beuteschema", dann gehen viele Frauen und Männer aber immer noch einem archaischen Beuteschema wie ihre Mütter und Großmütter nach, obwohl sie das gar nicht mehr nötig hätten. Das bedeutet, dass Frauen Männer wählen, die ihnen im gesellschaftlichen Status ebenbürtig oder überlegen sind. Stellt sich die Frage, ob solches Wahlverhalten unbewusst verankert ist und so einfach dem Bewusstsein zugänglich gemacht und verändert werden kann. Auf jeden Fall scheint das Beuteschema der Damen immer noch Anreiz für viele Männer zu sein, durch einen hohen Status aus der "Sippe" herauszuragen und sich damit attraktiv zu machen. In der heutigen Zeit zeigen sie ihre Fähigkeiten nun, indem sie viele Konsumgüter kaufen. Nach Kruger versuchten Männer auf diese Weise, sich gegenseitig zu überbieten und dadurch ihren eigenen Status zu erhöhen. Spannend ist, dass der Wissenschaftler darin auch eine der Ursachen für die gegenwärtige Finanzkrise sieht. Er meint: "Wenn die Menschen mehr Geld verdienen und jeder ständig beweisen will, dass er besser ist als der Durchschnitt, werden die Erwartungen eben immer höher geschraubt." Gut, dass es viele Ausnahmen von der vermeintlichen Regel gibt. Im Straßencafé um die Ecke schienen auf den ersten Blick ganz andere Gesetzmäßigkeiten zu herrschen und andere Werte zu trumpfen.
Bleibt die Frage, ob die Finanzkrise uns durch kleiner werdende Mittel und ein angespanntes Portemonnaie mehr und mehr zum Loslassen von alten Rollenklischees veranlasst und Selbstwert und Status mehr im Innen als im Äußeren entwickelt werden. Es bleibt spannend…