Wie weit sollte man beim ersten Date gehen? Und welche Motivation steckt dahinter?
Gestern Abend habe ich erneut im Buch von Ulrike Bornschein "Bei Anruf nackt" gestöbert. Und schon wieder musste ich an so vielen Stellen über ihren Humor und ihre unverblümte Art, die typischen Schlüsselszenen bei der Partnersuche auf den Punkt zu bringen, herzhaft lachen.
Letztes Jahr habe ich die Autorin bei einer Talksendung fürs Fernsehen kennengelernt. Sie ist eine sehr attraktive Frau: Groß, schlank, alles sitzt an der richtigen Stelle. Die studierte Germanistin ist 42 Jahre alt, hat eine Tochter und lebt in Berlin. Nach einem Date mit einem gewissen Martin schreibt sie in ihrer E-Mail: "Ich neige, wenn mein Interesse geweckt wurde, zu kompromissloser Neugier. Darum ist Sex beim ersten Date für mich kein No Go (allerdings auch kein Must)." Dann beschreibt sie, wie sie ein paar Wochen später den überaus attraktiven Politikberater Alexander trifft, den sie beim ersten Date bei der Verabschiedung kurz aber intensiv küsst. So steht es jedenfalls in ihrem Buch geschrieben. Liest man das Buch weiter, weiß man, dass dies besondere Ausnahmen waren, weil besondere Erlebnisse und besondere Männer.
Ist ihre Einstellung richtig oder falsch? Ist sie zu offensiv, zu freizügig, hat sie sich zu interessiert und verfügbar gezeigt? Welches Verhalten ist Frauen beim ersten Date erlaubt?
In den USA bestimmen die so genannten Dating-Regeln den Ablauf. Wie und wann man was darf oder lassen muss ist hierin festgelegt. Amerikaner sind zum Beispiel recht freigiebig und offen, was die Handynummer betrifft. Kommt es dann aber tatsächlich zu einer Verabredung, kann es durchaus kompliziert werden. War das Treffen nett, dann steht der Mann in der Pflicht, sich zu melden, aber erst am nächsten Tag. Und Frau sollte dann zwei Tage mit der Antwort warten. Noch eine ganz wichtige Regel in Amerika: Never kiss on the first date – Wer sich (als Frau) nicht daran hält, wird schnell als "beliebig" verschrien. Und eine weitere goldene Regel: Kein Sex vor dem dritten Date, wenn man eine Beziehung und nicht nur eine Affäre sucht.
Im deutschsprachigen Raum werden solche Regeln eher belächelt, aber offenbar steckt darin auch ein Funke Wahrheit. Denn viele Männer UND Frauen geben auch in Deutschland in Umfragen wiederholt an, das ernsthafte Interesse an einer langfristigen Partnerschaft in Frage zu stellen, wenn man beim ersten Date im Bett landet. Das hat viel mit den eigenen Wertevorstellungen, aber auch mit der gesellschaftlichen Bewertung zu tun, die bei Männer und Frauen oft implizit in der Moral verankert sind. Daher halten sich viele an solche Regeln, selbst wenn diese der eigenen Lust widersprechen.
Manche sehen in der längeren Verführungsphase und der geduldigen Zurückhaltung ein Signal dafür, dass der potentielle Partner offenbar ernsthaftes Interesse an einer Partnerschaft hat. Aber ob eine längere Abstinenzphase tatsächlich eine Garantie für eine glückliche und dauerhafte Beziehung ist, das steht in den Sternen.
Wir können aber als gesichert annehmen, dass diese Variante häufiger als Indiz für ernsthaftes Interesse gewertet wird, als die Variante "ohne Vorlaufzeit". Wie lang oder kurz diese Phase nun sein sollte, das werden Sie individuell entscheiden müssen. Denn in Deutschland gibt es keine allgemeine Klarheit durch festgelegte Regeln. Und daher bleibt die Unsicherheit darüber, wie die Intimität vom Gegenüber interpretiert wird: Ob als selbstbewusste Offenheit bei gleich bleibendem Interesse, als Lust auf One-Night-Stand ohne Bindungsabsichten oder im schlimmsten Fall als "freizügig".
Mit der Wahl des Zeitpunkts, um intim zu werden, geben Sie unweigerlich ein Statement ab. Bewerten Sie dieses nicht über – aber seien Sie sich über die Wirkung bewusst. Am wichtigsten ist: Sie entscheiden immer ganz für sich selbst, wann Sie was wollen. Sie müssen zu keinem Zeitpunkt irgendetwas tun. Nehmen Sie sich daher so viel Zeit, wie Sie mögen und brauchen!
Nach diesem Artikel weiß ich, dass es in Amerika feste Datingregeln gibt, aber es in Deutschland keine festgelegten Regeln und daher keine Klarheit gebe. Ich nehme daraus mit, dass nicht alles bei uns reglementiert ist und es bei uns Verhaltensunsicherheiten deswegen gibt. Außerdem gebe ich mit dem Zeitpunkt des Intimwerdens ein Statement ab, das ich nicht überbewerten soll, aber trotzdem seiner Wirkung bewusst sein soll….
Außer dass dieser Artikel (wie viele andere hier auch) ein Meisterwerk für "kunstvoll vage" ist, welchen Mehrwert an Information bringt dieser Beitrag?
Lieber Axel,
wer selber so unsicher ist und sich in einem so hilfreichen und umfangreichen Servicebereich wie hier eine alles rettende "Vorschrift" sucht, hat den falschen Anspruch.
Mich regen solche Texte an, zeigen sie, wie schwierig es in Sachen Liebe ist. Ist vieles so "frei" und selbstbestimmt wie in Beziehungsfragen und Liebesangelegenheiten (ohne festgelegte Regeln), kommt es nun mal zu Unsicherheiten und der Pflicht, sich für sich selbst zu entscheiden und eine eigene Haltung zu entwickeln.
Mir macht ein solcher Beitrag klar, dass jeder auf seine Art entscheiden kann, sich jedoch der Wirkung bewusst sein soll. Signale sind ja nicht nur ein Senderproblem, sondern auch ein Empfängerproblem. Daher wird bei dem einen Mann vielleicht Intimität beim ersten oder zweiten Date richtig gedeutet, bei einem anderen mit einem anderen Wertesystem als "leicht zu haben" abgetan. Tja, Risiko ist immer dabei.
Wäre doch völlig falsch von Frau Fischbach, sich zu erheben und Datingregeln für Deutschland auszurufen.
Muss halt die Intuition und die eigene Haltung entscheiden. Das wichtigste ist doch, SICH treu zu beiben.
Schönen Tag noch,
Karin Kloster
Es ist leider kein Einzelfall der hier geschildert wird! Ich war schon oft erstaunt über die mangelnde Körperpflege mancher Herren. Schuppen auf dem Pulli oder eben ungepflegte Fingernägel, fettige Haare. Da beendet man halt den Kontakt ganz schnell. Schade, doch der erste Eindruck zählt. Liebe Herren, uns Frauen schreckt es ab. Bitte denkt doch daran!
Wenn ich Lust habe zum Knutschen, dann tue ich das. Egal, ob man das in USA nicht darf und in München schon eher. Ich kenne meine Grenzen und achte darauf, wie weit ich gehen will. Das nehme ich mir dann lustvoll, lasse mich aber gegen meine Grenzen nicht verführen, nur um zu gefallen.
Und welcher Typ die Frau nachher als "Schlampe" abtun muss, nur weil beide Lust und ehrlichen Sex hatten, der ist eh ein ganz peinliches Geschöpf.
Das meint E. Sonne