Frauen und Männer verfolgen beim Küssen unterschiedliche Ziele. Männer zum Beispiel wollen Frauen Lust auf Sex machen...
Es ist kein Geheimnis, dass auch Tiere oral fixiert sind: Elefanten stecken sich gegenseitig die Rüssel ins Maul, Füchse lecken sich gegenseitig das Gesicht, Bonobos (Menschenaffen) züngeln sogar recht ausgiebig.
Tja, und auch wir sind ja selbstverständlich Tiere, und deswegen tun wir es auch. Bei uns heißt "es": Küssen!
Humanwissenschaftler aller Couleur messen dem Kuss eine große Bedeutung bei der Partnerwahl bei. Kürzlich erschien in der Süddeutschen Zeitung ein schöner Artikel hierzu (17.02.2009). Eine neue Wissenschaft hat sich eingereiht in die "Phalanx der ambitionieren Menschenversteher": sie heißt Philematologie (zu deutsch: Wissenschaft vom Küssen). Eine Vertreterin, die Psychologin Wendy Hill vom Lafayette College in Pennsylvania, ist quasi die Vertreterin dieses Fachs. Jedenfalls weiß die Forschung Interessantes zu berichten:
1. In mindestens 90 Prozent der menschlichen Kulturen wird geküsst.
2. Küssen stärkt höchstwahrscheinlich das Immunsystem.
3. Mehr als 60 Prozent neigen beim Züngeln den Kopf nach rechts.
4. Küssen baut Stress ab.
Ein Geschlechtsunterschied wurde außerdem offensichtlich.
Wenn Männer kutschen, steigt ihr Oxytocin-Gehalt. (Oxytocin ist bekannt als "Kuschel-Hormon"; es spielt eine Rolle bei der Mutter-Kind-Beziehung und bei glücklichen Paaren, die gemeinsam alt werden – soll es geben.)
Bei Frauen sinkt der Spiegel des Kuschel-Hormons. Warum, weiß man nicht.
Es sieht also stark so aus, als würden Männer und Frauen unterschiedlich empfinden, wenn sie knutschen. Das legt den Schluss nahe, dass die Geschlechter unterschiedliche Ziele beim Küssen verfolgen.
Hierzu sagt die bekannte US-amerikanische Psychologin Helen Fisher prinzipiell (Geiles Buch von ihr: "Warum wir lieben: Die Chemie der Leidenschaft", Patmos Verlag): "Männer sind die nasseren Küsser!"
Der (wahrscheinliche) Grund: Im Geiste spielt sich beim "starken Geschlecht" auf der Piste schon ziemlich viel ab, viel Sexuelles, versteht sich. Dieser "Wasserfall-Effekt" hat einen tieferen Sinn, weil (und jetzt kommt?s) "er" "ihr" mittels seines testosteronhaltigen Speichels ebenfalls Lust auf Sex machen will. Abgefahren, oder? Hier sieht man mal wieder, wie stark die Psychologie der Partnerwahl von unbewussten Mechanismen geprägt wird.
Aber das bedeutet nicht, lieber männlicher Leser, dass Sie es mit folgendem Flirt-Spruch probieren sollten: "Hi, ich finde dich attraktiv und würde dich gerne mit meinem Testosteron-Spiegel im Speichel biochemisch auf heiße Gedanken bringen." (So ein erster Satz klappt höchstens, wenn "sie" in Evolutionärer Psychologie promoviert ist. Und, klarer Fall, das ist eine von 10.000!)
Eine andere Ursache des Phänomens könnte sein, so die wissenschaftliche Vermutung, dass Mann durch den Zungenkuss unbewusst den Östrogen-Spiegel der Frau ermittelt. (Je höher die Konzentration dieses Sexualhormons, desto größer die Fruchtbarkeits-Wahrscheinlichkeit.) Auf diese Weise könnte der männliche Single herausfinden, ob sich Sex mit dieser einen Frau lohnt. Und Sex lohnt sich (biologisch gesehen) nur, wenn "sie" schwanger werden könnte.
Ja, die Natur hat einen gewissen Hang zur Un-Romantik, ich weiß. Ähnlich verhält es sich mit dem Phänomen Seitensprung, aber das ist ein anderes Thema.
Na ja.Das Leben ist oft etwas anders. Ich (52 w) habe meinen letzten EP Kontakt (57m) ziehmlich aus der Bahn geworfen.Der hatte solche erotischen Küsse trotz einiger Beziehungen noch nicht erlebt.Soviel zu potentiell schwanger werden.Nur Mut ihr Menschen jenseits der Familienplanung!
Das würde bedeuten, dass ältere Frauen keinen Sex mehr bekommen, da der Östrogenspiegel sinkt.
Wenn ich meine Freundinnen ansehe, stimmt es, kaum eine meiner älteren Freundinnen hat mehr Sex oder findet einen festen Partner, da die viele Männer sich nicht an ältere Frauen binden möchten.